Seit über 100 Jahren prägen Bahnhof, Wochenmarkt und kleine Läden den Kranoldplatz in Lichterfelde Ost. Aus dem einst ländlichen Bahnhofsumfeld wurde ein wichtiges Stadtteilzentrum im Berliner Südwesten. Wie sich der Platz bald verändern könnte, wird derzeit rege diskutiert.

Der Kranoldplatz in Lichterfelde Ost dient außerhalb der Markttage überwiegend als Parkplatz. Eine aktuelle Machbarkeitsstudie untersucht Möglichkeiten für mehr Grünflächen und Aufenthaltsqualität. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Der Kranoldplatz in Lichterfelde Ost sorgt nach der Vorstellung einer neuen Machbarkeitsstudie derzeit für rege Diskussionen. Zwischen mehr Grün, besserer Aufenthaltsqualität und dem Erhalt von Parkplätzen gehen die Meinungen weit auseinander.

Gleichzeitig lohnt sich ein Blick zurück: Wo heute Busse, Marktstände und Passanten den Alltag bestimmen, lagen im 19. Jahrhundert noch Felder und Bahnanlagen. Erst mit dem Ausbau des Bahnhofs entwickelte sich der Platz schrittweise zu einem wichtigen Einkaufs- und Verkehrszentrum in Steglitz-Zehlendorf.

Erster Bahnhof in Lichterfelde Ost: Wie der Platz entstand

Die Geschichte des Kranoldplatzes ist eng mit dem Bahnhof Lichterfelde Ost verbunden. Der Bahnhof wurde im Jahr 1886 eröffnet und entstand im Zuge der Entwicklung der Villenkolonie Lichterfelde. Finanziert wurde das Projekt vom Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn, der wohlhabende Berliner für ein Leben im Grünen begeistern wollte.

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Damals lagen die Gleise der Anhalter Bahn noch auf Geländeniveau. Rund um den Bahnhof entwickelte sich nach und nach ein neues Zentrum des Ortsteils. Aus dem zuvor landwirtschaftlich geprägten Gebiet entstand ein wachsender Verkehrsknotenpunkt, der Handel und Wohnbebauung miteinander verband.

Markt und Geschäftsleben am Kranoldplatz: Der Platz wurde zum Zentrum

Auf dem Kranoldplatz in Lichterfelde-Ost findet regelmäßig der bekannte Wochenmarkt statt.

Der dreieckige Kranoldplatz wird bis heute von Einzelhandel, Gastronomie und seiner Funktion als Marktstandort geprägt. Mittwochs und samstags findet hier ein Wochenmarkt statt. / © Foto: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Kranoldplatz zu einem wichtigen Versorgungsstandort. Seit 1908 finden dort regelmäßig der Wochenmarkt und der Ferdinandmarkt statt. Bis heute verwandelt sich die asphaltierte Fläche mittwochs und samstags in einen belebten Marktplatz.

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Historische Aufnahmen zeigen, dass der Platz bereits vor mehr als 100 Jahren ein Anziehungspunkt für Besucher aus Lichterfelde und dem Umland war. Statt parkender Autos prägten damals jedoch vor allem Fahrräder und Fußgänger das Bild. Rings um den Platz siedelten sich zahlreiche Geschäfte an, darunter das Eisen- und Haushaltswarengeschäft Otto Schoepke sowie der „Palast Lichtspiele“.

Bahnausbau in Lichterfelde Ost: Die Eisenbahn prägte das Ortsbild

Stellwerk am Kranoldplatz in Berlin-Lichterfelde.

Das ehemalige Stellwerk „LiO“ prägt bis heute das Ortsbild am Kranoldplatz. Der zwischen 1915 und 1916 errichtete Turm diente einst dem Fern- und Güterverkehr der Anhalter Bahn. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Bahnhof umfassend erweitert. Die Gleise wurden hochgelegt und der Bahnhof erhielt neue Bahnsteige sowie ein Empfangsgebäude mit Uhrgiebel. Gleichzeitig entstand westlich des Bahnhofs eine Straßenunterführung.

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Auch der bis heute unter Denkmalschutz stehende Stellwerksturm „LiO“ wurde zwischen 1915 und 1916 errichtet. Der viergeschossige Bau aus Stahlbeton und Klinker diente dem Fern und Güterverkehr. Nach dem Ende des Fernbahnanschlusses verlor das Stellwerk jedoch seine Funktion und wurde 1952 außer Betrieb genommen.

Machbarkeitsstudie liegt vor: Zukunft des Kranoldplatzes steht zur Debatte

Entlang der Lankwitzer Straße entwickelte sich rund um den Kranoldplatz ein kleinteiliges Geschäftsviertel. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Trotz zahlreicher Veränderungen hat sich die Grundstruktur des Kranoldplatzes bis heute erhalten. Die Randbebauung überstand den Zweiten Weltkrieg größtenteils und viele kleinere Geschäfte prägen weiterhin das Umfeld. Hinzu kamen später neue Einkaufspassagen und das Einkaufszentrum „LIO“.

Gleichzeitig wird seit Jahren über die Zukunft des Platzes diskutiert. Außerhalb der Markttage dient die Fläche überwiegend als Parkplatz. Initiativen aus dem Stadtteil fordern daher mehr Grünflächen und eine höhere Aufenthaltsqualität. Eine aktuelle Machbarkeitsstudie untersucht inzwischen mehrere Varianten für eine mögliche Umgestaltung des historischen Platzes.

Verwaltung und Politik wollen die Rückmeldungen aus der Umgebung auswerten und in die nächsten Planungsschritte einfließen lassen. Anwohnende, Gewerbetreibende und Interessierte sind weiterhin eingeladen, sich einzubringen und die Zukunft des Kranoldplatzes aktiv mitzugestalten.

Quellen: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Machbarkeitsstudie Kranoldplatz, HGHI Holding GmbH, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Gazette Verbrauchermagazin

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3 Kommentare

  1. KREIENBRING Jörg 12. Mai 2026 at 21:17 - Reply

    Das werde ich bei den immer wieder eingehenden gegenseitigen Meinungen,leider nicht mehr erleben und durch unsere verdammte Bürokratie sowieso erst in 50 Jahren,wenn es kaum noch Autos gibt,realisiert werden wird

  2. Teichert 13. Mai 2026 at 07:18 - Reply

    Leider gar nicht schön dort, zu viel Beton, zu viele Autos und zu viel Lärm, Radweg gibt’s auch nicht, von daher als Anwohner für mich echt unattraktiv. Und die Nutzung als Parkplatz ist auch fragwürdig, es gibt ja ein riesiges Parkhaus direkt um die Ecke beim Lio.

  3. Margrit Braun 13. Mai 2026 at 08:28 - Reply

    Der Kranoldplatz ist zur Zeit nur attraktiv, wenn Markt ist.Beim Parken an den anderen Tagen geht es teilweise chaotisch zu.Fussgänger versus Autofahrer.Es muss ein Konzept her, die Fußgänger und Fahhradfaher sicher von den Autos zu trennen. Auf alten Fotos sieht man den Platz noch schön begrünt,das sollte auch wieder so sein,auchauf Kosten von Parkplätzen. Der Lioparkplatz ist auch an Markttagen zu ca.einem Drittel frei.

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