Berlin will die U7 von Rudow nach Schönefeld verlängern. Für eine Expo 2035 erhält das lange geplante Verkehrsprojekt nun neue politische Bedeutung.

Die U7 endet bislang am U-Bahnhof Rudow in Berlin-Neukölln. Geplant ist eine Verlängerung über Schönefeld bis zum Flughafen BER. / © Foto: BVG, Oliver Lang
© Titelbild: Wikimedia Commons, Ingolf from Berlin, CC BY-SA 2.0 (mit KI bearbeitet)
Die Verlängerung der U7 von Rudow nach Schönefeld wird seit Jahren untersucht. Nun bekommt das Projekt eine neue politische Bedeutung. Berlin verbindet eine mögliche gemeinsame Expo-Bewerbung mit Brandenburg mit einer leistungsfähigen U-Bahn-Anbindung des geplanten Ausstellungsgeländes. Doch zwischen dem politischen Wunsch und einer fertigen Strecke liegen noch erhebliche Hürden.
- Bezirk/Gemeinde: Neukölln / Schönefeld im Landkreis Dahme-Spreewald
- Projekt: Verlängerung der U7 von Rudow über Schönefeld zum Flughafen BER
- Projektstatus: Wirtschaftlichkeit nachgewiesen, weitere Planung und Finanzierung offen
- Streckenlänge: rund acht Kilometer nach bisherigem Planungsstand
Am südlichen Ende der U7 beginnt das Projekt dort, wo die Linie seit Jahrzehnten endet: am U-Bahnhof Rudow in Berlin-Neukölln. Von dort soll die Strecke über die Landesgrenze nach Schönefeld und weiter zum Flughafen BER führen. Eine BVG-Machbarkeitsstudie hatte bereits 2020 bestätigt, dass eine solche Verlängerung betrieblich grundsätzlich möglich ist. Die damalige Untersuchung ging für die bevorzugte Variante von einem Potenzial von rund 35.000 Fahrgästen pro Tag aus.
Vorgesehen waren damals eine oder zwei neue Stationen auf Berliner Gebiet sowie weitere Halte in Brandenburg. Dazu gehören der Bahnhof Schönefeld, das frühere Terminal 5 und Standorte innerhalb der Airport City. Auch ein Halt beim geplanten Gewerbequartier „Midfield Gardens“ wurde untersucht, galt jedoch als optional.
U7 nach Schönefeld: Wirtschaftlichkeit ist inzwischen bestätigt
Im April 2025 folgte ein entscheidender Schritt. Eine von Intraplan Consult erarbeitete Nutzen-Kosten-Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der Strecke die angesetzten Investitionen übersteigt. Damit erfüllt das Vorhaben grundsätzlich eine zentrale Voraussetzung für eine Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. An der Untersuchung beteiligten sich neben Berlin auch Brandenburg, der Landkreis Dahme-Spreewald, die Gemeinde Schönefeld und die Flughafengesellschaft FBB.
Damit ist die U7 jedoch noch nicht beschlossen. Die beteiligten Länder müssen insbesondere klären, wie sie Planung und Bau finanzieren wollen. Auch ein Förderantrag des Bundes und die anschließenden Planungs- und Genehmigungsschritte stehen noch aus. Die positive Wirtschaftlichkeitsprüfung schafft dafür eine Grundlage, ersetzt aber keine politische Bauentscheidung. Selbst die Flughafengesellschaft erklärte 2025, dass nun vor allem Gespräche über die Finanzierung erforderlich seien.
Expo 2035 bringt U7-Verlängerung zurück ins politische Blickfeld
Neue Dynamik erhält das Vorhaben nun durch die mögliche Weltausstellung 2035. Berlin und Brandenburg prüfen derzeit eine gemeinsame Bewerbung, wobei das Hauptgelände nach den bisherigen Überlegungen in Schönefeld liegen soll. Schönefeld soll bei den Expo-Überlegungen eine zentrale Rolle einnehmen.
Nun geht Berlin deutlich weiter. Nach Tagesspiegel-Informationen hat die Berliner Wirtschaftsverwaltung gegenüber Brandenburg erklärt, dass eine U7-Anbindung des geplanten Expo-Geländes eine Voraussetzung für eine gemeinsame Bewerbung sein soll.
Hintergrund sind die erwarteten Besucherströme: Die Expo-Gesellschaft rechnet im Durchschnitt mit rund 160.000 Gästen pro Tag. Mindestens 60 Prozent, möglichst sogar 75 Prozent, sollen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.
Brandenburg zweifelt an U7-Fertigstellung bis 2035
Genau an diesem Punkt zeigt sich jedoch der politische Konflikt. Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach hält eine Fertigstellung der U7 bis zu einer möglichen Expo 2035 wegen der langen Planungszeiten für unrealistisch. Zudem stellte er eine größere Finanzierung durch das Land Brandenburg infrage. Vorrang habe für ihn zunächst eine bessere Nutzung der bereits vorhandenen öffentlichen Verkehrsverbindungen zum BER, besonders in den frühen Morgen- und späten Abendstunden.
Damit bleibt offen, ob die U7 tatsächlich rechtzeitig für eine Expo gebaut werden könnte. Auch die Finanzierung ist bislang nicht geklärt. Die bisher diskutierte Gesamtstrecke von Rudow bis zum BER umfasst rund acht Kilometer und bis zu sieben neue Stationen. Eine kürzere Verlängerung nur bis in den Norden Schönefelds würde lediglich einen Teil davon abdecken.
U7-Verlängerung von Rudow nach Schönefeld und zum BER
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg, Tagesspiegel, BVG
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