Mehr als ein Jahrhundert lang prägten Zellen, Gitter und schwere Türen den Alltag in der Söhtstraße 7. Heute betreten Gäste den denkmalgeschützten Bau freiwillig. Mit der Eröffnung des Hotels ist die jahrelange Umwandlung des ehemaligen Frauengefängnisses jedoch noch nicht abgeschlossen.

Das Foto zeigt den historischen Zellentrakt des ehemaligen Frauengefängnisses „The KNAST“ in Berlin-Lichterfelde. Die erhaltenen Zellentüren, Galerien und Geländer bleiben Teil des denkmalgeschützten Gebäudes, das zu einem besonderen Hotel umgebaut wird.

Historische Zellentüren und die offenen Galerien prägen das ehemalige Frauengefängnis in Berlin-Lichterfelde. In dem denkmalgeschützten Gebäude entsteht mit „The KNAST“ ein außergewöhnliches Hotel mit Gastronomie und Kulturangeboten. / © Foto: IMAGO / Sabine Gudath

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Hinter den hohen Mauern des früheren Frauengefängnisses in Berlin-Lichterfelde hat ein neues Kapitel begonnen. Seit dem 15. September 2026 können Gäste im „THE KNAST“ übernachten. Restaurant, Bar, Kunst und Veranstaltungen gibt es in dem historischen Komplex bereits – nun ist auch der lange vorbereitete Hotelbetrieb gestartet.

  • Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
  • Adresse: Söhtstraße 7, 12203 Berlin-Lichterfelde
  • Projektstatus: Hotel eröffnet, Ausbau weiterer Suiten läuft
  • Zimmer zum Start: neun Zellenzimmer
  • Weitere Planung: vier Suiten im Dachgeschoss

Die Eröffnung folgt auf eine lange Phase der Umnutzung. Noch im Januar 2026 war für das Hotelprojekt THE KNAST in Lichterfelde eine Eröffnung im Laufe des Jahres angekündigt worden. Nun können die ersten neun Zimmer tatsächlich gebucht werden.

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Der Restaurantbereich im THE KNAST in Berlin-Lichterfelde ist mit dunklen Wänden, großen Fenstern und gedeckten Tischen gestaltet.

Neben dem neuen Hotelbetrieb gehört auch ein Restaurant zum Nutzungskonzept von THE KNAST in Berlin-Lichterfelde. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

THE KNAST Hotel: Aus zwei bis vier Gefängniszellen entsteht ein Zimmer

Die Hotelzimmer liegen im ersten und zweiten Obergeschoss des rechten Zellentrakts. Für jedes Zimmer wurden zwei bis vier frühere Gefängniszellen miteinander verbunden. Nach Angaben des Betreibers sind die Räume je nach Kategorie etwa 13 bis 30 Quadratmeter groß.

Dabei sollte die frühere Nutzung nicht vollständig verschwinden. Originale Zellentüren blieben erhalten, ebenso historische Riegel. Die früheren Gucklöcher in den Türen sind heute verdeckt. Metall nimmt im neuen Innenausbau die Formensprache der alten Gitter auf. Auch Anthrazit, das früher an den Wänden des Gefängnisses verwendet wurde, taucht im Farbkonzept wieder auf. Weinrote Flächen und Textilien setzen dazu einen deutlichen Kontrast.

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Die Ausstattung geht entsprechend weit über die früheren Zellen hinaus. Maßgefertigte Möbel und Einbauten gehören ebenso zum Konzept wie Bäder mit schwarzen Fliesen und roségoldenen Armaturen. Die Bäder entstanden in Zusammenarbeit mit der Designmarke Axor. Zur Ausstattung zählen unter anderem Regenduschen und Fußbodenheizung.

Das ehemalige Frauengefängnis in Berlin-Lichterfelde beherbergt heute das Boutique-Hotel THE KNAST.

Hinter der historischen Fassade des ehemaligen Frauengefängnisses in Lichterfelde hat im September 2026 das Boutique-Hotel THE KNAST eröffnet. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Vier weitere Suiten im Dachgeschoss von THE KNAST entstehen noch

Mit der Hoteleröffnung ist der Umbau noch nicht beendet. Im Dachgeschoss entstehen derzeit vier weitere Suiten mit unterschiedlichen Grundrissen. Die Zahl der Übernachtungsmöglichkeiten bleibt insgesamt eher überschaubar.

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Zugleich ergänzt der Hotelbetrieb ein Konzept, das sich in den vergangenen Jahren schrittweise entwickelt hat. Zum Standort gehören bereits ein Fine-Dining-Restaurant im ehemaligen Verwaltungstrakt, eine Speakeasy-Bar in der früheren Kapelle sowie Räume für Kunst und Veranstaltungen. Der gesamte Betrieb richtet sich an Erwachsene.

Auch Kunst zieht in die neuen Zimmer ein. Geplant sind wechselnde Arbeiten lokaler Künstlerinnen und Künstler. Zum Hotelstart zeigt THE KNAST Werke von Anne Bengard. Damit setzt sich eine Nutzung fort, die den früheren Gefängniskomplex schon vor der Hoteleröffnung geprägt hat: Teile der historischen Zellen dienen seit Jahren als Räume für Kunst und Kultur.

Vom Frauengefängnis zum Hotel: Die Geschichte der Söhtstraße 7

Der Komplex entstand zwischen 1902 und 1906 gemeinsam mit dem damaligen Amtsgericht Lichterfelde. Als Architekten nennt das Landesdenkmalamt Rudolf Mönnich, Walter Sackur und Paul Thoemer. Die Anlage blieb mit späteren Umbauten über Jahrzehnte Teil des Berliner Justizsystems. 2010 endete die Nutzung als Gefängnis.

Danach diente das Gebäude unter anderem als Filmkulisse. Nach Angaben der Berlin Brandenburg Film Commission entstanden hier Szenen für Produktionen wie „Babylon Berlin“, „4 Blocks“, „Die Känguru-Chroniken“ und „The Monuments Men“. Der historische Komplex wurde anschließend schrittweise saniert und neu genutzt.

THE KNAST verbindet Hotel, Restaurant, Bar und Kultur in Lichterfelde

Für Lichterfelde ist die Hoteleröffnung vor allem der vorläufige Abschluss einer ungewöhnlichen Umnutzung. Statt die Gefängnisarchitektur hinter einem vollständig neuen Innenausbau verschwinden zu lassen, nutzt das Konzept viele historische Elemente weiter. Zugleich erhält das Gebäude Funktionen, die mit seinem früheren Zweck kaum gegensätzlicher sein könnten.

THE KNAST Hotel Berlin-Lichterfelde
Im denkmalgeschützten ehemaligen Frauengefängnis in Berlin-Lichterfelde hat THE KNAST ein Adults-only-Boutique-Hotel mit zunächst neun Zimmern eröffnet.

 

Quellen: THE KNAST, visitBerlin, Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung (AHGZ)

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