Berlin baut in die Höhe und das sichtbarer denn je. In mehreren Bezirken wie Mitte, Neukölln, Spandau, Moabit und Lichtenberg entstehen derzeit neue Hochhäuser. Sie sollen Platz für Büros, Wohnungen und Forschung schaffen, verändern aber zugleich die Skyline und werfen Fragen nach Nachhaltigkeit und städtebaulicher Verträglichkeit auf.
© Titelbild: Depositphotos.com
Berlin erlebt derzeit eine neue Hochhausdynamik. In immer mehr Bezirken entstehen Türme ab 50 Metern Höhe, die zusätzlichen Raum für Büros, Wohnungen und Forschung schaffen und zugleich das Stadtbild prägen. Getrieben wird diese Entwicklung von knappen Bauflächen und steigenden Grundstückspreisen, die Hochhäuser zu einer Möglichkeit machen, zentrale Standorte intensiver zu nutzen.
Gleichzeitig wächst die Kritik: Verdichtung verändert bestehende Strukturen spürbar und in vielen Projekten entstehen überwiegend Gewerbeflächen statt dringend benötigtem, bezahlbarem Wohnraum. So stehen die neuen Türme für Chancen einer effizienten Stadtentwicklung, aber auch für die Herausforderungen sozialer und städtebaulicher Ausgewogenheit.
1. Estrel-Tower in Neukölln: Das künftige höchste Hochhaus der Hauptstadt

Derzeit entsteht in 176 Metern Höhe das rund 1000 Quadratmeter große Aluminiumdach des Estrel-Towers, während der erste Baukran abgebaut wird. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Mit 176 Metern Höhe und 45 Etagen wird der Estrel-Tower Ende 2026 das höchste Hochhaus Berlins sein. Der Neubau beherbergt künftig über 500 Hotelzimmer, Büroflächen, Appartements sowie einen großen Veranstaltungssaal. Nach dem Abbau der Baukräne rücken nun die Innenarbeiten und der Dachbau in den Fokus.
Geplant ist zudem eine großzügige Freiraumgestaltung mit Wildblumenwiese und Parkflächen am Wasser, die den massiven Baukörper städtebaulich einbetten sollen. Damit erhält Neukölln nicht nur ein markantes neues Wahrzeichen, sondern auch mehr Aufenthaltsqualität im direkten Umfeld.
2. Central Tower in Berlin-Mitte: 105 Meter hohes Hochhausprojekt an der Jannowitzbrücke gestartet

Ein brachliegendes Grundstück neben den S-Bahn-Gleisen an der Jannowitzbrücke soll aufgewertet werden. HB Reavis plant, dort bis 2032 ein neues gemischt genutztes Hochhaus zu errichten. / © Visualisierung: Dorte Mandrup architects
Mit dem „Central Tower“ will Entwickler HB Reavis ein 105 Meter hohes Hochhaus an der Jannowitzbrücke errichten, das bis 2032 fertiggestellt sein soll. Der Entwurf des dänischen Büros Dorte Mandrup sieht eine Mischnutzung vor: rund 70 Prozent Büroflächen, ergänzt durch Gastronomie, Einzelhandel, Arztpraxen sowie temporäre Wohnungen.
Durch neue Grünflächen, Entsiegelungen und eine starke Ausrichtung auf ÖPNV und Fahrradverkehr soll das Projekt nicht nur das Quartier aufwerten, sondern auch städtebauliche Impulse für Berlin-Mitte setzen.
3. Alexanderplatz in Mitte: CommerzReal-Hochhaus wächst auf 146 Meter

Ein alter Masterplan, ein geltendes Baurecht und ein prominentes Hochhaus: Das CommerzReal-Gebäude am Alexanderplatz wächst auf 146 Meter. Hat das Vorgehen Auswirkungen auf die übrigen Hochhausprojekte am Alexanderplatz? / © Visualisierung: CommerzReal / Kleihues + Kleihues
Mitten in Berlin-Mitte wächst das von CommerzReal entwickelte Hochhaus an der Karl-Liebknecht-Straße deutlich höher als ursprünglich geplant. Statt 134 Meter soll der Turm nun 146 Meter erreichen, möglich macht das ein nach wie vor gültiger Bebauungsplan, der Gebäude bis zu 150 Meter zulässt. Der Entwurf von Kleihues + Kleihues sieht vor allem Gewerbeflächen vor, während die Erhöhung das Gebäude schlanker und eleganter wirken lassen soll.
Parallel dazu stellen sich neue Fragen für die weiteren Hochhausprojekte am Alexanderplatz: Covivio plant ein Gebäude mit Wohnungen, Hines verfolgt weiterhin ein 150-Meter-Hochhaus über dem U5-Tunnel. Die aktuelle Entwicklung sorgt dafür, dass der Platz nach Jahren des Stillstands wieder stärker in den Fokus rückt und mit ihm die Debatte über die Zukunft des zentralen Berliner Stadtplatzes.
4. Covivio-Hochhaus am Alexanderplatz: Sockelbau wächst und verändert die Stadtkante

