Mehr als sechs Monate nach der Änderung der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung fordert der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf konkrete Schritte für mehr Verkehrssicherheit. Im Fokus stehen Schulwege an Hauptverkehrsstraßen, an denen Tempo 30 künftig zur Regel werden soll.

Blick auf die Uhlandstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Abschnitt zwischen Blissestraße und Berliner Straße gilt als unübersichtlich und stark frequentiert und wird vom Bezirk als geeigneter Bereich für eine Tempo-30-Regelung an Schulwegen eingestuft. / © Foto: Wikimedia Commons, Sebastian Rittau, CC BY 4.0
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Seit dem Inkrafttreten der geänderten Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung haben die Bezirke zusätzliche Möglichkeiten, Tempo-30-Zonen auch auf Hauptverkehrsstraßen anzuordnen. Vorgesehen ist, dass im direkten Umfeld von Schulen, Kitas, Horten und Spielplätzen innerorts grundsätzlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde gilt. Damit sollen Schulwege sicherer werden und Risiken für Kinder sinken.
In Charlottenburg-Wilmersdorf sieht man diese Möglichkeiten bislang kaum genutzt. Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger (Bündnis 90/Die Grünen) hat sich deshalb in einem Schreiben an Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) gewandt. Er macht deutlich, dass nach mehr als einem halben Jahr nun konkrete Schritte erforderlich seien. Die neuen Vorgaben müssten angewendet werden, damit sie im Alltag tatsächlich Wirkung zeigen.
Unsichere Schulwege an Berlins Hauptverkehrsstraßen: Tempo 30 als Regel und nicht als Ausnahme
Die Verwaltungsvorschrift richtet sich ausdrücklich auch an Hauptverkehrsstraßen. Gerade dort entstehen für Kinder besondere Gefahren, da hohes Verkehrsaufkommen, breite Fahrbahnen und unübersichtliche Situationen zusammentreffen. Hinzu kommt vielerorts ein intensiver Bring- und Holverkehr, der die Lage vor Schulen und Kitas zusätzlich verschärft.
Nach Einschätzung des Bezirks greift die neue Regelung genau an diesen Punkten. Tempo 30 soll dort gelten, wo Kinder regelmäßig die Straße queren oder wo sich viele Menschen zu Fuß bewegen. Schruoffeneger verweist darauf, dass Tempo-30-Zonen laut Vorschrift in der Regel einzurichten seien. Dennoch seien bislang keine erkennbaren Aktivitäten der Senatsverkehrsverwaltung im Bezirk festzustellen.
Bezirk fordert neue Temporegelungen für die Uhlandstraße: Beispiel für akuten Handlungsbedarf
Als konkretes Beispiel nennt der Bezirk die Uhlandstraße zwischen Blissestraße und Berliner Straße. Der Straßenabschnitt gilt als unübersichtlich und weist ein hohes Fußgängeraufkommen auf. Mehrere Schulen, eine Kita, ein Sportplatz sowie eine Kirchengemeinde sorgen dafür, dass täglich viele Kinder, Eltern und Anwohner unterwegs sind.
Aus Sicht des Bezirksamtes sind damit die Voraussetzungen für eine Tempo-30-Zone erfüllt. Kinder queren die Straße regelmäßig, während gleichzeitig Auto-, Liefer- und Busverkehr stattfinden. Eine geringere Geschwindigkeit könnte die Situation entschärfen und die Übersichtlichkeit verbessern. Der Bezirk sieht die Uhlandstraße deshalb als typisches Beispiel für ähnliche Lagen im Stadtgebiet.
Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung: Bezirk erhöht den Druck auf den Senat
Die Forderung nach Tempo 30 auf der Uhlandstraße ist auch politisch untermauert. In der Bezirksverordnetenversammlung liegt bereits ein entsprechender Antrag vor, der den Handlungsbedarf offiziell festhält. Damit soll der Berliner Senat aufgefordert werden, die neuen rechtlichen Möglichkeiten konsequent zu nutzen.
Schruoffeneger macht deutlich, dass es ihm nicht um einen einzelnen Straßenabschnitt geht. Vielmehr gehe es um eine grundsätzliche Anwendung der geltenden Vorschriften im gesamten Bezirk. Die Uhlandstraße zeige exemplarisch, wo Tempo-30-Zonen notwendig seien. Nun liege es an der Senatsverkehrsverwaltung, Prüfungen zügig vorzunehmen und Maßnahmen umzusetzen, damit Schulwege spürbar sicherer werden.
Quellen: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
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3 Kommentare
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Gut, dass es zu mindestens für die Bezirke jetzt Möglichkeiten gibt, den Verkehr mehr im Sinne der Aicht-Autofahrerenden zu regeln.
Grundsätzlich ärgert es mich immer, dass beim Thema Tempo 30 ausschließlich von Schulen und Kindergärten die Rede ist, wo Kinder sichere Wege brauchen. Kinder haben genau wie alle andere Menschen das Recht, sich überall in der Stadt sicher aufzuhalten und nicht nur auf dem Weg zu ihrer Bildungseinrichtung in den Vorzug eines sicheren Umfeldes zu kommen. Daher halte ich es für logisch, bewohnte Gebiete weit wie möglich als Tempo-30-Zone auszuweisen.
Wir alle profitieren davon, wenn es leiser, abgasärmer und sicherer wird, gerade auch die vielen Menschen, die an Hauptverkehrsstraße wohnen.
Tempo 30 erhöht die Sicherheit, senkt Unfallgefahr und Schadstoffausstoß. Es gehört überall hin, wo es notwendig ist.
Das ist m.E. immer dann gegeben, wenn unterschiedliche Verkehrsteilnehmer aufeinandertreffen: Auto – Fußgänger – Fahrradfahrer.
Die Fußgänger sind die Schwächsten. Wo viele Fußgänger unterwegs sind, sollte Tempo 30 sein. Unter den Fußgängern sind Kinder wiederum die Schwächsten. Daher sollten alle Haupt- Fußgänger-Kind-Wege (insbesondere vor Schulen und Kitas) prioritär mit Tempo 30 begleitet werden. Dann weitere hochfrequentierte Orte wie z.B. Checkpoint Charlie oder Haltestellen.
Gerne begleitet mit Querungen, Zebrastreifen und Ampeln.
Sicherheit muss vor „fliesendem Autoverkehr“ kommen.
Generell ist Tempo 30 an allen Nicht-Hauptverkehrsachsen angemessen. Durch eine Stadt, wo überproportional Fußgänger und Radfahrer den Autoverkehr verringern, muss nicht durchgeheizt werden. In ländlicher Gegend mag es anders aussehen, aber wir sind ja hier mitten in einer Großstadt. Motorisierter Pkw-Individualverkehr (nicht der echte Wirtschaftsverkehr) ist hier grundsätzlich keine gute Idee.
Helsinki hat bereits bewiesen, wie positiv die Temporeduzierung ist: KEINE Verkehrstoten.