Die Verlängerung der U5 ins Frankfurter Europaviertel gilt als zentrales Infrastrukturprojekt für die wachsende Stadt. Doch die angespannte Lage auf dem Baumarkt, wiederholte Vergabeverfahren und steigende Kosten sorgen für deutliche Verzögerungen. Nun rückt das Jahr 2029 als realistischer Termin für die Inbetriebnahme in den Blick.

Die Baugrube der U5 ist 180 Meter lang, durchschnittlich 30 Meter breit und 24 Meter tief. Die Inbetriebnahme ist nun jedoch erst für 2029 geplant. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Die Anbindung des Frankfurter Europaviertels an die Stadtbahn rückt weiter in die Ferne. Grund sind Engpässe auf dem Markt für Schieneninfrastruktur, die bereits zu mehrfachen Verzögerungen im Projekt geführt haben. Statt wie zunächst geplant Mitte der 2020er Jahre, soll die neue Strecke der Linie U5 nun frühestens 2029 in Betrieb gehen.
Nach Angaben der Stadtbahn Entwicklung und Verkehrsinfrastrukturprojekte Frankfurt GmbH (SBEV) mussten seit 2023 vier zentrale Vergabeverfahren aufgehoben werden. Betroffen waren unter anderem Baulogistik, oberirdischer Fahrweg, elektrische Anlagen und der unterirdische Fahrweg. Häufig gingen keine wertbaren oder wirtschaftlich tragfähigen Angebote ein.
U5-Verlängerung ins Europaviertel: Engpässe bei Schlüsselgewerken
Florian Habersack, kaufmännischer Geschäftsführer der SBEV, betonte, dass das Projekt in hohem Maße von der Marktsituation abhängig sei. Wenn zentrale Gewerke nicht vergeben werden könnten, wirke sich das unmittelbar auf den gesamten Bauablauf aus. Für eine Inbetriebnahme sei es entscheidend, dass alle Fachgewerke ineinandergreifen.
Die aktuelle Situation zeige, dass Nachfrage und Angebot im Bereich Gleisbau und Bahntechnik nicht im Gleichgewicht stünden. Besonders Fachfirmen für Spezialgewerke seien rar. Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert sprach in diesem Zusammenhang von einer ernüchternden Nachricht für die Frankfurter Bevölkerung. Zugleich hob er hervor, dass die Projektbeteiligten mit Flexibilität und großem Einsatz nach Lösungen suchten.
Vergaben in kleinere Lose aufgeteilt, rund 20 weitere Vergaben sollen bis Ende 2026 folgen
Inzwischen konnten drei der vier Schlüsselgewerke in einer zweiten Ausschreibungsrunde vergeben werden, darunter Baulogistik und der oberirdische Fahrweg. Im Bereich der elektrischen Anlagen habe sich eine neue Strategie als hilfreich erwiesen: Die Leistungen wurden in kleinere Pakete aufgeteilt, um mehr Bieter zu erreichen.
Technischer Geschäftsführer Ingo Kühn erläuterte, dass kleinere Lose für viele Firmen kalkulierbarer seien. Für die SBEV bedeute dies zwar einen höheren Aufwand in der Vorbereitung, doch durch die Anpassung der Strategie sei es gelungen, die Auftragsvergabe wieder voranzubringen. Bis Ende 2026 sollen rund 20 weitere Vergaben folgen.
Vier Stationen auf 2,7 Kilometern: U5-Verlängerung ist ein Projekt mit langer Vorgeschichte
Die Verlängerung der U5 ins Europaviertel gehört zu den größten Infrastrukturvorhaben Frankfurts. Ziel ist es, das Quartier mit seinen künftig rund 30.000 Bewohnerinnen und Bewohnern sowie zahlreichen Arbeitsplätzen an das städtische Schienennetz anzubinden.
Die 2,7 Kilometer lange Strecke umfasst vier Stationen, davon eine unterirdische am Güterplatz und drei oberirdische entlang der Europa-Allee. Teile des Tunnels und der Rampe sind bereits im Rohbau fertiggestellt. Der Bau des unterirdischen Abschnitts läuft seit 2017, die Arbeiten im oberirdischen Bereich sollen ab 2025 ausgeweitet werden.
Kostensteigerungen und neue Zeitpläne: Geplante Fertigstellung der U5-Verlängerung fast 4 Jahre verzögert
Ursprünglich war die Fertigstellung für 2025 vorgesehen. Später wurde der Termin auf 2027 verschoben. Angesichts der aktuellen Marktlage erscheint nun 2029 realistisch. Parallel zu den Verzögerungen sind die Kosten von ursprünglich rund 373 Millionen Euro auf inzwischen etwa 515 Millionen Euro gestiegen.
Die Stadt Frankfurt trägt zunächst die Mehrkosten, während Bund und Land Hessen voraussichtlich einen erheblichen Anteil erstatten werden. Trotz aller Herausforderungen gilt das Projekt als wichtiger Schritt, um den öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt zukunftsfähig zu machen und das Europaviertel dauerhaft in die städtische Infrastruktur einzubinden.
Quellen: frankfurt.de – Stadt Frankfurt am Main
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