Auf dem Areal des historischen Olympischen Dorfs in Elstal bei Berlin entstehen zunehmend moderne Wohnungen, doch die Geschichte des Standorts bleibt sichtbar. Neubauprojekte wie „LUZ 7“ ergänzen die denkmalgeschützte Gartenstadt, während weitere Bereiche weiterhin ungenutzt bleiben.

Das historische Olympische Dorf in Elstal wird seit einigen Jahren schrittweise zu einem Wohnstandort umgebaut. Terraplan hat erste Gebäude saniert oder ergänzende Neubauten geplant, während die BUWOG ein weiteres Projekt vorbereitet. Doch große Teile des Geländes sind noch immer dem Verfall ausgesetzt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Auf dem VBKI-Forum „CEOs for Berlin“ am 13.11.2025 im KPMG-Tower hatten sich die Berliner Kaufleute und Industriellen engagiert hinter die Bewerbungsinitiativen des Berliner Senats gestellt und aktive Unterstützung zugesichert.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger hatte in ihrem Vortrag das zu den Spielen geplante Olympische Dorf präsentiert, das am Stadteingang West – also auf einem Areal zwischen  Avus und Funkturm – entstehen soll.

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Berliner Olympia-Bewerbung: Neues Olympisches Dorf soll an der Avus entstehen

Auf einer 45 Hektar großen Fläche sollen in den Neubauten 16.000 Sportler, was circa 75 Prozent der Athleten insgesamt ausmacht, untergebracht werden. Sollte es dazu kommen, wären die Athleten an diesem Standort zentral verortet, denn die Entfernung zum Olympiastadion, dem zentralen Schauplatz der Spiele, beträgt nur knapp sieben Kilometer und wäre sogar fußläufig erreichbar. Nach Abschluss der Spiele sollen aus den Neubauten des Olympischen Dorfes bezahlbare Wohneinheiten für 2.500 Familien entstehen. Träger dieses Wohnareals wäre die HOWOGE.

Damit würde eine erfolgreiche Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele zwei dringende Berliner Themen voranbringen: den Mangel an bezahlbarem Wohnraum mindern und zweitens das Projekt „Stadteingang West“ befeuern, das bereits mehrfach vom Berliner Senat mit konkreten architektonischen Entwürfen präsentiert wurde.

Ein Blick zurück: Olympisches Dorf zur XI. Olympiade 1936 in Döberitz

Berlin hat mit der Errichtung eines Olympischen Dorfes bei der 1936 ausgerichteten Olympiade durchaus gute Erfahrungen gemacht. Als 1931 feststand, dass Berlin die Spiele im Jahr 1936 ausrichten darf, wurde beschlossen, dem Beispiel von Los Angeles zu folgen, wo die Spiele 1932 ausgerichtet worden waren. Man profitierte somit von den Erfahrungen der Amerikaner, wo in Ermangelung ausreichender Hotelkapazitäten erstmals der Bau eines Olympischen Dorfes für die gemeinschaftliche Unterbringung der Sportler realisiert worden war.

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Übrigens gab es das erste Olympische Dorf bei Olympia der Neuzeit zu den VIII. Olympischen Spielen 1924 in Paris, das „Village Olympique“. Allerdings war das eher eine primitive Barackenkolonie in schlechtem Zustand. Damals ein Notbehelf, eine Idee in ihrer Urform. Schutzlos waren die mehr als einfachen Holzbaracken und ihre Bewohner der Sonnenglut ausgesetzt, denn die Sonne brannte zur Zeit der Pariser Olympischen Spiele besonders gnadenlos.

Sommerspiele 1936: Der Standort des Olympischen Dorfes wurde in Elstal gefunden

Als Standort für das Olympische Dorf entschied man sich für Elstal. Westlich von Spandau gelegen und mit einer günstigen Verkehrsanbindung über die mehrspurige Heerstraße machte den Döberitzer Übungsplatz attraktiv. Zwischen 1934 und 1936 entstand in diesem, 14 Kilometer westlich vom Olympiastadion entfernten, brandenburgischen Dorf das von den Architekten Werner und Walter March geplante Olympische Dorf.

Die Brüder March planten und realisierten auch das im Berliner Westend gelegene Olympiastadion, sodass beide Anlagen 1936 eine außergewöhnliche Verbindung zwischen Architektur und Landschaftsgestaltung als integriertes Ganzes darstellten.

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Wohnpark für Sportler auf einer Fläche von 55 Hektar wurde westlich von Spandau errichtet

Dieser auf insgesamt gut 55 Hektar errichtete idyllische Wohnpark wurde als funktionale Einheit mit dem Olympiastadion zusammen geplant, als ein Ort mit inszenierter Beschaulichkeit, sorgfältiger Abgeschiedenheit und systematischer Kontrolle.

