Ein Bürgerbegehren will geplanten rund 700 Wohnungen auf der Trabrennbahn Karlshorst verhindern. Parallel läuft die Beteiligung für den Bebauungsplan 11-178.
Trabrennbahn Karlshorst: Bürgerbegehren gegen Wohnungen
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Zukunft der Trabrennbahn Karlshorst ist wieder offen wie lange nicht. Während der Bezirk derzeit einen Bebauungsplan mit Wohnungen, Gewerbe und neuen Nutzungen öffentlich auslegt, formiert sich dagegen ein Bürgerbegehren. Es könnte die bisherige Richtung der Planung grundsätzlich verändern.
- Bezirk: Lichtenberg
- Adresse: Treskowallee 119–163, 10318 Berlin
- Projektstatus: Bebauungsplanverfahren 11-178 läuft; Bürgerbegehren zugelassen
- Geplante Wohnungen: Rund 656 bis 736
Auf der Trabrennbahn Karlshorst laufen derzeit zwei Verfahren parallel, die kaum unterschiedlicher ausgerichtet sein könnten. Seit dem 24. August 2026 liegt der Entwurf für den Bebauungsplan 11-178 öffentlich aus. Der Bezirk will damit den Pferdesport sichern, zugleich aber ein gemischtes Quartier mit Wohnungen, Arbeitsplätzen und Freiräumen ermöglichen. Stellungnahmen können noch bis zum 25. September abgegeben werden.
Gleichzeitig hat der Verein Karlshorst e.V. ein Bürgerbegehren gegen die bisher vorgesehene Mischung aus Wohn-, Gewerbe- und Sondergebieten auf den Weg gebracht. Der Verein hatte das Vorhaben am 19. Juni beim Bezirksamt angezeigt. Nach der rechtlichen Prüfung wurde das Bürgerbegehren nach Angaben des Vereins am 21. August 2026 zugelassen. Damit bekommt der seit Jahren geführte Streit um die Trabrennbahn eine neue formale Ebene.
Bürgerbegehren will Wohnungen auf der Trabrennbahn Karlshorst verhindern
Das Ziel geht weit über Änderungen an einzelnen Gebäuden hinaus. Die Initiatoren wollen den gesamten Geltungsbereich des Bebauungsplans als Sondergebiet für Grün-, Sport-, Kultur- und Freizeitnutzungen festsetzen lassen. Die bislang vorgesehenen Wohn- und Gewerbeflächen sollen damit entfallen. Sollte sich diese Forderung politisch durchsetzen, müsste der Bezirk seine bisherigen Planungsziele grundlegend ändern.
Die Dimension des Konflikts hat sich mit den inzwischen veröffentlichten Planunterlagen noch einmal verändert. Während frühere Konzepte von etwa 500 Wohnungen ausgingen, ermöglichen die aktuell diskutierten Varianten nach Angaben des Vereins Karlshorst e.V. rund 656 bis 736 Wohnungen. Die Zahl stammt aus der Auswertung des derzeit öffentlich ausliegenden Entwurfs durch den Verein. Das Bezirksamt selbst nennt in seiner Pressemitteilung zur Beteiligung keine konkrete Wohnungszahl. Neben Wohnungen sollen unter anderem Gewerbe, Dienstleistungen und weitere Nutzungen möglich werden.

Der historische Eingangsbereich der Trabrennbahn Karlshorst. Auf dem Gelände läuft derzeit das Bebauungsplanverfahren 11-178, das unter anderem den Bau von Wohnungen vorsieht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Gegenentwurf zu Wohnungen auf der Trabrennbahn Karlshorst
Schon zuvor hatten konkrete Zahlen für Diskussionen gesorgt. Eine Bezirksvorlage zur Schulplanung führte zwei Bauabschnitte mit 170 und 320 Wohnungen auf. ENTWICKLUNGSSTADT hatte deshalb im Juli über die bereits berücksichtigten 490 Wohnungen auf der Trabrennbahn Karlshorst berichtet. Baurecht entstand dadurch jedoch nicht. Auch ein verbindlicher Baustart steht weiterhin nicht fest.
Inzwischen liegt mit der sogenannten „Domäne Karlshorst“ ein Gegenentwurf zur geplanten Wohnbebauung vor. Karlshorst e.V. schlägt ein öffentlich orientiertes Stadtgut nach dem Vorbild der Domäne Dahlem vor. Pferdesport, Reittherapie, Bildung, Natur, Kultur und Erholung sollen dabei miteinander verbunden werden. Wie eine solche Alternative finanziert, organisiert und dauerhaft betrieben werden könnte, ist bislang allerdings nicht abschließend geklärt.
Bürgerbegehren und Bebauungsplan laufen nun gleichzeitig
Damit treffen aktuell zwei Beteiligungswege aufeinander. Im Bebauungsplanverfahren können Bürgerinnen und Bürger bis zum 25. September Stellungnahmen einreichen. Diese sollen laut Bezirksamt in die weitere Planung einfließen. Gleichzeitig richtet sich das Bürgerbegehren gegen einen zentralen Bestandteil dieser Planung: die vorgesehenen Wohnungen und Gewerbeflächen.
Wie es weitergeht, bleibt deshalb offen. Sicher ist lediglich, dass der Konflikt um die Trabrennbahn Karlshorst damit eine neue Stufe erreicht hat. Aus der Debatte um Umfang und Gestaltung eines neuen Quartiers ist zunehmend eine grundsätzliche Frage geworden: Soll auf dem Gelände überhaupt neuer Wohnraum entstehen?
Quellen: Berliner Morgenpost, Bezirksamt Lichtenberg von Berlin, Karlshorst e.V.
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