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Der lange stillgelegte Waisentunnel unter der Spree darf neu gebaut werden. Nach jahrelangen Abstimmungen liegt nun die Genehmigung vor. Für den U-Bahn-Betrieb ist das Projekt von zentraler Bedeutung, auch wenn Fahrgäste den Tunnel weiterhin nicht nutzen werden.

Aktuell ungenutzter Waisentunnel der BVG.

Der Waisentunnel erstreckt sich über 865 Meter und verläuft vom Märkischen Ufer unter der Spree entlang bis zur Rathausstraße. Nachdem er jahrelang aus Sicherheitsgründen gesperrt worden war, kann nun der Ersatzneubau beginnen. / © Foto: Wikimedia Commons, Eric H., CC BY-SA 3.0 DE

© Visualisierung Titelbild: BVG Projekt GmbH

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Seit 2018 besteht keine direkte betriebliche Verbindung mehr zwischen der U-Bahn-Linie U5 und dem restlichen Berliner Netz. Grund dafür ist der Waisentunnel, der unter der Spree hindurchführt und aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Was für Fahrgäste lange unsichtbar blieb, hat im Hintergrund erhebliche Folgen: Einige Züge können ihre Werkstatt nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. Stattdessen werden sie zerlegt, auf Tieflader verladen und quer durch die Stadt transportiert – ein aufwendiges und fehleranfälliges Provisorium.

Nun kann der Ersatzneubau beginnen. Die Berliner Verkehrsbetriebe haben die lang erwartete Baugenehmigung erhalten und wollen im Frühjahr starten. Bis wieder Züge durch den Tunnel rollen, werden allerdings noch mehrere Jahre vergehen. Aktuell rechnet das Unternehmen mit einer Fertigstellung im Jahr 2030, also später als ursprünglich geplant.

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Streitpunkt Spree: Bau in zwei Hälften soll Schiffsverkehr aufrecht erhalten

Dass sich das Projekt verzögert hat, liegt vor allem an der Lage des Bauwerks. Die Spree ist eine Bundeswasserstraße, deren Nutzung nicht einfach eingeschränkt werden darf. Vorgesehen ist deshalb ein Bau in zwei Hälften, damit der Schiffsverkehr während der Arbeiten weiterlaufen kann. Dieses Vorgehen stieß lange auf Vorbehalte der zuständigen Wasserstraßenverwaltung, die zusätzliche Berechnungen zur Schiffbarkeit und zur Hydraulik verlangte.

Bereits 2021 war die BVG davon ausgegangen, dass das Verfahren grundsätzlich akzeptiert sei. Diese Einschätzung erwies sich jedoch als zu optimistisch. Erst nach jahrelangen Nachbesserungen wurde das Konzept nun genehmigt. Ursprünglich sollte der Bau Anfang 2025 starten, die Fertigstellung war für 2028 vorgesehen.

Der finanzielle Rahmen hat sich ebenfalls verschoben. 2021 lagen die Schätzungen noch bei rund 55 Millionen Euro. 2024 ging der Senat von 77,4 Millionen Euro aus, zuzüglich jährlicher Mehrkosten durch Baupreissteigerungen. Eine aktualisierte Zahl nannte die BVG zuletzt nicht, rechnerisch dürfte das Projekt inzwischen bei deutlich über 80 Millionen Euro liegen.

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Unsichtbar, aber unverzichtbar: Tunnel dient ausschließlich betrieblichen Zwecken

Für den laufenden Betrieb ist der Waisentunnel dennoch kaum zu überschätzen. Er ist die einzige Verbindung, über die Züge von der U5 zu den Linien U6 bis U9 und in andere Werkstätten gelangen können. Fahrgäste werden den Tunnel auch nach dem Neubau nicht nutzen; er dient ausschließlich betrieblichen Zwecken. Ohne ihn verlängern sich Wartungszeiten, Fahrzeuge stehen länger still und der ohnehin angespannte Wagenpark schrumpft weiter.

„Es geht endlich los. Alle Fragen sind geklärt und alle Planungen gecheckt. Wir werden jetzt so schnell wie möglich mit den Bauarbeiten beginnen“, erklärt Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG. Der Tunnel sei ein zentraler Baustein für einen stabileren Betrieb und für den künftigen Ausbau der Werkstätten. Auch die Erneuerung der Fahrzeugflotte hänge davon ab, dass die logistischen Wege wieder funktionierten.

Bauen unter fließendem Verkehr: BVG-Neubau soll 2030 fertig werden

Technisch ist das Vorhaben anspruchsvoll. Zunächst wird der alte Tunnelabschnitt mit Stahlbetonschotten vom restlichen Netz abgetrennt, um eindringendes Wasser zu verhindern. Danach wird das Bauwerk zurückgebaut. Der Neubau erfolgt in zwei Etappen: Zuerst entsteht auf der südlichen Spreeseite eine trockengelegte Baugrube, in der eine Hälfte des neuen Tunnels errichtet wird. Anschließend wird die Grube geflutet, die Spundwände wandern auf die Nordseite, und der zweite Teil folgt.

Der ursprüngliche Waisentunnel stammt aus dem Jahr 1918. Wenn der Neubau wie geplant 2030 fertig wird, endet eine dann zwölfjährige Unterbrechung. Für den Alltag der Berlinerinnen und Berliner bleibt das Bauwerk verborgen – für den Betrieb der U-Bahn jedoch ist es eine der wichtigsten Verbindungen der Stadt.

Quellen: BVG, BVG Projekt GmbH, Der Tagesspiegel

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One Comment

  1. a.t. 21. Januar 2026 at 18:14 - Reply

    Die Waisenbrücke UNBEDINGT gleich noch mitbauen! Gibt dem Quartier ungeahnte neue (alte) städtebauliche Beziehungen zurück und wird den Molkenmarkt und das Märkische Museum noch mehr aufwerten.

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