Inmitten alten Baumbestandes entstand das Olympische Dorf mit einem künstlichen See; eine verträumte Villenkolonie, wo man sich nach Betreten des Areals unwillkürlich in eine andere Welt versetzt fühlte. Für den künstlich angelegten See wurden angeblich eigens Wasservögel aus dem Berliner Zoo angekarrt.

Märkische Waldlandschaft, künstlicher See und verträumte Villenkolonie

Eine märkische Waldlandschaft mit grünen Wiesen, einsamer Heide und sanften Hängen sollte den Athleten das Gefühl vermitteln, in freier Natur zu sein. Den Bewohnern sollte es die Möglichkeit bieten, sich in Ruhe und ungestört von der Hektik der Großstadt auf die Wettbewerbe vorzubereiten, sich zu konzentrieren und Kraft zu tanken für die bevorstehenden Kämpfe.

In rund 150 Einzelhäusern, die alle entsprechend den gegebenen klimatischen Verhältnissen aus Stein erbaut wurden, konnten insgesamt 4.000 Sportlerinnen und Sportler mitsamt ihren Betreuern untergebracht werden.

Sämtliche der 150 Sportlerhäuser wurden einstöckig errichtet, mit bis zu 24 Betten

Alle diese Häuser mit roten Ziegeldächern waren einstöckig und enthielten 16, 20 oder 24 Betten, jeweils zwei in einem Zimmer. Jedes Haus war nach einer anderen deutschen Stadt benannt. Für jede Gruppe von Nationen wurde außerdem ein Badehaus errichtet – mit Wannen-, Schwitz- und finnischen Bädern (Sauna). Die finnischen Sportler fanden hier einen besonderen Wunsch erfüllt.

Neben einer Frisierstube, einer ärztlichen Station inklusive Zahnklinik, wurde großer Wert auf die schwierige Frage der Ernährung gelegt, die dem Norddeutschen Lloyd mit seinen umfangreichen internationalen Erfahrungen anvertraut wurde. Viele der Nationen brachten allerdings ihre eigenen Köche mit, die im geschulten Personal des Lloyd weitgehende Unterstützung fanden. In dem großen Wirtschaftsgebäude befanden sich 40 Nationalküchen mit ebenso vielen Speisesälen.

Frauen war der Zutritt im Olympischen Dorf untersagt

Im großen Eingangsgebäude befanden sich neben den Verwaltungsräumen diverse Empfangs- und Unterhaltungszimmer sowie geräumige Gaststuben, hauptsächlich für die Besucher des Olympischen Dorfes gedacht. Post, Fernsprechamt, Bank, Gepäckaufbewahrung und fünf Verkaufsläden für die kleinen Bedürfnisse der „Dorfbewohner“ waren ebenso Bestandteil des Eingangsgebäudes. Nicht weit vom Eingangsgebäude befand sich ein „Gemeinschaftshaus“, errichtet für Geselligkeit und kleine Veranstaltungen der Nationen.

Nur Frauen durften das „Dorf“ nicht betreten; dieser Grundsatz hatte sich bei den X. Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles bewährt. Die weiblichen Teilnehmerinnen wurden mit der gleichen „Sorgfalt“ im „Kameradschaftshaus“ der zukünftigen Reichsakademie für Leibesübungen auf dem damals so genannten „Reichssportfeld“ – dem heutigen Olympiapark – untergebracht. Anzumerken ist noch, dass es selbstredend keinen „Zwang“ gab; jeder konnte sich sein Quartier besorgen, wie er wollte.

Auch Trainingsstätten waren Teil des Olympischen Dorfes

Bei ungünstiger Witterung konnten die Säle im „Gemeinschaftshaus“ tagsüber als Übungsstätte genutzt werden. Aber auch Übungsstätten im Freien fehlten nicht. Der Hauptsportplatz hatte exakt die Ausmaße der Kampfbahn im Olympiastadion. Daneben standen eine Turnhalle und eine Schwimmhalle mit einem 25-Meter-Becken.

In einem der Wirtschaftsgebäude waren Reparaturwerkstätten, Wäscherei, Sanitätsdienst, Feuerwehr, Heizungsanlagen und weitere technische Dienste untergebracht. Für die Beförderung vom „Dorf“ zum 14 Kilometer entfernten „Reichssportfeld“ oder nach Berlin standen permanent Autobusse zur Verfügung der „Dorfinsassen“.

Militärische Nachnutzung der Kolonie nach dem Ende der Olympischen Spiele

Nach dem Ende der Olympischen Spiele 1936 wurde das Olympische Dorf für die militärische Nachnutzung vorbereitet und diente bis 1945 als Standort für die Infanterieschule der Wehrmacht für die Offiziersausbildung, unter Beibehaltung des Namens „Olympisches Dorf“. Andererseits diente es unter der Bezeichnung „Olympisches Lazarett“ als Reservelazarett.

