Die Diskussion um die Zukunft des Tempelhofer Feldes ist erneut in Bewegung geraten. Die Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ hat ihre Pläne für eine Stiftung und eine mögliche Randbebauung am Donnerstag noch einmal präzisiert. Damit reagiert sie auf anhaltende Kritik.

Die Idee einer Randbebauung am Tempelhofer Feld hat in den vergangenen Wochen für kontroverse Diskussionen gesorgt. Während einige sie als Wohnungsbaulösung sehen, lehnen andere, wie etwa die Initiative „100 % Tempelhofer Feld“, jegliche Bebauung des Areals ab. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild / Visualisierung: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic
Als am 20. Mai erstmals die Idee einer möglichen Randbebauung am Tempelhofer Feld öffentlich wurde, löste das Vorhaben deutliche Unruhe in der Berliner Stadtgesellschaft aus. Während einige Stimmen den Vorschlag als Beitrag zur Entspannung des Wohnungsmarkts einordneten, überwog bei anderen Skepsis. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die Sorge, dass eine Bebauung am Rand nicht dauerhaft begrenzt bleiben könnte und langfristig den Einstieg in weitergehende Eingriffe in die Freifläche markiert.
Die Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ hat auf diese Kritik nun erneut reagiert und ihr Konzept am Donnerstag im Rahmen einer Online-Pressekonferenz konkretisiert. Kernaussage der Initiative: Es gehe ausdrücklich nicht um eine spätere Ausweitung der Bebauung, sondern um eine klare und dauerhafte Trennung zwischen geschützter Freifläche und begrenzten Entwicklungsbereichen an den Rändern des Areals. Doch wie lässt sich eine solche Abgrenzung langfristig tatsächlich sichern?
Freifläche Tempelhofer Feld: Stiftung als dauerhaftes Schutzinstrument
Der Lösungsvorschlag der Initiative sieht die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung vor, die das eigentliche Tempelhofer Feld dauerhaft sichern soll. Ziel sei es, die rund 200 Hektar große zentrale Freifläche aus kurzfristigen politischen Entscheidungsprozessen herauszulösen und langfristig an einen festen Gemeinwohlauftrag zu binden. Nach Angaben der Initiative soll die konkrete Ausgestaltung und Gründung einer solchen Stiftung jedoch ausdrücklich von Berlinerinnen und Berlinern selbst entwickelt und getragen werden; die Initiative versteht sich dabei lediglich als Impulsgeber.
Wirtschaftliche Interessen seien nicht vorgesehen. Damit soll insbesondere der Sorge begegnet werden, dass eine Randbebauung langfristig als Einstieg in eine umfassendere bauliche Entwicklung verstanden werden könnte.
Löst eine Stiftung den Konflikt?
Gleichzeitig berührt der Vorschlag eine grundsätzliche Vertrauensfrage. Bereits der Volksentscheid von 2014 hatte den Erhalt des Tempelhofer Feldes als weitgehend unbebaute Freifläche bestätigt und damit einen klaren Willen der Stadtgesellschaft festgeschrieben. Vor diesem Hintergrund stellt sich für viele die Frage, wie neue Modelle, die nun auch eine Randbebauung vorsehen, zu diesem früheren Votum in Beziehung stehen.
Kritiker weisen zudem darauf hin, dass ein dauerhaft festgelegter Stiftungszweck demokratische Gestaltungsspielräume einschränken könnte, da spätere Anpassungen der Nutzung nur begrenzt möglich wären. Die Initiative sieht darin hingegen einen Vorteil, da der Schutz des Tempelhofer Feldes so unabhängig von wechselnden politischen Mehrheiten langfristig gesichert werden soll.
Wohnungsbau am Tempelhofer Feld ausschließlich an den Rändern
Das Konzept sehe eine maßvolle Bebauung ausschließlich der äußeren Randbereiche vor. Grundlage ist der Plan von Kollhoff und Nöfer, der eine bauliche Entwicklung nur an den Rändern des insgesamt rund 300 Hektar großen Areals vorsieht.
Die offene Mitte des Tempelhofer Feldes soll dabei vollständig erhalten bleiben, heißt es. Sie würde weiterhin als zusammenhängende Grün- und Freifläche bestehen und in ihrer heutigen Nutzung nicht eingeschränkt werden.
