Die Großunterkunft für Geflüchtete auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel steht vor einem grundlegenden Wandel: Ab 2026 wird die bisherige Notunterkunft vollständig geräumt und zu einem zentralen Ankunftszentrum für Berlin umstrukturiert. Die Kapazitäten werden deutlich reduziert, Leichtbauhallen durch Container ersetzt.
Container Flüchtlingsunterkunft

Durch den Wechsel auf Container will der Senat nicht nur die Privatsphäre verbessern, sondern auch die Unterbringung effizienter gestalten. / © Foto: depositphotos.com / majorosl66

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Die Berliner Großunterkunft für Geflüchtete auf dem ehemaligen Flughafengelände in Tegel wird ab dem kommenden Jahr umfassend umgebaut. Bis Ende 2025 sollen sämtliche Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Standort ausgezogen sein. Die Sozialverwaltung hat angekündigt, dass alle derzeit dort lebenden Personen sukzessive auf andere Unterkünfte verteilt werden. Ziel ist es, den Standort in ein reines Ankunftszentrum umzuwandeln.

Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, die aktuelle Form der Unterbringung in Leichtbauhallen sei weder langfristig tragbar noch integrationsfördernd. Die Hallen böten kaum Privatsphäre und seien kostenintensiv. Deshalb plane der Senat, diese am Anfang des Jahres 2026 vollständig abzubauen.

Umbau nach EU-Vorgaben: Container statt Leichtbauhallen auf ehemaligem Flughafengelände in Tegel

Die Umstrukturierung in Tegel erfolgt im Rahmen der EU-weiten Reform des Gemeinsamen europäischen Asylsystems (GEAS), die bis Sommer 2026 von allen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden muss. Geplant ist, auf dem Gelände Containerunterkünfte für rund 2.600 Menschen aufzustellen. Diese sollen ausschließlich für neu in Berlin ankommende Geflüchtete genutzt werden.

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Durch den Wechsel auf Container will der Senat nicht nur die Privatsphäre verbessern, sondern auch die Unterbringung effizienter gestalten. Die Notunterkunft in Tegel, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 kurzfristig errichtet worden war, hatte ursprünglich über 6.000 Plätze. Seitdem wurden die Kapazitäten schrittweise reduziert, zuletzt auf rund 2.050 Personen.

Geflüchtetenunterkunft Tegel wird langfristig als Ankunftszentrum genutzt

Wie die Berliner Senatskanzlei bereits im Mai 2025 mitteilte, soll das Gelände in Tegel noch bis mindestens 2031 als zentrales Ankunfts- und Registrierzentrum genutzt werden. Diese Verlängerung der Nutzung über das ursprünglich vorgesehene Jahr 2025 hinaus wurde vom Senat offiziell beschlossen. Das bisherige Ankunftszentrum auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf soll im Gegenzug geschlossen und nach Tegel verlagert werden.

Der bisherige Betreiber des Reinickendorfer Zentrums soll seine Arbeit dann in Tegel fortführen. Die sanierungsbedürftigen Gebäude in Reinickendorf können nach dem Umzug instandgesetzt werden. Kiziltepe betonte, dass mit dem neuen Konzept bessere Bedingungen für Ankommende geschaffen werden sollen.

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Rückblick: Ehemaliger Flughafen Tegel als größte Notunterkunft Deutschlands

Noch im September 2024 war die Geflüchtetenunterkunft Tegel mit knapp 5.000 Personen belegt und galt als die größte Einrichtung dieser Art bundesweit. Die nun stark reduzierten Zahlen sind nicht nur auf gezielte Umverteilungen, sondern auch auf gesunkene Ankunftszahlen neuer Geflüchteter zurückzuführen.

Tatsächlich war der Standort erst im Mai 2024 um 1.000 Plätze erweitert worden. Auch CDU-Fraktionschef Dirk Stettner hatte damals eine nochmalige Aufstockung ins Gespräch gebracht. Der nun angekündigte Rückbau und die Neuausrichtung markieren daher eine deutliche politische Kurskorrektur.

Quellen: Der Tagesspiegel, Senatskanzlei Berlin

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