In Alt-Hohenschönhausen stehen gleich mehrere große Wohnungsbauprojekte vor der Umsetzung oder kurz vor der Fertigstellung. Zusammengenommen entstehen mehr als 1.000 neue Wohnungen für schätzungsweise rund 2.000 Menschen. Doch mit dem Wachstum rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Ist die bestehende Infrastruktur auf diesen Zuzug vorbereitet?

In der Konrad-Wolf-Straße ist der Bau von 441 Wohnungen weit vorangeschritten. Ende des Jahres können vermutlich die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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© Visualisierung Titelbild: DLE Land Development GmbH (heute: Periskop Development)
Alt-Hohenschönhausen entwickelt sich derzeit zu einem der dynamischsten Wohnungsbauschwerpunkte im Bezirk Lichtenberg. Entlang der Konrad-Wolf-Straße und rund um das ehemalige Sportforum entstehen in kurzer zeitlicher Abfolge mehrere neue Quartiere, die den Stadtteil deutlich verdichten. Insgesamt sind drei größere Wohnungsbauprojekte geplant oder bereits im Bau, die das Gebiet langfristig prägen werden.
Zusammengenommen beläuft sich das geplante Wohnungsvolumen auf deutlich über 1.000 Einheiten. Geht man von einer durchschnittlichen Haushaltsgröße aus, könnten künftig rund 2.000 zusätzliche Bewohnerinnen und Bewohner in den Stadtteil ziehen. Damit stellt sich zunehmend die Frage nach der Leistungsfähigkeit von Verkehr, sozialer Infrastruktur und öffentlichem Raum.
Konrad-Wolf-Straße: 441 Wohnungen sollen im August 2026 fertiggestellt werden

Die weiße Außenfassade ist bereits deutlich sichtbar. An den meisten Wohngebäuden wurden die Gerüste inzwischen abgebaut, sodass das neue Quartier mit seinen 441 Wohnungen zunehmend als zusammenhängende Wohnanlage erkennbar wird. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Am weitesten fortgeschritten ist das Wohnungsbauprojekt an der Konrad-Wolf-Straße. Dort stehen drei Wohnblöcke mit insgesamt 441 Mietwohnungen kurz vor dem Abschluss. Die Fassaden sind weitgehend fertiggestellt, Gerüste wurden bereits zurückgebaut und der Innenausbau läuft auf Hochtouren. Die Übergabe der Wohnungen ist derzeit für August 2026 vorgesehen.
Nach der Fertigstellung wird das Quartier Wohnraum für mehrere hundert Haushalte bieten. Es handelt sich um eines der größten Neubauvorhaben im Bezirk, das bereits in wenigen Monaten spürbare Auswirkungen auf das Umfeld haben dürfte, sowohl hinsichtlich der Bevölkerungszahl als auch der Nutzung bestehender Infrastruktur.
Fennpfuhl: 580 Wohnungen geplant — Baubeginn ab 2026, Fertigstellung ab 2029
Ein zweites Großprojekt entsteht in direkter Nachbarschaft am Fennpfuhl. Auf einem ehemaligen Busparkplatz an der Kreuzung Hohenschönhauser Straße und Weißenseer Weg soll ein neues Quartier mit rund 580 Wohnungen realisiert werden. Der Bebauungsplan ist bereits beschlossen, der Baubeginn wird derzeit frühestens für 2026 erwartet.
Neben dem Wohnungsbau sind auch eine dreizügige Grundschule, Sportflächen und ergänzende Nutzungen vorgesehen. Die Bauzeit wird auf etwa drei Jahre geschätzt, sodass erste Wohnungen ab 2029 bezugsfertig sein könnten. Das Projekt soll nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch infrastrukturelle Defizite im Umfeld teilweise ausgleichen.
500 bis 600 Wohnungen geplant: Neues Quartier auf dem Sporthotel-Areal

Das ehemalige Sporthotel Hohenschönhausen steht seit Jahren leer. Geplant ist jedoch, das Areal zu einem gemischten Quartier umzubauen und dort bis zu 600 Wohnungen zu errichten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Das dritte Vorhaben betrifft das Areal des ehemaligen Sporthotel Hohenschönhausen, eine seit Jahren brachliegende Problemimmobilie. Auf dem rund 31.000 Quadratmeter großen Grundstück ist ein gemischtes Quartier mit 500 bis 600 Wohnungen geplant. Die Umsetzung soll in fünf Bauabschnitten erfolgen.
Der Bebauungsplan 11-9a ist bislang jedoch nicht festgesetzt. Abriss und Neubau können daher erst beginnen, wenn Baurecht geschaffen ist. Ob und wann das Projekt realisiert wird, bleibt damit offen, auch wenn es langfristig einen erheblichen Beitrag zur Wohnraumentwicklung leisten könnte.
Alt-Hohenschönhausen: Reichen ÖPNV und soziale Infrastruktur für über 1.000 neue Wohnungen?
Der Standort ist verkehrlich nicht schlecht angebunden. An der Station Hohenschönhauser Straße verkehren die Tramlinien M5, M6 und 16, die eine direkte Verbindung in Richtung Innenstadt bieten. Dennoch stellt sich angesichts des geplanten Zuzugs die Frage, ob diese Kapazitäten langfristig ausreichen.
Mit über 1.000 neuen Wohnungen wächst der Druck auf Kitas, Schulen, Grünflächen und den öffentlichen Verkehr. Während einzelne Projekte bereits soziale Infrastruktur mitdenken, fehlt bislang eine übergeordnete Betrachtung für den gesamten Standort. Alt-Hohenschönhausen steht damit exemplarisch für eine zentrale Herausforderung der Berliner Stadtentwicklung: Wohnungsbau und Infrastruktur müssen Schritt halten, nicht zeitversetzt, sondern gemeinsam.
Fennpfuhl
Konrad-Wolf-Straße
Sporthotel Hohenschönhausen
Quellen: WBM, COSIMO Investment Group, Ten Brinke, Der Regierende Bürgermeister – Senatskanzlei, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Tagesspiegel, AG.URBAN, BSM mbH
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