Kommt die Tram vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz doch noch? Die Planungen ruhen, aber die neue Mühlendammbrücke wird für spätere Gleise ausgelegt. Die CDU hatte den Bau der Strecke nach jahrelanger Vorbereitung ersatzlos gestrichen. Nach der Abgeordnetenhauswahl könnte das Projekt aber wieder in den Fokus rücken.

Unter Manja Schreiner wurde die Route erneut geprüft, unter Ute Bonde blieb die Planung gestoppt. Nach der Berlin-Wahl könnte die lange diskutierte Straßenbahnverbindung vom Alexanderplatz zum Kulturforum eine zweite Chance erhalten. / © Visualisierung: SENUVK/LOCLAB

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© Foto Leipziger Platz: Depositphotos.com

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Die geplante Straßenbahnstrecke vom Alexanderplatz über den Potsdamer Platz zum Kulturforum galt nach dem Planungsstopp des Berliner Senats als erledigt. Nach der Abgeordnetenhauswahl könnte sich ihre politische Perspektive jedoch verändern.

Sollte künftig ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD regieren, dürfte der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Eine wichtige Voraussetzung für die Tram ist jedenfalls erhalten geblieben: Die neue Mühlendammbrücke wird statisch so gebaut, dass später Gleise für eine Tram ergänzt werden könnten.

Tramstrecke Alexanderplatz–Potsdamer Platz sollte eine Lücke im Berliner Nahverkehr schließen

Die Planungen für das Projekt hatten einen langen Vorlauf: Die Straßenbahn sollte vom Alexanderplatz über den Molkenmarkt und die Leipziger Straße zum Potsdamer Platz führen und anschließend das Kulturforum erreichen. Damit wäre das Tramnetz erstmals über diese Route weit in die südliche Innenstadt verlängert worden. Die Strecke hätte wichtige Ziele direkt verbunden und neue Umsteigemöglichkeiten geschaffen.

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Über ihren Verlauf wurde allerdings viele Jahre geplant und gestritten. Gerade die Leipziger Straße ist ein umkämpfter Verkehrsraum: Busse, Autos, Fahrräder und Fußgänger müssen sich dort heute schon begrenzten Platz teilen. Eine Tram würde neue Kapazitäten für Fahrgäste schaffen, zugleich aber eine Neuaufteilung der Straße erfordern.

Warum der CDU-geführte Senat die Straßenbahnplanung zum Kulturforum stoppte

Nach dem Regierungswechsel 2023 verlor das Projekt seinen politischen Rückhalt. Die damalige Verkehrssenatorin Manja Schreiner ließ eine alternative Streckenführung prüfen. Sie verwies dabei unter anderem auf mögliche Staus, falls an der Leipziger Straße Platz für die Straßenbahn geschaffen würde.

Kritiker sahen in der erneuten Prüfung eine Verzögerung eines bereits lange vorbereiteten Vorhabens. Im Zuge der Haushaltskürzungen strich der Senat Ende 2024 schließlich die weitere Planung.

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Vom Alexanderplatz über die Mühlendammbrücke bis zum Kulturforum: Die geplante Tram würde eine neue Verbindung durch Berlins Innenstadt schaffen. Nach dem Planungsstopp könnte das Wahlergebnis eine erneute Debatte auslösen. /© Visualisierung: Arup Deutschland GmbH, COBE A/S

Sowohl Manja Schreiner als auch Ute Bonde wollten das Innenstadt-Tramprojekt nicht realisieren

Auch unter Schreiners Nachfolgerin Ute Bonde wurde das Projekt nicht wieder aufgenommen. Die offizielle Bezeichnung „qualifiziert beendet“ bedeutet allerdings nicht, dass die Strecke technisch ausgeschlossen wäre: Die abgeschlossenen Planungsschritte bleiben erhalten. Weitergeplant wird derzeit nur nicht.

Die Entscheidung zeigte, welchen Stellenwert der Straßenbahnausbau unter der CDU-geführten Verkehrsverwaltung offenbar hatte bzw. hat. Während große und enorm teure Straßenprojekte weiterverfolgt wurden, fiel eine zentrale ÖPNV-Verbindung dem Sparprogramm zum Opfer. Zur vollständigen Bilanz gehört aber auch, dass frühere, anders zusammengesetzte Senate die Tram trotz langer Vorlaufzeit nicht bis zum Bau gebracht hatten.

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Berlin nach der Abgeordnetenhauswahl: Erhält der ÖPNV wieder mehr Gewicht?

Das Ergebnis der Wahl vom 20. September hat die Mehrheitsverhältnisse verändert. Die Linke wurde stärkste Kraft; ein Bündnis mit Grünen und SPD ist rechnerisch möglich. Wer Berlin künftig regiert und welches Ressort welche Partei übernimmt, steht jedoch noch nicht fest.