So soll das Bauprojekt des Immobilienkonzerns Covivo am Alexanderplatz nach seiner Fertigstellung aussehen. / © Visualisierung: Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Covivio Immobilien GmbH
Am Alexanderplatz schreitet der Bau des Covivio-Hochhauses sichtbar voran: Der Sockel des Gebäudes wächst in die Höhe. Geplant ist eine Mischnutzung aus rund 27.000 Quadratmetern Büroflächen, 22.000 Quadratmetern Einzelhandel und 220 Wohnungen.
Dazu kommen ergänzende Angebote wie Kita, Gastronomie und eine Dachterrasse. Der 36 Meter hohe Sockel soll künftig zwei schlanke Türme tragen, die als städtebauliche Klammer den bislang fragmentierten Platz fassen.
5. Blockbuster Berlin in Karlshorst: Gewerbehochhaus am Spreeufer geplant

Das geplante Hochhaus „Blockbuster Berlin“ am Blockdammweg präsentiert sich in einem markanten, terrassierten Baukörper mit klarer vertikaler Rasterstruktur und roséfarben wirkender Fassadengestaltung. / © Visualisierung: HERECON
Am Blockdammweg in Lichtenberg will die HERECON GmbH mit dem Projekt „Blockbuster Berlin“ ein 50 Meter hohes Gewerbehochhaus errichten. Der terrassierte Baukörper mit rund 27.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche soll moderne Büroflächen, Gastronomie, Hotelnutzung, Forschung und urbane Produktion kombinieren.
Zudem ist ein öffentlicher Platz mit direktem Zugang zur Spree und Anbindung an die Tramlinien 21 und 22 geplant. Kritisch diskutiert wird die städtebauliche Wirkung, da das Hochhaus den denkmalgeschützten Wasserturm in der Nachbarschaft überragen würde.
6. Neue BSR-Zentrale am Südkreuz: Nachhaltiges Hochhaus für 1.100 Beschäftigte

Auf dem ehemaligen BSR-Recyclinghof soll eine Unternehmenszentrale für die BSR errichtet werden. Aktuell befindet sich das Bauvorhaben in der Phase der Baufeldfreimachung und Baustellenvorbereitung. / © Visualisierung: ARGE Franz&Sue und Schenker Salvi Weber
Am Bahnhof Südkreuz entsteht bis 2029 die neue Zentrale der Berliner Stadtreinigung (BSR). Dafür sind ein siebengeschossiger Holz-Hybrid-Bau für 1.100 Mitarbeitende sowie ein 17-geschossiges Hochhaus der Berlinovo geplant. Neben modernen Arbeitsplätzen soll das Ensemble auch öffentliche Flächen wie Café, Veranstaltungsräume und einen Umweltlehrpfad bieten.
Photovoltaik, Geothermie und recycelbare Materialien sorgen für nachhaltige Standards und machen das Projekt zu einem Vorzeigevorhaben am wachsenden Standort Südkreuz.
7. Siemens Energy Campus in Moabit: Drei Türme mit bis zu 70 Metern Höhe

Für das Tragwerk ist eine Kombination aus CO2-reduziertem Beton und Holz-Beton-Hybriddecken vorgesehen. Diese Bauweise soll Ressourcen schonen und eine spätere Wiederverwertung ermöglichen. / © Visualisierung: MAX DUDLER
In Moabit entsteht bis 2029 ein neues Hochhausensemble für Siemens Energy. Der Entwurf von Max Dudler sieht drei unterschiedlich hohe Türme vor, darunter ein 17-geschossiger Bau mit knapp 70 Metern Höhe, die durch einen gemeinsamen Sockel verbunden sind.
Geplant sind moderne Büroflächen, Labore, ein Innovation Center, Konferenzräume und ein öffentlich zugängliches Forum. Mit dem Campus will Siemens Energy seinen Berliner Standort stärken und ein sichtbares Zeichen für Innovation und internationale Ausrichtung setzen.
8. Neues Geschäftsviertel am Spandauer Ufer mit Hochhaus bis 80 Meter Höhe

