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Seit fast einem Jahrzehnt ist der U-Bahnhof Schloßstraße in Steglitz eine Dauerbaustelle. Nach jahrelangem Stillstand rechnet der Senat nun erst in den 2030er-Jahren mit einer Fertigstellung. Grund sind Denkmalauflagen, Planungsfehler und langwierige Genehmigungsverfahren.
Der U-Bahnhof ist sanierungsbedürftig, das Beton wirkt verschmutzt und ungepflegt.

Die Wände des U-Bahnhof Schloßstraße sind großflächig mit Graffiti und Tags bedeckt, der Beton wirkt verschmutzt und ungepflegt. An den Wandflächen ist der Putz stellenweise abgeplatzt, sodass die rohe Betonstruktur sichtbar wird. Auch die Pfeiler sind beschmiert und zeigen Spuren jahrelanger Vernachlässigung. Die Beleuchtung wirkt funktional, aber alt und ungleichmäßig, was den düsteren Eindruck verstärkt. / © Foto: Wikimedia Commons, Muns, CC BY-SA 4.0

© Foto: Wikimedia Commons, Muns, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Lukas Beck, CC BY-SA 4.0

 

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Der U-Bahnhof Schloßstraße an der Einkaufsmeile im Berliner Südwesten ist seit 2016 eine Dauerbaustelle. Damals begann die BVG mit der Sanierung, stoppte die Arbeiten jedoch 2017, nachdem das Landesdenkmalamt die Station aus dem Jahr 1974 unter Schutz gestellt hatte. Seitdem prägen nackter Beton, herabhängende Kabel, Graffiti und provisorische Bauabsperrungen das Bild.

Die zunächst geplanten Maßnahmen wurden weitgehend eingestellt. Lediglich ein Aufzug wurde eingebaut und Schadstoffe entfernt. Fahrgäste der Linie U9 steigen seither in einer provisorisch hergerichteten Station ein und aus.

Aufzugsplanung verzögert Fertigstellung des Bahnhofs Schloßstraße in Steglitz um Jahre

In einer aktuellen Antwort auf eine parlamentarische Anfrage vom Tagesspiegel teilte Verkehrsstaatssekretär Arne Herz mit, dass die Fertigstellung nun erst „in den 30er-Jahren“ vorgesehen sei. Einen genauen Termin nennt die Verwaltung nicht. Grund für die Verzögerung sei, dass der ursprünglich vorgesehene Standort des neuen Aufzugs nicht umsetzbar war. Die Planungen mussten angepasst und die Bausubstanz erneut geprüft werden.

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Ein detaillierter Kosten- und Zeitplan liegt nicht vor. Herz erklärte dem Tagesspiegel, der nun abgestimmte Aufzugsstandort werde voraussichtlich keine weiteren Verzögerungen oder Kostensteigerungen verursachen.

Abgeordneter Lux wirft Senat Untätigkeit und fehlende Ausschreibungen vor

Der Steglitzer Abgeordnete Benedikt Lux (Grüne) zeigte sich enttäuscht. Er sagte, der Einzelhandel, die großen Center und die Anwohnenden setzten sich für die Einkaufsstraße ein, während der Senat untätig bleibe. Er forderte, die Verkehrsverwaltung müsse „die Gesamtverantwortung übernehmen“.

Lux kritisierte zudem laut Tagesspiegel, dass trotz jahrelanger Verzögerung keine klaren Ausschreibungen vorlägen und die Sanierung angeblich im Kostenrahmen bleibe, eine Einschätzung, die er für unrealistisch hält.

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Denkmalschutzverfahren für Bahnhof Schloßstraße noch nicht abgeschlossen

Laut BVG sind inzwischen alle offenen Punkte mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden abgestimmt und in die Planung eingeflossen. Die Genehmigungen stehen jedoch noch aus, auch seitens der Technischen Aufsichtsbehörde. Das Landesdenkmalamt erklärte, man habe seit Mai einen weiteren Antrag der BVG vorliegen, über den innerhalb von drei Monaten entschieden werden müsse.

Das Amt betonte, es sei wichtig, das architektonische Gesamtensemble der Schloßstraße zu erhalten. Der Bahnhof, entworfen von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, gehört zu einer Gruppe von Bauwerken, zu der auch der „Bierpinsel“ und die Joachim-Tiburtius-Brücke zählen.

U-Bahnhof Schloßstraße droht längste Sanierungsdauer im Berliner Netz

Auch an anderer Stelle im Berliner U-Bahn- und S-Bahnnetz stehen größere Sanierungen bevor: Der als „Gruseltunnel“ bekannte Fußgängertunnel am S-Bahnhof Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg soll ab Ende 2026 grundlegend erneuert werden. Die unterirdische Verbindung zwischen Tramhaltestelle und Bahnhof bleibt erhalten, wird aber mit neuen Treppenanlagen, moderner technischer Ausstattung und einer verbesserten Barrierefreiheit ausgestattet. Die Bauarbeiten werden mit der geplanten Umgestaltung der Straßenbahnhaltestelle abgestimmt.

Dahingegen könnte der U-Bahnhof Schloßstraße, mit einer möglichen Sanierungsdauer von 15 bis 20 Jahren, zu einem Rekordfall im Berliner U-Bahn-Netz werden. Andere Stationen wie Yorckstraße oder Kleistpark waren ebenfalls jahrelang im Umbau, erreichen jedoch nicht diese Dimension. Für Fahrgäste und Anwohnende bedeutet dies noch viele Jahre Warten auf eine modernisierte Station.

Quellen: Tagesspiegel, Berliner Morgenpost

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