Für die Tram zum Potsdamer Platz eröffnet diese Lage zumindest eine neue politische Chance. Eine Regierung, die den öffentlichen Nahverkehr und eine nachhaltigere Aufteilung des Straßenraums stärker gewichtet, könnte das Vorhaben erneut auf ihre Prioritätenliste setzen. Ob sie es tatsächlich tut, steht allerdings in den Sternen. Auch eine neue Mehrheit müsste die Finanzierung sichern und abwägen, welche der vielen anstehenden Verkehrsprojekte zuerst umgesetzt werden.

Neubau der Mühlendammbrücke bleibt für eine spätere Straßenbahn vorbereitet

Dass die Verbindung überhaupt wieder diskutiert werden kann, liegt auch an einer planerischen Vorsorge. Beim Neubau der Mühlendammbrücke werden die statischen Voraussetzungen für eine spätere Tram berücksichtigt.

Vorgesehen sind außerdem Möglichkeiten für Oberleitungsmasten und Leerrohre für die technische Ausstattung. Auch am Molkenmarkt sowie im Bereich der Potsdamer Straße bleiben Flächen für die Trasse frei.

Wird das Tramprojekt zum Teil der Koalitionsverhandlungen zwischen Linken, Grünen und SPD?

Eine vorbereitete Brücke ist freilich noch keine fertige Straßenbahnstrecke. Vor einem Bau müssten die Planungen fortgesetzt, die Finanzierung geklärt und die Gestaltung des Straßenraums festgelegt werden. Besonders die Leipziger Straße dürfte dabei erneut zum Streitpunkt werden.

Ob die Tram vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz also noch ein Comeback erlebt, werden deshalb erst die Koalitionsverhandlungen und die folgenden Haushaltsentscheidungen zeigen. Die Wahl hat eine politische Tür geöffnet. Mit dem Neubau der Mühlendammbrücke bleibt auch der Weg über die Spree offen.

Hier sollte einmal die Verlängerung der Tramlinie M4 vom Alexanderplatz bis zum Potsdamer Platz entlang führen, doch der Berliner Senat hat die Planungen für das Projekt gestoppt. / © Foto: Depositphotos.com

Alexanderplatz
Potsdamer Platz

Quellen: Arup Deutschland GmbH, COBE A/S, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

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3 Kommentare

  1. Löwe 24. September 2026 at 10:34 - Reply

    Ich hoffe das sich Berlin ein Vorbild an Städten wie Paris nimmt, wo kontinuierlich Stadträume vom Autoverkehr befreit werden, und nachhaltigere Verkehrsformen als Aktualisierung geschaffen werden!

  2. Ewald Karl 24. September 2026 at 11:54 - Reply

    Ich hoffe, dass auch bei einer möglichen schwarz-rot-grünen Regierung die Straßenbahnpläne wieder aufgenommen werden. Es ist wirklich idiotisch, dass die CDU einerseits für eine attraktive Berliner Altstadt kämpft, andererseits aber dafür sorgt, dass der Molkenmarkt weiterhin ein autogeplagter Unort bleibt.
    Die Tram sollte also in den Koalitionsvertrag hinein verhandelt werden.

  3. Max H. 24. September 2026 at 13:05 - Reply

    Autos belasten, verstopfen und verhässlichen innerstädtische Stadträume. Straßenbahnen entlasten, verschönern innerstädtische Stadträume und werten sie qualitativ in jeglicher Hinsicht auf. Noch dazu vernetzen sie innerstädtische Zentren – wenn gut umgesetzt – am effizientesten und entlasten sogar Straßen von unnötigem Verkehr, weil sie bei guter Vernetzung viele Menschen anlockt, die sich sonst auf den Radsattel oder den E-Roller schmeißen oder in den Bus zwängen. Eine Straßenbahn bringt keinen Menschen dazu, vom Auto in die Straßenbahn zu wechseln, nein… der verkehrspsychologische Trick dahinter funktioniert so, dass ein gut ausgebautes und vernetztes ÖPNV-Netz Menschen dazu bewegt, erst gar nicht einen Autokauf zu tätigen, weil sie sich sagen „Wozu soll ich mir ein teures Auto zulegen, wenn der ÖPNV mich sowieso überall hinbringt“. Menschen fragen sich, wie wirtschaftlich und bequem ein Verkehrsmittel ist, danach entscheiden sie. Wenn sie sehen, dass der ÖPNV immer schlechter wird und die Politik nur die Infrastruktur für das Auto ausbaut, dann o Wunder, werden sich immer mehr Menschen dafür entscheiden, sich ein Auto zuzulegen. Und zack, zack, sind die Straßen plötzlich verstopfter denn je. So funktioniert Verkehr im wissenschaftlichen Sinne… Verkehr ist ein Zusammenspiel aus Mathematik, Physik und Psychologie.

