Im Berliner Tiergarten erinnert ein fast fünf Meter hoher Baumstamm aus Bronze an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas. Das Mahnmal steht nahe dem Goldfischteich.
Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas
© Titelbild: Matthias Leeck
Im Berliner Tiergarten steht seit Ende Mai ein neues Mahnmal für eine lange übersehene NS-Opfergruppe. Ein fast fünf Meter hoher Baumstamm aus Bronze erinnert nahe dem Goldfischteich an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas.
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Ahornsteig, 10785 Berlin
- Material: Bronze
- Höhe: fast fünf Meter
- Gewicht: rund zwölf Tonnen
- Künstler: Matthias Leeck
Der Baumstamm aus Bronze wirkt bewusst nicht wie ein glattes Denkmal. Seine Oberfläche ist zerklüftet, von Narben und Einschnitten geprägt. Der Künstler Matthias Leeck entwarf die Skulptur als sichtbares Zeichen für Standhaftigkeit und Verletzung. Die Bronze soll nicht nur betrachtet werden. Ihre Struktur macht die Spuren der Verfolgung auch körperlich erfahrbar.
Das Mahnmal trägt den offiziellen Namen „Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas“. Es steht nahe dem Goldfischteich, weil dieser Ort historisch belastet ist. Dort führte die Gestapo am 22. August 1936 eine Verhaftungsaktion gegen führende Zeugen Jehovas durch. Die Glaubensgemeinschaft, damals auch Ernste Bibelforscher genannt, hatte sich heimlich getroffen, nachdem die Nationalsozialisten sie verboten hatten.
Bronze-Baumstamm im Tiergarten erinnert an NS-Verfolgung
Die Zeugen Jehovas wurden ab 1933 systematisch von den Nationalsozialisten verfolgt. Sie verweigerten den Hitlergruß, lehnten NS-Organisationen ab und verweigerten vielfach den Kriegsdienst. Rund 14.000 Angehörige wurden inhaftiert. Mehr als 4.200 kamen in Konzentrationslager. Mindestens 1.700 Menschen aus der Glaubensgemeinschaft starben durch die NS-Verfolgung.
Der Weg zum Mahnmal dauerte rund 15 Jahre. Die Arnold-Liebster-Stiftung setzte sich lange für den Gedenkort ein. Am 22. Juni 2023 beschloss der Bundestag die Errichtung einstimmig. Die Übergabe an die Öffentlichkeit findet am 24. Juni 2026 statt, genau 93 Jahre nach dem Verbot der Zeugen Jehovas in Preußen. Erwartet werden unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.

Das neue Mahnmal im Tiergarten steht nahe dem Goldfischteich. Der Baumstamm aus Bronze erinnert dauerhaft an die Verfolgung und Ermordung von Zeugen Jehovas während der NS-Zeit. / © Foto: Matthias Leeck
Bronze-Baumstamm aus 16 Teilen nahe dem Goldfischteich
Die Herstellung erfolgte in einem Metallbetrieb im bergischen Wermelskirchen. Wegen des Gewichts transportierte man die Bronze-Skulptur in Einzelteilen nach Berlin. Vor Ort entstand der Baumstamm aus 16 Elementen: einer Bodenplatte und 15 übereinander gesetzten Ronden. Beteiligt waren neben Künstler Matthias Leeck auch Uwe Langhals von der Arnold-Liebster-Stiftung und Axel Selbach von der Herstellerfirma asm.
Der neue Gedenkort ergänzt die Erinnerungslandschaft im Tiergarten. In der Nähe liegen bereits zentrale Denkmäler für andere NS-Opfergruppen, darunter das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das Denkmal für die verfolgten Homosexuellen, das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma sowie der Gedenkort für die Opfer der NS-Euthanasie-Morde. Eine Informationstafel soll künftig den historischen Ort und die Verfolgung der Zeugen Jehovas erklären.
Quellen: Arnold-Liebster-Stiftung, rbb24, Deutschlandfunk
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