Das Berliner Ensemble steht möglicherweise vor einem tiefgreifenden Umbruch. Die Eigentümerin des Theaters am Schiffbauerdamm, die Ilse-Holzapfel-Stiftung, hat die Vertragsverhandlungen mit dem Land Berlin über eine weitere Nutzung des Hauses abgebrochen. Ab 2028 möchte die Stiftung das Gebäude selbst betreiben.

Das historische Foyer des Theaters am Schiffbauerdamm: Derzeit nutzt das Berliner Ensemble das Gebäude als Spielstätte. Der Pachtvertrag mit dem Land Berlin endet jedoch im Jahr 2027. Eine Einigung über eine Verlängerung konnte bislang nicht erzielt werden. / © Foto: Wikimedia Commons, Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Apodemus assumed, CC BY-SA 2.5
Die Ilse-Holzapfel-Stiftung hat entschieden, die seit dem Jahr 2024 laufenden Gespräche mit dem Land Berlin über eine Verlängerung des Pachtvertrags für das Theater am Schiffbauerdamm nicht weiterzuführen. Der aktuelle Mietvertrag läuft Ende 2027 aus. Der Senat hatte bisher das Gebäude angemietet und dem Berliner Ensemble als Spielstätte zur Verfügung gestellt.
Nach Angaben der Stiftung kam es zu keiner Einigung über neue Vertragskonditionen. Während das Land Berlin eine Verlängerung zu den bestehenden Bedingungen anbot, forderte die Stiftung eine Anpassung der finanziellen Rahmenbedingungen. Diese Einigung blieb jedoch aus.
Wirtschaftliche Differenzen im Zentrum des Konflikts: Stiftung fordert höhere Pacht zur Sicherung des Kulturbetriebs
Nach Einschätzung der Stiftung reicht die bisherige Pacht nicht aus, um den Betrieb des Hauses im Sinne der Satzung aufrechtzuerhalten. Die Stiftung ist verpflichtet, selbst kulturelle Angebote im Gebäude umzusetzen. Um diese weiterhin finanzieren zu können, hält sie eine Erhöhung der Pacht für erforderlich.
Der Vorsitzende der Stiftung, Mike Wündsch, erklärte, dass man ausschließlich von den Pachteinnahmen und vom Eintritt lebe. Von den Einnahmen aus Eintrittsgeldern müssten zudem rund 70 Prozent an den Senat abgeführt werden. Unter diesen Bedingungen könne die Stiftung keinen dauerhaften Kulturbetrieb sicherstellen.
Neuausrichtung ab 2028 geplant: Ilse-Holzapfel-Stiftung Stiftung will eigenes Kulturprogramm im Theater etablieren
Da eine Einigung nach Einschätzung der Stiftung kaum noch zu erwarten ist, plant sie ab dem Jahr 2028 einen Eigenbetrieb des Hauses. Ziel ist es, das Theater künftig eigenständig und unabhängig vom Land Berlin zu betreiben.
Inhaltlich will sich die Stiftung auf Themen wie die Erinnerung an den Holocaust und den Widerstand gegen den Nationalsozialismus konzentrieren. Auch Werke von Bertolt Brecht sollen weiterhin im Programm vertreten sein. Damit knüpft die Stiftung an die Tradition des Hauses an und verbindet sie mit eigenen satzungsgemäßen Aufgaben.
Technische Umstrukturierung in Vorbereitung: Stiftung lässt bauliche Voraussetzungen für Eigenbetrieb prüfen
Um die Voraussetzungen für einen eigenständigen Kulturbetrieb zu schaffen, hat die Stiftung bereits ein Ingenieurbüro beauftragt. Dieses soll die technischen Möglichkeiten im Gebäude analysieren und die notwendigen Umbauten vorbereiten.
Gleichzeitig zieht die Stiftung in Erwägung, zusätzliche Partner in die zukünftige Nutzung einzubeziehen. So könne gegebenenfalls ein externer Kulturinvestor in den Betrieb eingebunden werden, um weitere Ressourcen zu erschließen und neue Konzepte zu entwickeln.
Zukünftige Nutzung des Gebäudes unklar: Berliner Ensemble könnte ab 2028 ohne feste Spielstätte dastehen
Sollte es nicht doch noch zu einer Einigung kommen, verliert das Berliner Ensemble mit dem Ende des Pachtvertrags seine angestammte Spielstätte. Das Theater am Schiffbauerdamm dient dem Ensemble seit den 1950er Jahren als künstlerische Heimat.
Bisher ist nicht bekannt, wie das Ensemble auf diese Entwicklung reagieren wird. Laut Stiftung gab es zuletzt im Juni 2025 Gespräche mit der Senatsverwaltung. Seither habe man die Verhandlungen ruhen lassen. Mike Wündsch äußerte, dass eine Einigung inzwischen nahezu ausgeschlossen sei.
Historisches Theater mit internationaler Bedeutung: Berliner Ensemble prägte jahrzehntelang das kulturelle Profil des Hauses
Das Berliner Ensemble wurde 1949 von Bertolt Brecht gegründet. Seitdem hat es mit gesellschaftspolitisch relevanten Inszenierungen die deutsche Theaterlandschaft wesentlich mitgestaltet. Unter der Intendanz von Oliver Reese liegt der Schwerpunkt auf zeitgenössischen Themen und modernen Theaterformen.
Mit seiner künstlerischen Arbeit ist das Ensemble international präsent und nimmt regelmäßig an Gastspielen im In- und Ausland teil. Die Bühne am Schiffbauerdamm zählt zu den traditionsreichsten Theatern Deutschlands. Umso stärker wiegt die Unsicherheit über ihre zukünftige Nutzung.
Quellen: Berlin Bühnen, Kulturprojekte Berlin, Ilse Holzapfel Stiftung
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