Die Planung für das Olympische Dorf der Sommerspiele in Tokio lehnte sich in hohem Maße an die Döberitzer Anlage an, wurde allerdings nie ausgeführt, da das japanische Olympiakomitee noch vor Baubeginn die Beauftragung zur Ausrichtung der Olympischen Spiele 1938 an das IOC zurückgab.

Nutzung nach 1945: Offizierswohnsiedlung und Armeesportzentrum für die Rote Armee

Im April 1945 besetzte die Rote Armee den Militärstandort Döberitz und nutzte ihn sowohl militärisch als auch als Offizierswohnsiedlung und Armeesportzentrum. Mit dem Abzug der sowjetischen Truppen 1992 begann der Verfall der Gebäude, die seit 1993 unter Denkmalschutz stehen.

Erst im Jahr 2016 begann schließlich der private Investor terraplan aus Nürnberg mit dem Umbau der Gebäude zu einer Wohnsiedlung, der „Gartenstadt Olympisches Dorf“. 2023 konnten die ersten Wohnungen bezogen werden, doch viele der historischen Gebäude sind bis heute unsaniert, Teile des Areals sind eingezäunt und unbewohnt. Für die Entwicklung des Speisehauses der Nationen, des Inneren und Grünen Rings sowie der Luz-Long-Bauten ist terraplan heute verantwortlich.

Terraplan errichtet mehrere neue Wohngebäude im Elstal

Ein weiteres Wohnprojekt wird derzeit ebenfalls von der terraplan Baudenkmalsanierungsgesellschaft mbH umgesetzt, der erste von mehreren Bauabschnitten soll nach aktuellem Planungsstand noch bis Ende 2025 abgeschlossen werden. So entsteht ein Wohnensemble aus vorwiegend neu errichteten Gebäuden. Wie dies aussieht, kann man sich bereits auf dem Gelände ansehen.

Die vorhandene Bausubstanz wird dabei saniert und durch neue Baukörper ergänzt, sodass ein Quartier entsteht, das sowohl architektonisch als auch städtebaulich an den Bestand anknüpfen soll – so jedenfalls der Plan der Projektverantwortlichen.

Die neue Wohnanlage liegt innerhalb der historischen Gartenstadt des Olympischen Dorfs

Die Anlage liegt innerhalb der historischen Gartenstadt und wird von einer begrünten Freifläche umgeben, die zur gemeinschaftlichen Nutzung vorgesehen ist. Jede Wohneinheit erhält eine Terrasse, einen Balkon oder eine Loggia, wie die Projektentwickler mitteilen.

Die Wohnungen sind für unterschiedliche Haushaltstypen konzipiert, darunter Familien, Paare und Einzelpersonen. Im Segment zwischen 74 und 117 Quadratmetern entsteht ein Schwerpunkt des Angebots. Errichtet werden dabei keine Mietwohnungen, sondern Wohneigentum.

Auch BUWOG plant auf dem Areal des Olympischen Dorfs den Bau einer neuen Wohnanlage

Es ist nicht das einzige Neubauprojekt, welches auf dem historischen Grund entstehen soll. Das Wohnungsbauunternehmen BUWOG plant bereits seit 2020 auf einer etwa 15.400 Quadratmeter großen Fläche in der Rosa-Luxemburg-Allee den Bau von 178 Mietwohnungen mit ein bis fünf Zimmern sowie 3.700 Quadratmetern Gewerbefläche, unter anderem für einen Nahversorgungsmarkt. Das Grundstück liegt genau genommen neben dem ehemaligen Olympischen Dorf.

Ursprünglich war der Baustart für das Projekt für das Jahr 2024 vorgesehen, doch BUWOG und Gemeinde verkündeten im August 2024, dass der Baustart für das Projekt verschoben werde – auf unbestimmte Zeit. Die Nennung eines konkreten Datums für den Beginn der Bauarbeiten hat die BUWOG bislang auch weiterhin vermieden. Wann das Bauvorhaben also tatsächlich starten wird, steht in den Sternen.

Olympisches Dorf in Döberitz/Elstal: Wichtiger Teil der Geschichte der Olympischen Spiele

Das Olympische Dorf in Döberitz/Elstal bleibt ungeachtet der Baulandentwicklung der vergangenen Jahre ein wichtiger Teil der Geschichte der Olympischen Spiele und der politischen Entwicklung in Deutschland während des 20. Jahrhunderts.

In Berlin und ganz Deutschland sind bauliche Ensembles der ästhetischen und ideologischen Selbstinszenierung des Deutschen Reichs in solcher Vollständigkeit nur in Einzelfällen erhalten geblieben. Umso wichtiger ist eine behutsame Erhaltung der bestehenden Gebäude. Genauso sinnvoll ist es jedoch, die historische Anlage zu erweitern, um moderne Wohnräume zu schaffen.

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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© Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-P017176 / Frankl, A. / CC-BY-SA 3.0

Quellen: Deutsches Architektur Forum, BUWOG, Wikipedia, Bundesarchiv

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