Neue Straßenbahnstrecken, längere Fahrzeuge und mehr Elektrobusse: ENTWICKLUNGSSTADT zeigt die wichtigsten Tram- und Busprojekte in Berlin und ihren aktuellen Stand.
© Titelbild / Visualisierungen: LocLab
Der Ausbau des Berliner Nahverkehrs beschränkt sich längst nicht mehr auf U-Bahn und S-Bahn. Auch das Straßenbahnnetz wächst weiter, die BVG setzt größere Fahrzeuge ein und treibt die Elektrifizierung ihrer Busflotte voran. Gleichzeitig entstehen neue Betriebshöfe und mehrere Strecken befinden sich in unterschiedlichen Planungs- oder Bauphasen. ENTWICKLUNGSSTADT gibt einen Überblick über die wichtigsten Projekte im Berliner Tram- und Busverkehr.
Urbanliner: Berlins längste Straßenbahn fährt auf der M4

Schon von außen hebt sich der Urbanliner deutlich von den bisherigen Berliner Straßenbahnen ab – vor allem durch seine Länge von 50 Metern. / © Foto: BVG / Andreas Süß
- Bezirke: Mitte, Pankow und Lichtenberg
- Erster Einsatz: Tramlinie M4
- Projektstatus: Im Fahrgastbetrieb
- Auslieferung: Schrittweise
Seit Juli 2026 fährt der Urbanliner im regulären Berliner Tramverkehr. Die BVG setzt das erste rund 50 Meter lange Fahrzeug auf der Linie M4 ein. Diese Verbindung zwischen Falkenberg beziehungsweise Zingster Straße, Alexanderplatz und Hackeschem Markt zählt zu den am stärksten genutzten Straßenbahnstrecken der Stadt. Der Urbanliner bietet 312 Fahrgästen Platz, darunter 92 auf Sitzplätzen.
Die Fahrzeuge sollen ältere Straßenbahnen ersetzen, die auf der M4 häufig in Doppeltraktion fahren. Der Urbanliner besitzt breitere Durchgänge, mehrere Mehrzweckbereiche und eine moderne Fahrgastinformation. Wegen seiner Länge kann er zunächst nicht uneingeschränkt auf allen Strecken und Betriebshöfen eingesetzt werden. Perspektivisch nennt die BVG auch die Linien M5 und M6 als mögliche Einsatzgebiete.
Straßenbahn zum Rathaus Steglitz: Langfristiges Projekt für den Südwesten

Das Rathaus Steglitz ist Endpunkt der langfristig geplanten Straßenbahnverbindung vom Potsdamer Platz. Das Projekt gehört zu den wichtigsten geplanten ÖPNV-Vorhaben im Berliner Westen, ein konkreter Baubeginn steht jedoch noch nicht fest. / © Foto: Wikimedia Commons, Colin Smith, CC BY-SA 2.0
- Bezirke: Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf
- Korridor: Potsdamer Platz – Rathaus Steglitz
- Projektstatus: Langfristige Netzplanung
- Fertigstellung: Offen
Eine Straßenbahn zum Rathaus Steglitz gehört zu den langfristigen Verkehrsprojekten im Berliner Westen. Das Projekt soll das Straßenbahnnetz vom Potsdamer Platz weiter in Richtung Südwesten führen. Eine abschließend festgelegte Trasse, eine detaillierte Vorplanung oder ein Planfeststellungsverfahren gibt es bislang aber noch nicht.
Die Verbindung hängt von vorgelagerten Projekten ab. Zunächst müsste die Tram den Potsdamer Platz erreichen. Auch die weitere Führung durch dicht bebaute Straßenräume wäre planerisch anspruchsvoll. Das Vorhaben bleibt daher ein strategisches Ausbauziel und kein unmittelbar bevorstehendes Bauprojekt.
Tram zur Elisabeth-Aue: Neue Strecke für Pankows Norden

Die BVG treibt den Ausbau des Straßenbahnnetzes im Berliner Norden voran. Für die Elisabeth-Aue sind neue Tramstrecken, fünf barrierefreie Haltestellen und eine direkte Anbindung an das Pankower Zentrum vorgesehen. / © Foto: depositphotos.com
- Bezirk: Pankow
- Strecke: Französisch Buchholz – Elisabeth-Aue
- Projektstatus: Planung und Ausschreibung weiterer Planungsleistungen
- Fertigstellung: Noch offen
Die BVG konkretisiert die neue Straßenbahnstrecke zur Elisabeth-Aue. Geplant ist ein rund 3,4 Kilometer langer Ringschluss im Norden Pankows. Die Strecke soll fünf neue Haltestellen erhalten und das geplante Stadtquartier auf der Elisabeth-Aue an das bestehende Tramnetz anbinden. Die BVG hat dafür weitere Planungsleistungen ausgeschrieben.
Der Ausbau soll nicht nur das neue Wohngebiet erschließen. Er könnte auch bestehende Wohnlagen in Französisch Buchholz besser mit dem Schienenverkehr verbinden und neue Linienführungen ermöglichen. Der genaue Verlauf, die Lage der Haltestellen und die Gestaltung des Straßenraums werden in den folgenden Planungsstufen ausgearbeitet. Ein Baustart und ein Eröffnungstermin stehen noch nicht fest.
Altstadt Köpenick: Gleise, Leitungen und Haltestellen werden erneuert

