Der geplante Umbau der Torstraße in Berlin-Mitte rückt näher. Nun gibt es neue Details, wie viele Bäume tatsächlich gefällt werden sollen, welche Vorgaben des Klimaanpassungsgesetzes berücksichtigt wurden und wann die Bauarbeiten beginnen sollen.

Die Torstraße in Berlin-Mitte mit mehrspuriger Fahrbahn, Straßenbahngleisen und Wohn- sowie Geschäftshäusern. Der geplante Umbau der Torstraße soll den Straßenraum neu ordnen und wird kontrovers diskutiert.

Die Torstraße in Berlin-Mitte soll umfassend umgebaut werden. Der Senat plant unter anderem Änderungen an Fahrbahnen, Radwegen und Gehwegen. / © Foto: Wikimedia Commons, Mbzt, CC BY-SA 4.0

© Titelbild: bloomimages

ANZEIGE

 

Der umstrittene Umbau der Torstraße in Berlin-Mitte rückt näher. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hat die Bauarbeiten Ende Juni öffentlich ausgeschrieben. Bis zum 18. August können Unternehmen Angebote einreichen, im Oktober soll der Auftrag vergeben werden. Der Baustart ist damit für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.

Das Vorhaben zwischen Rosenthaler Platz und Chausseestraße steht seit Monaten in der Kritik. Streit gibt es vor allem über die geplanten vier Autospuren, den Wegfall von Bäumen und die künftige Aufteilung des Straßenraums. Anwohner, Gewerbetreibende, der Bezirk Mitte sowie Verkehrs- und Umweltverbände hatten wiederholt Änderungen oder einen Stopp der bisherigen Planung gefordert.

ANZEIGE

Grafische Querschnittsdarstellung des geplanten Umbaus der Torstraße in Berlin-Mitte zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz. Die Planung zeigt vier Fahrstreifen für den Autoverkehr, beidseitige Radwege, unterschiedlich breite Gehwege sowie den vorgesehenen Straßenquerschnitt.

Die Querschnittsplanung für den Umbau der Torstraße in Berlin-Mitte zeigt die künftige Aufteilung von Fahrbahn, Radwegen und Gehwegen zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz. / © Bild: SenMVKU

32 Bäume sollen gefällt werden, 32 Neupflanzungen geplant

Eine aktuelle Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage der Grünen-Abgeordneten Silke Gebel liefert nun neue Details. Demnach sollen entlang des betroffenen Abschnitts 32 Bäume gefällt werden. Im Gegenzug sind 32 Neupflanzungen vorgesehen: 26 davon direkt an der Torstraße, sechs in angrenzenden Straßenräumen. Damit werde ein Ersatzverhältnis von 1:1 eingehalten.

Der Senat betont, dass mehr als 70 Prozent des bestehenden Baumbestands erhalten bleiben sollen. Geprüft worden sei auch, ob sich weitere Fällungen vermeiden lassen. Wegen unterirdischer Leitungen, Anforderungen an Verkehrssicherheit und der geplanten Straßenraumaufteilung seien zusätzliche Baumstandorte jedoch nicht möglich.

ANZEIGE

Kritiker bemängeln dabei, dass ein neu gepflanzter Baum die ökologische Wirkung eines ausgewachsenen Straßenbaums zunächst nicht ersetzen kann. Bis die neuen Bäume vergleichbar viel Schatten spenden und zur Kühlung des Straßenraums beitragen, können viele Jahre vergehen.

Torstraße liegt voraussichtlich in einem „Hitzeviertel“

Auch das seit 2024 geltende Berliner Klimaanpassungsgesetz spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle. Nach Einschätzung des Senats fällt die Torstraße wahrscheinlich in einen Bereich, der künftig als sogenanntes Hitzeviertel ausgewiesen werden soll. Das Gesetz sieht dort unter anderem eine stärkere Begrünung vor. Im Durchschnitt soll alle 15 Meter ein Straßenbaum stehen. Nach Angaben der Verkehrsverwaltung wurde diese Vorgabe bei der Planung bereits berücksichtigt.

Um das gesetzlich vorgesehene Ziel von 440.000 Straßenbäumen bis Ende 2027 zu erreichen, muss die Stadt ihr bisheriges Pflanztempo jedoch deutlich erhöhen.

ANZEIGE

Artenschutzgutachten wird derzeit abgestimmt, Senat hält an Plänen fest

Das Artenschutzgutachten liegt inzwischen vor und wird derzeit mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Untersucht wurden unter anderem mögliche Quartiere für Fledermäuse sowie Brutplatzpotenziale für verschiedene Vogelarten.

An der grundsätzlichen Aufteilung des Straßenraums will der Senat jedoch festhalten – und damit auch an den vier Autospuren und den geplanten Baumfällungen. Damit zeichnet sich der weitere Zeitplan bereits ab: Bis zum 18. August läuft die Ausschreibung, im Oktober soll der Bauauftrag vergeben werden. Ob die laufende Abstimmung zum Artenschutz noch zu Anpassungen im Detail führt, bleibt offen.