So könnte das neue Geschäftsviertel aussehen, das 2030 fertig sein soll. / © Visualisierung: Spandauer Ufer GmbH & Co. KG
Bis 2030 entsteht am ICE-Bahnhof Spandau ein neues Geschäftsviertel mit Büros, Hotels, Geschäften und Wohnungen. Das 350-Millionen-Euro-Projekt umfasst unter anderem ein 80 Meter hohes Hochhaus mit 20.000 Quadratmetern Büroflächen, dessen Nutzung noch offen ist.
Ergänzt wird das Quartier durch zwei Hotels, gehobene Wohnungen am Wasser, Gastronomie, Einzelhandel und ein Fitnessstudio. Rund 1.300 Arbeitsplätze sollen entstehen, während Photovoltaik und moderne Energiekonzepte den ökologischen Standard sichern.
9. Virchow-Campus in Wedding: Neues Herzzentrum der Charité mit 17 Etagen

Für 521 Millionen Euro soll auf dem Gelände des Charité Campus Virchow in Berlin-Wedding der Neubau des Deutschen Herzzentrums entstehen. / © Visualisierung: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbH
Bis 2028 entsteht auf dem Gelände des Campus Virchow-Klinikums der Neubau des Deutschen Herzzentrums der Charité. Das 521-Millionen-Euro-Projekt umfasst 17 Etagen mit 30.000 Quadratmetern, 320 Betten und 20 hochmodernen Operationssälen. Der Entwurf von wörner traxler richter folgt dem Prinzip der „Healing Architecture“ mit viel Tageslicht, Rückzugsorten und begrünten Bereichen.
Auch ein eigener Hubschrauber-Landeplatz ist vorgesehen. Mit dem Neubau soll Berlin nicht nur seine medizinische Versorgung stärken, sondern auch seine Rolle als internationaler Forschungs- und Wissenschaftsstandort unterstreichen.
10. ULAP-Quartier in Berlin-Moabit: Hochhaustürme für Polizei, Justiz und Wohnen

Ein Hochhaus für Polizei und Verwaltung: So soll die Höhenverteilung im geplanten ULAP-Quartier in Berlin-Moabit aussehen. / © Visualisierung: ISSS | bauchplan
Direkt am Berliner Hauptbahnhof entsteht in den kommenden Jahren das ULAP-Quartier mit mehreren Hochhäusern. Geplant sind zwei bis zu 101 Meter hohe Türme für Polizei und Justiz sowie weitere Wohnhochhäuser mit bis zu 60 Metern Höhe.
Ergänzt wird das Quartier durch Wohnungen, Einzelhandel, eine Schule und neue Freiflächen, die nach dem Schwammstadt-Prinzip klimaresilient gestaltet werden sollen. Historische Bausubstanz wie der Urania-Saal bleibt dabei erhalten und wird in die Planung integriert.
Quellen: Bezirksamt Mitte, Charité, Max Dudler, Siemens Energy, Der Tagesspiegel, Deutsches Herzzentrum, wörner traxler richter planungsgesellschaft mbH, Deutsches Herzzentrums Berlin, Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg, Newsweek, spandauer-ufer.de, BSR, ARGE Franz&Sue, Schenker Salvi Weber, HERECON, Berliner Kurier, berlin.de, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Covivo, Drees & Sommer, liebert, rbb, taz, Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Kleihues + Kleihues, CommerzReal, Estrel Tower, noz, Architektur Urbanistik Berlin, Deutsches Architektur Forum, Barkow Leibinger Architekten, Wikipedia
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4 Kommentare
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Das sind keine Hochhäuser, eher Hochhäuschen!
Im internationalen Vergleich ist das bestenfalls ambitionslos. Ewige Diskussionen, „Bedenken“ des Baukollegiums, unnötige Beschränkungen an Stellen an der sich eigentlich jeder einig war, dass dies ideale Hochhausstandorte sind und und und. Ein Spiegelbild des alten Europas, das weder in der Lage ist, in Wohngebieten traditionell und attraktiven Blockrand zu bauen, noch an Kreuzungen und Zentren bzw. Subzentren Hochhäuser, die die (fehlende) Dynamik der Wirtschaft ein Gesicht zu geben.
Ich wohne im Zetrum in Berlin und hier ist soviel geschloßen wurden und an Bauvorhaben für gefühlt die vergagenenen 10 Jahre in ein Dornröschenschlaf verfallen das es mir inzwischen vorkommt als würde ich auf einem Dorf wohnen, ab 20 Uhr werden hier die Bordsteine hochgeklappt.
Wozu auch, es gibt kaum noch Freizeitangebote, und das Geld wird bei vielen aufgewendet um nicht gerechtfertigte Mieten zu bezahlen. Gleichzeitig hat man sich in gegenseitige Blockaden verrannt.
An Hochhausstandorten sollte die devise sein, wie hoch können sie bauen, und dazu eine Mindestanforderung für sozialen und regulären Mietanteil.
Heutzutage werden keine Bürotürme mehr gebraucht. Wenn überhaupt am Stadtrand mit Anbindung ÖPNV. In die Stadt muss mehr Wohnqualität Grünflächen, Einkaufsmöglichkeiten, Parkplätze usw.