Der Transport der neuen Sternbrücke in Hamburg-Altona hat begonnen, und zwar früher als ursprünglich angekündigt. Die 108 Meter lange Stahlbrücke bewegt sich seit Mittwochmittag auf Spezialfahrzeugen durch die Max-Brauer-Allee. Bis zum Wochenende soll sie an ihrem neuen Standort fixiert sein.

Für den Transport der neuen Sternbrücke kommen sogenannte Tausendfüßler zum Einsatz, ferngesteuerte Spezialfahrzeuge mit mehr als tausend einzeln lenkbaren Rädern. Sie verteilen das Gewicht der rund 3.700 Tonnen schweren Stahlkonstruktion gleichmäßig auf die Straße und ermöglichen eine präzise Positionierung. / © Visualisierung: DB / Ney & Partners / rendertaxi architecture.visualisation
© Titelbild: DB InfraGO AG / Jan Philip Schütze
Die Deutsche Bahn ersetzt die alte Sternbrücke im Hamburger Stadtteil Altona durch einen kompletten Neubau. Der bisherige Stahlbau aus dem Jahr 1926 hatte nach rund hundert Jahren Betriebszeit das Ende seiner technischen Nutzungsdauer erreicht, eine Sanierung kam wegen des ermüdeten Stahls nicht mehr infrage.
Nun bewegt sich die neue Stahlbrücke auf Spezialfahrzeugen von ihrer Montagefläche nahe dem Schulterblatt zur Kreuzung Stresemannstraße. Ausgeführt wird der Transport von der niederländischen Firma Mammoet im Auftrag der DB-Tochter InfraGo.
Neue Sternbrücke in Altona: Transport der neuen Sternbrücke hat begonnen

Die Detailansicht verdeutlicht die filigrane Stahlkonstruktion der neuen Sternbrücke mit ihren diagonal verlaufenden Streben. Im Bereich unterhalb des Bogens ist zudem eine gewerbliche Nutzung mit Ladenflächen vorgesehen, die künftig an die Stelle der weggefallenen Clubräume treten könnte. / © Visualisierung: DB / Ney & Partners / rendertaxi architecture.visualisation
Um 12:13 Uhr setzte sich die rund 3.700 Tonnen schwere Stahlkonstruktion seitwärts in Bewegung und erreichte gegen 12:40 Uhr den vierzig Meter entfernten Vor-Montage-Ort auf der Max-Brauer-Allee. Damit ist der aufwendigste Abschnitt des Bauprojekts eingeleitet, an dem zahlreiche Fachleute seit Monaten arbeiten.
Anschließend wird die Brücke auf ihren Fahrgestellen hydraulisch auf die Einbauhöhe von sechs Metern angehoben. Dieser Vorgang soll rund acht Stunden dauern. Erst danach kann der eigentliche Weitertransport zur Kreuzung Stresemannstraße beginnen, wo das Bauwerk künftig liegen wird.
Transport durch die Max-Brauer-Allee: Enge Gassen und millimetergenaue Steuerung
Für den Transport kommen sogenannte Tausendfüßler zum Einsatz, ferngesteuerte Spezialfahrzeuge mit mehr als tausend einzeln lenkbaren Rädern. Sie verteilen das Gewicht gleichmäßig auf die Straße und ermöglichen eine präzise Positionierung. Projektleiterin Janna Widmaier von der Deutschen Bahn erklärte, dass die Strecke mehrere sehr enge Stellen aufweise, die bei Tageslicht jedoch besser einzuschätzen seien. An der engsten Stelle, einem Balkon, bleibe nur ein Abstand von vierzig Zentimetern.
Auch für Mammoet ist der Transport eine besondere Aufgabe. Projektmanager Lars de Haas betonte, dass die Umsetzung technisch anspruchsvoll sei und das Team bereits seit über einem Jahr daran arbeite. Von der reinen Ausführung her handle es sich dennoch um ein mittelgroßes Projekt.
Sternbrücke in Hamburg-Altona: Warum die alte Brücke weichen musste

Über Jahre hinweg protestierten Anwohnerinnen, Anwohner und Kulturschaffende gegen den Abriss der alten Sternbrücke. / © Foto: Wikimedia Commons, Hinnerk11, CC BY-SA 4.0
Der Stahl der alten Brücke war stark ermüdet und ließ sich nicht mehr schweißen. Eine Sanierung wurde deshalb gutachterlich geprüft und letztlich verworfen, da sie die Verkehrseinschränkungen kaum verringert, aber den Neubau nur um wenige Jahrzehnte verzögert hätte.
Für viele Anwohnerinnen und Anwohner sowie Kulturschaffende bedeutete der Abriss dennoch einen Einschnitt. Unter der alten Brücke hatten sich mit der Astra Stube und dem Fundbureau feste Anlaufpunkte der Hamburger Musikszene etabliert. Nach langem Protest zogen die Clubs und Bars nach und nach in andere Stadtteile um.
Brückenbaustelle in Altona: Zeitplan bis zur Fertigstellung
Bis zum Wochenende soll die neue Brücke an ihrem endgültigen Standort fixiert sein. Die Gehwege der Max-Brauer-Allee bleiben zwischen dem 31. Juli und dem 2. August gesperrt, Anwohnerinnen und Anwohner dürfen jedoch in ihren Wohnungen bleiben. Wer möchte, kann alternativ ein Hotelzimmer nutzen.
Insgesamt soll das Bauprojekt bis Ende August abgeschlossen sein. Der Bahnverkehr rollt dann voraussichtlich ab dem 31. August wieder, die Kreuzung für den Straßenverkehr ab dem 2. September. Bis November ist wegen weiterer Arbeiten an den Nebenflächen dennoch mit Einschränkungen zu rechnen.
Einbaustelle der neuen Sternbrücke
Bauplatz Brammerfläche
Quellen: DB InfraGO AG, Norddeutscher Rundfunk
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