Zweite Informationsveranstaltung zur Torstraße am 24. August

Unterdessen will das Bezirksamt Mitte gemeinsam mit der Stadtteilkoordination Brunnenstraße Süd über den aktuellen Stand der Planungen informieren. Am Montag, 24. August 2026, von 17 bis 19 Uhr findet eine zweite Informations- und Dialogveranstaltung mit den Bezirksstadträten Ephraim Gothe und Christopher Schriner statt.

Die Veranstaltung knüpft an einen ersten Termin vom 29. Oktober 2025 an. Interessierte haben die Möglichkeit, Fragen zum Stand der Planungen zu stellen und mit den Stadträten ins Gespräch zu kommen.

Die Veranstaltung findet in der Begegnungsstätte Mehr Mitte, Torstraße 190, 10115 Berlin, statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenfrei.

Torstraße

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 26 708, Schriftliche Anfrage, Grüne Fraktion Mitte, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Referat Freiraumplanung und Stadtgrün, Bezirksamt Mitte

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

10 Kommentare

  1. bollextc 15. August 2026 at 08:01 - Reply

    Dieser Senat bzw die Verkehrsverwaltung ist so unfassbar schlecht. Da muss man sich nicht wundern, dass Tourismusszahlen sinken. In Paris wird der motorisierte Individualverkehr eingeschränkt, in Berlin ausgebaut. Und die SPD macht da mit, sie hofiert diese Fossiltaliban auf Seiten der CDU geradezu. Unglaublich!

  2. 41er 15. August 2026 at 10:19 - Reply

    Ich hoffe einfach mal, dass Berlin nur bis September an diesem Senat festhält und danach wieder Vernunft einkehrt. Dieser Fokus auf den Autoverkehr bei einer Motorisierungsrate von unter 300 Pkw auf 1000 Einwohner ist einfach realitätsfern.

  3. Micha 16. August 2026 at 07:13 - Reply

    Parallel gibt es die Fahrradstraße, warum also riesige Radwege.null Parkplatz für Handwerker,Gewerbe und Anwohner!!

  4. Michael 16. August 2026 at 12:39 - Reply

    „Parallel gibt es die Fahrradstraße, warum also riesige Radwege.null Parkplatz für Handwerker,Gewerbe und Anwohner!!“

    Parallel zur Torstraße gibt es ja eigentlich auch Bürgersteige. Die sind also auch unnötig. Ich kenne auch keinen Anwohner, der mit dem Fahrrad zu seiner Wohnung oder zu einem Geschäft fahren will. Die Schüler nehmen auch lieber das Auto.

    Es hilft nichts, man muss alle berücksichtigen. Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer – und zwar in dieser Reihenfolge und Priorisierung.

  5. Ewald Karl 16. August 2026 at 13:28 - Reply

    Unsere Städte überhitzen sich, die Natur kollabiert – und wirre Ideologen versuchen, in einer Millionenstadt Verkehrskonzepte von vor 70 Jahren wiederzubeleben.
    Inzwischen schauen Stadtplaner interessiert auf Paris, Kopenhagen, Lyon oder Warschau – und schmunzeln über Berlin mit seiner Vergangenheits-Regierung.

  6. Leon 17. August 2026 at 04:26 - Reply

    Sehr schade um die Bäume, da hätte man bei der Planung definitiv nach besseren Alternativen suchen müssen..

  7. Patrick 17. August 2026 at 12:11 - Reply

    Diese Beton-und-Blech-CDU hat eine Schneise der Verwüstung in den Verkehrsplanungen der Stadt hinterlassen. Hoffentlich ist ab September Schluss damit. Dann wird man wohl noch Jahre brauchen um diesen Rückstand wieder aufzuholen.

  8. Micha D. 17. August 2026 at 12:50 - Reply

    32 Neupflanzungen, von denen wahrscheinlich die meisten die ersten Jahre nicht überstehen werden, sollen 32 ausgewachsene Bäume ersetzen… wenn es nicht so zum Heulen wär, könnte man nur noch irre lachen. Und als Begründung für die Fällungen: geänderte Sichtachsen aufgrund der vorgesehenen Tempo 50 auf der Torstraße. Man weiß wirklich nicht, auf welchem Planeten manche Berliner Stadtplaner leben. Aber noch stehen ja die Bäume, vielleicht ändert sich ja ab September etwas an der Verkehrspolitik des neuen Berliner Senats…die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

  9. Malte K. 17. August 2026 at 21:10 - Reply

    Nach dem Berliner Klimaanpassungsgesetz ist im Verhältnis 3:1 nachzupflanzen – nächster Gesetzesverstoß.
    Leider wird ggf. noch vor den Wahlen die Fällung ausgeschrieben und so noch Fakten geschaffen vor dem Regierungswechsel.
    Ich bin eigentlich ein ausgeglichener Mensch, aber hier kommt mir auch die Wut …

  10. Starke 2. September 2026 at 16:22 - Reply

    wofür sind Sie ,Senatoren von Berlin, eigentlich gewählt worden? Für das Wohl der Bürger oder… Ist diese Politik nur Unwissenheit oder schon Gewissenlosigkeit…

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.