    Da die CDU aber wissenschaftliche Erkenntnisse in der Verkehrspolitik bewusst und aktiv seit vielen Jahrzehnten ignoriert und leugnet, kommt eben eine wissenschaftsfeindliche und von Ideologie durchtränkte Verkehrspolitik heraus, die das Auto einseitig überpriorisiert und alles andere links liegen lässt. Die CDU macht konservative Staupolitik und fährt damit sehenden Auges gegen die Wand. Sie kennt es nicht anders. Und so verkommt Berlin zu einem verkehrspolitischen Ewiggestrigen. Berlin wird zwar von allen Trends der Zeit erfasst… weniger KfZ-Neuzulassungen, mehr Radverkehr, mehr Fußverkehr, mehr Leih- und Leasing-Mobilität. Aber die Stadt reagiert viel zu wenig darauf, weil sie durch konservative Verkehrspolitik sich selbst in ihrer Entwicklung behindert.

    Andere Städte, sowohl in Deutschland als auch im Ausland, groß, mittel, klein, haben schon seit Jahren erkannt, dass Verkehrspolitik aus den 60ern die Entwicklungen und Konflikte es 21. Jahrhunderts nur noch verschlimmert. Städte wie Freiburg, Amsterdam, Wien, Paris, Kopenhagen, Münster, Brüssel und viele andere, sie alle finden Antworten auf sich verändernde Mobilitätsbedürfnisse, indem sie Verkehrsräume umbauen und anpassen. Weg von der völligen Fokussierung auf den MIV, hinzu einer faireren Verteilung, wo alle Verkehrsmittel einen gerechten Anteil zugeteilt bekommen.

    Nur nochmal zur Erinnerung, in Berlin macht der MIV 25-30% der zurückgelegten Wege aus, aber er beansprucht 60% des Verkehrsraumes. Der Radverkehr macht knapp 20% der zurückgelegten Wege aus, muss aber mit rund 3% Anteil am Verkehrsraum auskommen. Das ist ein gigantisches Missverhältnis und sorgt für extreme Ineffizienz, Verkehrsunsicherheit und Konflikte im Verkehr. Hier liegen die Gründe, warum es zu so vielen Unfällen, Unsicherheiten und dem sogenannten „Road Rage“ kommt zwischen Radfahrern und Autofahrern. Es ist ganz einfach: Autofahrer beanspruchen zu viel Fläche, Radfahrer bekommen zu wenig Fläche.

    Wer wirklich Konflikte im Verkehr ausräumen, die Sicherheit erhöhen und das System insgesamt effizienter und wirtschaftlicher machen will… der baut die Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger konsequent aus und verbessert sie und nimmt Autofahrern Fläche weg. Wer hier damit argumentiert, das sei „linksgrüne“ Umverteilung, hat von Mathematik keine Ahnung, ist ein ausgemachter Wissenschafts- und Faktenleugner und versteht grundsätzliche und simpelste Zusammenhänge nicht. Nur weil der Anteil der Verkehrsfläche des Autos von 60% auf 40% umverteilt wird, heißt das nicht, dass das Auto unfair behandelt wird… es hat immer noch mehr Fläche, als ihm eigentlich zustehen würde.

    Aber das alles sind leider sehr schwer zu vermittelnde Fakten. Viele Autofahrer sind viel zu ignorant, egoistisch und viel zu selbstherrlich, als dass sie so etwas verstehen würden, geschweige denn den Sinn darin sehen würden oder dass sie selbst davon sogar profitieren würden. Sie sehen nicht, dass aus ganz einfacher Solidarität auch ihnen Vorteile erwachsen können.

    Verkehrspolitik wird in einer hochpolitischen Stadt wie Berlin niemals auf einer wissenschaftlichen Basis gemacht werden können. Verkehrspolitik bedeutet, dass bestimmte Bezirke wie Mitte progressiv vorangehen und Dinge einfach umsetzen, während zurückgebliebene Bezirke am Stadtrand sich selbst ins Knie schießen, mit Autoverkehr völlig überlastet sind und damit auch noch höchst zufrieden sind. Die Menschen wählen eben ihr eigenes Leid und sind dann stolz drauf und selbstzufrieden. Das ist Berlin und das wird auch so bleiben. Wer nicht hören will, muss fühlen. Und die Menschen in Spandau zB., die wollen es einfach jeden Tag so richtig spüren, im Stau zu stehen, die lieben das nämlich. Die sind einfach glücklich und happy damit, wenn ihr ganzer Stadtteil mit Autos völlig verstopft und überlastet ist.

    Und wenn sie damit glücklich sind, dann ist das auch gut so…

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