Der TVO-Baubeginn in Berlin rückt weiter in die Ferne. Der aktuelle Zeitplan hängt am Planfeststellungsverfahren, neuen Verkehrsprognosen, Einwendungen und offenen Finanzierungsfragen.

Die geplante TVO soll gut 7 Kilometer lang sein und Marzahn-Hellersdorf mit Treptow-Köpenick verbinden. / © Bild: Open Street Map
© Titelbild / Visualisierung: Kolb und Ripke Gesellschaft von Architekten mbH
Der geplante Bau der TVO kommt noch später als lange erwartet – wenn überhaupt. Nach aktuellem Stand strebt die zuständige Verwaltung den Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren noch im Jahr 2026 an. Erst danach kann Berlin die nächsten Schritte klären. Damit bleibt ein konkreter Baubeginn weiter offen. Auch die Finanzierung bereitet große Sorgen.
- Bezirke: Marzahn-Hellersdorf , Treptow-Köpenick
- Strecke: Spindlersfelder Straße/An der Wuhlheide bis Märkische Allee/B1/B5
- Länge: rund 7,2 Kilometer
- Querschnitt: vierstreifige Straße erster Ordnung
- Status: Planfeststellungsverfahren läuft
- Aktueller Kostenausblick: 663 Millionen Euro
Die TVO soll den Verkehr zwischen Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick bündeln und Wohngebiete entlasten. Doch der neue Zeitplan zeigt, wie weit das Projekt noch vom Bau entfernt ist. Die Planunterlagen gingen Ende Oktober 2023 ein. Nach einer Prüfung überarbeitete die Verwaltung die Unterlagen. Vom 7. Mai bis 6. Juni 2024 lagen sie öffentlich aus. Seitdem arbeitet die Vorhabenträgerin Stellungnahmen und Einwendungen ab. Nach Senatsangaben liegen Stellungnahmen von 60 Trägern öffentlicher Belange vor. Zusätzlich gingen 695 Einwendungen ein, die 2.144 Personen betreffen.
TVO-Zeitplan hängt an Einwendungen und Verkehrsprognose 2035
Der Erörterungstermin gilt als nächster zentraler Schritt. Dort behandelt die Anhörungsbehörde die Einwendungen und die Stellungnahmen. Vorher muss die Verwaltung jedoch die objektkonkrete Verkehrsprognose auf Basis des Allgemeinen Verkehrsmodells 2035 überarbeiten. Das ist relevant, weil der Prognosehorizont etwa zehn Jahre abdecken muss. Ändern sich dadurch Verkehrsbelastungen, müssen auch Lärm- und Luftschadstoffgutachten angepasst werden.
Zusätzlich laufen Abstimmungen mit Behörden, darunter dem Eisenbahn-Bundesamt. Das erhöht die Komplexität, weil die geplante Trasse über weite Teile entlang des Berliner Außenrings verläuft und mehrere Bahnanlagen kreuzt. Der geplante Abschnitt beginnt im Süden an der Spindlersfelder-Brücke, führt über die Straße An der Wuhlheide, quert die Rudolf-Rühl-Allee, die Köpenicker Straße, den Bereich Pirolstraße/Lauchhammerstraße sowie die Trasse der U-Bahnlinie U5 und bindet im Norden an die Märkische Allee sowie die B1/B5 an.

Die Infografik zeigt die wichtigsten Verfahrensschritte bis zum Baubeginn der TVO. / © Grafik: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
TVO-Baubeginn bleibt ohne Planfeststellungsbeschluss offen
Ein Baubeginn setzt mehrere Schritte voraus. Berlin braucht zuerst einen rechtsgültigen Planfeststellungsbeschluss und eine bestätigte Bauplanungsunterlage. Erst danach können Ausführungsplanung, Vergabeunterlagen, Ausschreibungen und Bauvergaben folgen. Mögliche Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss bleiben ein zeitlich nicht kalkulierbares Risiko.
Die technischen Eingriffe sind erheblich. Die Unterlagen nennen unter anderem ein Brückenbauwerk am südlichen Knotenpunkt, vier Straßenüberführungen, vier Eisenbahnüberführungen, mehrere Trogbauwerke, fünf Lärmschutzwände, vier Regenpumpwerke und drei Retentionsbodenfilter. Für das Vorhaben sollen außerdem Gebäude zurückgebaut werden. Genannt werden 48 Gebäude für den Straßenneubau, darunter zwei Wohngebäude, sowie weitere 77 Gebäude für landschaftspflegerische Maßnahmen, darunter drei Wohngebäude.
Offene Finanzierung belastet den TVO-Zeitplan zusätzlich
Neben dem Verfahren belastet die Finanzierung den Zeitplan. Frühere Unterlagen nannten 351 Millionen Euro. In den Erläuterungen zum Doppelhaushalt 2026/2027 taucht wegen Baupreissteigerungen ein Wert von rund 632,5 Millionen Euro auf. Jüngere Angaben beziffern den Kostenrahmen auf rund 663 Millionen Euro. Zugleich stehen nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung außer bereits bewilligten GRW-Mitteln (45 Mio. Euro) keine weiteren Förderprogramme bereit.
Damit hängt der TVO-Baubeginn nicht nur an juristischen und fachlichen Prüfungen. Auch die Haushaltsfrage bleibt offen. Fest steht bisher nur: Solange Erörterungstermin, Planfeststellungsbeschluss, Bauplanungsunterlage und Finanzierung fehlen, kann Berlin keinen belastbaren Starttermin nennen.
Quellen: Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung Berlin, Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/24747, rbb24
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2 Kommentare
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Berlin kann sie sich nicht leisten und auch Verkehrspolitisch ist sie kritisch zu sehen. Dann lieber die S-Bahn trasse bauen.
Wenn Dornröschen dereinst final wachgeküßt wird oder werden sollte, dann steht mindstens 1 Mrd. € auf dem Preisschild….Jede Wette!