Baustelle Altstadt Köpenick: Die neue Straßenbahninfrastruktur entsteht abschnittsweise im bestehenden Straßenraum. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
- Bezirk: Treptow-Köpenick
- Bereich: Alt-Köpenick
- Projektstatus: Im Bau
- Fertigstellung: Frühjahr 2028
In der Altstadt Köpenick erneuern BVG und Berliner Wasserbetriebe gleichzeitig Gleise, Weichen, Fahrleitungen und unterirdische Versorgungsnetze. Ein Schwerpunkt liegt auf der Verlegung der Tramhaltestelle Freiheit zum Schüßlerplatz. Am neuen Standort entsteht eine barrierefreie Haltestelle. Auch Rathaus Köpenick und Bahnhofstraße/Lindenstraße werden barrierefrei ausgebaut.
Die Bauarbeiten verteilen sich über mehrere Straßen und greifen technisch ineinander. Während die Wasserbetriebe Trinkwasser-, Abwasser- und Kanalanlagen erneuern, arbeitet die BVG an Gleisen und Oberleitungen. Nach dem aktuellen Projektstand soll der Umbau erst im Frühjahr 2028 enden. Frühere Planungen gingen von einem früheren Abschluss aus. Bis dahin müssen Fahrgäste und Anlieger mit wechselnden Sperrungen und Umleitungen rechnen.
Tram 62 in Mahlsdorf: Zweites Gleis für einen dichteren Takt

Der S-Bahnhof Mahlsdorf gilt als zentraler Knotenpunkt für den geplanten Ausbau der Straßenbahn in Mahlsdorf. Die Tram 62 soll künftig näher an den Bahnhof heranrücken und die Verbindung im Ortskern verbessern. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
- Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
- Strecke: S-Bahnhof Mahlsdorf – Rahnsdorfer Straße
- Projektstatus: Planfeststellungs- und weitere Planungsverfahren
- Baubeginn: frühestens ab 2028
Die Straßenbahn in Mahlsdorf soll zweigleisig ausgebaut und näher an den S-Bahnhof geführt werden. Heute fährt die Linie 62 im Ortskern abschnittsweise auf einem Gleis. Dadurch kann sie zwischen dem Bahnhof Mahlsdorf und der Rahnsdorfer Straße nur in einem 20-Minuten-Takt verkehren. Der Ausbau soll einen stabilen Zehn-Minuten-Takt ermöglichen und die Umsteigewege am Bahnhof verkürzen.
Das Tramprojekt hängt eng mit dem Ausbau der Straße An der Schule zusammen. Dorthin soll ein Teil des Durchgangsverkehrs verlagert werden, damit auf der Hönower Straße Platz für zwei Straßenbahngleise entsteht. Nach aktuellem Stand sollen die Straßenarbeiten frühestens 2028 beginnen. Der eigentliche Tram-Ausbau folgt erst danach. Da die Planfeststellungsverfahren noch nicht abgeschlossen sind, bleibt der genaue Termin der Inbetriebnahme offen.
E-Busse: Neue Fahrzeuge, Betriebshöfe und Ladestationen

Die E-Busse der BVG laden in Marzahn über Pantografen auf dem Fahrzeugdach. / © Foto: BVG / Andreas Süß
- Bezirke: berlinweit
- Projektstatus: Fahrzeuge im Betrieb, Infrastruktur im Bau
- Geplante Inbetriebnahme neuer Betriebshöfe: ab 2027
- Neue Fahrzeuge: Lieferungen 2026 und 2027
Die BVG erweitert ihre Flotte elektrischer Busse in Berlin. Bis zum Sommer 2026 sollten 70 neue E-Gelenkbusse in den Einsatz kommen. Weitere 200 Elektrobusse sollen 2026 und 2027 folgen. Parallel baut die BVG Ladestationen an Endhaltestellen. Dort können die Fahrzeuge während ihrer planmäßigen Pausen Energie aufnehmen und müssen für Zwischenladungen nicht zum Betriebshof zurückkehren.
Für die größere Flotte entstehen neue Betriebshöfe. An der Säntisstraße in Marienfelde baut die BVG einen Standort für rund 220 Elektrobusse. In Treptow entsteht an der Köpenicker Landstraße und der Minna-Todenhagen-Straße ein weiterer E-Bus-Betriebshof. Beide Anlagen sollen ab 2027 zusätzliche Abstell-, Lade- und Werkstattkapazitäten schaffen. Der vollständige Umstieg des Berliner Busverkehrs auf elektrische Antriebe bleibt jedoch ein langfristiges Vorhaben.
Tram und Bus: Berlin setzt auf mehr Kapazität und neue Verbindungen
Die Projekte zeigen, dass Berlin den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs nicht nur auf der Schiene unter der Erde vorantreibt. Mit neuen Straßenbahnstrecken, dem Urbanliner als größter Berliner Tram und dem Ausbau der Elektromobilität bei der BVG entstehen zusätzliche Kapazitäten und neue Verbindungen in vielen Teilen der Stadt. Während einige Vorhaben bereits im Alltag der Fahrgäste angekommen sind, werden andere den Berliner Nahverkehr erst in den kommenden Jahren Schritt für Schritt verändern.
Quellen: Deutsche Bahn AG, DB InfraGO AG, Berliner Verkehrsbetriebe, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, Projekt i2030, Eisenbahn-Bundesamt, Abgeordnetenhaus von Berlin
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10 Kommentare
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Alles schön und gut, wenn es denn mal kommt, denn selbst aktuelle Planungen ( z.B. Verlängerung der Tram gen Jungfernheide ) bleiben u.a. in der Bürokratie stecken…
Beispiele: viel Gerede für Trams in Spandau, bis heute gibt es nicht einmal feste Planungen….meine Idee, eine Tram vom Kurt-Schumacher-Platz über das neue Schumacher Quartier ( ehemal TXL ) gen Gartenfeld ( Endbahnhof ( der Siemensbahn, die ja reaktiviert wird ) gen Haselhorst und Hakenfelde….nicht mal was von gehört, außer der etwas abstrusen Idee eine Magnetschwebebahn “ in dieser Gegend“ zu überlegen…
Meine Idee würde die stark befahrende Bernauer Str. mit den oft überlasteten Bussen und Tegel -Süd sicher entlasten…
Deine Idee war der offizielle Plan von R2G.
Die Tram sollte am Flughafen links nach Gartenfeld abbiegen, dann eine Stichstrecke von s Gartenfeld bis u Paulsternstr, und die Hauptstrecke über die Insel Gartenfeld nach Spandau
Keine sorge, bald haben wir die ersten und letzten 3 Jahre CDU senatsführung seit 1990 hinter uns
Was ist mit der Straßenbahn am Ostkreuz?
Statt der CDU hätte auch ein Sack Mehl die Verkehrspolitik leiten können, wäre genau so fortschritlich gewesen.
Die „Erfolge“ der CDU im Einzelnen sind: Straßenbahnprojekte ausbremsen, Tempo 30 zurücknehmen, Kiezblocks boykottieren, Magnetbahnprojekte fakemäßig „prüfen“ und Preise für Parkvignetten beibehalten.
Wow! Was für geniale Lösungen für die Verkehrsprobleme in dieser Stadt! Ich hoffe auf mehr Mut und Gestaltungswillen in der Verkehrspolitik nach der Wahl.
Was ist eigentlich mit der Tram 62 durch den Stern bis zum U Zwickauer Damm / U Johanneisthaler Ch.
Vielleicht sollte man die Trams mit verbrennermotoren ausstatten und pro Abteil nur eine Person mitfahren lassen. Dann würde die CDU denken „oh, das ist ein Auto“ und endlich anfangen die Planungen umzusetzen
Wartet mal die Wahl ab.Ihr werdet Euch putzen: Strassenbahnen (Süddeutsch Tram)
Kiezblocks,Lastenfahrräder und Bullerbü werden die Wählerinnen und Wähler Scharenweise zu den schwarzen und braunen treiben, dann hat es sich ausgetramt und ich hoffe, meine SPD macht diesen Wettbrewerb der aus 5%-Süddeutschland zugewanderten nicht mit .Sonst ist auch für mich nach 50 Jahren SPD Ende Gelände und die einst stolze Berlin-Partei mit Jusos die noch nicht einnal 5% ihrer Alltersgruppe ereeichen kann einpacken Zu meiner Zeit ereichten wir Jusos fast 50 % unserer Altersgruppe was wir den Genossen Trend nannten. Vuel Spass in Bulierbü, aber nicht in Berli sondern i Eueren Süddeutschen Heimatorten ohne Bus und Bahn
Klingt alles nett, hat aber mit der Realität nix zu tun. Seit über 10 Jahren wird etwa die Tram-Anbindung zur Elisabeth Aue geplant. Aber nichts passiert, weil Gelder gestrichen werden. Es wird überhaupt viel und alles mögliche geplant. Aber umgesetzt wird wenig. Und das liegt nicht so sehr am Geldmangel sondern der Arbeitseinstellung, Bürokratie und kafkaesken Hierarchie bei der BVG und am Kompetenzgerangel zwischen Land und Bezirken. Hier werden sogar Millionen, die von der EU zur Verfügung gestellt werden, nicht abgerufen. Insofern ist der Artikel Augenwischerei.
Der Tramausbau in Mahlsdorf bringt überhaupt nichts und erfolgt gegen den Willen der Anwohner
Wer in einer Großstadt Bewegung in den Nahverkehr bringen will, muss zukunftsträchtige Investitionen erbringen. Wer hier von Straßenbahnen redet, ist provinzlerisch und kleinkariert.