- Projekt: 21.400 Wohnungen
- Geplante Bewohnerzahl: etwa 50.000 Menschen
- Entwicklungsfläche: rund 100 Hektar
- Geschützte Freifläche: rund 200 Hektar im Inneren
- Weitere Nutzungen: Gewerbe, Kitas, Schulen und soziale Infrastruktur
- Kosten: rund neun Milliarden Euro
- Realisierungszeit: nach Angaben der Initiative etwa sechs Jahre

Wohnen am Tempelhofer Feld: So stellt sich die Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ die Schaffung von attraktivem Wohnraum unmittelbar am ehemaligen Flugfeld in Tempelhof vor. / © Visualisierung: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic
Wohnungsbau und Freiraumerhalt: (K)ein Widerspruch?
Die Idee wirkt auf den ersten Blick durchaus charmant, weil sie versucht, zwei zentrale stadtpolitische Ziele miteinander zu verbinden, die bislang häufig als unvereinbar gelten: die Schaffung dringend benötigten Wohnraums und den langfristigen Erhalt einer der größten innerstädtischen Freiflächen Europas.
Dennoch löst der Vorschlag nicht zwingend die Sorge, dass sich durch eine Randbebauung die Qualität der Fläche als Ganzes verändern könnte. Dabei geht es nicht ausschließlich um ökologische Fragen, sondern ebenso um die besondere Wirkung des Ortes, die sich aus seiner Offenheit, seiner außergewöhnlichen Maßstäblichkeit und der fehlenden direkten städtischen Einfassung ergibt.
Genau diese Eigenschaften ermöglichen derzeit eine einzigartige Nutzungsfreiheit, wie sie anderswo auf der Welt nicht zu finden ist. Mit baulichen Kanten an den Rändern würde sich diese Wahrnehmung nicht zwangsläufig aufheben, aber sie würde sich spürbar verschieben; hin zu einem urban eingefassten Raum, dessen Charakter sich deutlich vom heutigen Zustand unterscheiden könnte.
Als Gemeinschaftsprojekt: Ideen zur Ausgestaltung bleiben gefragt
Am Ende läge es an der Stiftung, gemeinsam mit der Stadtgesellschaft die unterschiedlichen Interessen zu bündeln und sorgfältig abzuwägen, vom Wohnungsbau über die klimatische Bedeutung bis hin zu den kulturellen und alltagspraktischen Nutzungen des Feldes.
Ob ein solches Gleichgewicht langfristig tatsächlich stabil zu halten ist, bleibt offen. Grundsätzlich ist der Ansatz jedoch als Versuch eines integrierten Modells der Stadtentwicklung durchaus anzuerkennen. Und – so betonten es die Projektverantwortlichen noch einmal – wer tragfähigere Lösungen für diese komplexe Gemengelage sieht, sei eingeladen, diese in die weitere Debatte einzubringen.
Der Vorschlag knüpfe an die Berliner Tradition von Selbsthilfe und bürgerschaftlichem Engagement an. Es eröffne die Möglichkeit, dass Bürgerinnen und Bürger selbst Verantwortung für die Zukunft ihrer Stadt übernehmen.
Tempelhofer Feld
Quellen: Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“
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8 Kommentare
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Eigentlich total logisch den Rand zu bebauuen. Aber Logik und Berlin geht leider oft nicht zusammen. Was ich kritisiere am aktuellen Vorschlag: Wieso wird nicht auch das Vorfeld bebauut? Man könnte es sogar teilweise entsiegeln und einzelne Hochhäuser dort hinstellen die sich in die Architektur des alten Flughafens einfügen. Hier ist doch der Denkmalschutz völlig unangebracht.
Für die Randbebauung würde mich einen Entwurf im Stile der Gründerzeit wünschen, so wie in den Visualisierungen angedeutet.
Hahaha Alter was ist bei dir falsch?
Feld bleibt frei von Bebauung!
Logik ist definitiv nicht ihre Stärke 😂
Ziemlich dick aufgetragen, diese Visualisierung von Kollhoff.
Ich halte es für eher wenig realistisch, dass auf dem Gelände fünfgeschossige repräsentative Gründerzeit Altbauten errichtet werden, davor aus schlesischen Granit Gehwegplatten verlegt werden und aus Retrogründen auch noch zu kleine Baumscheiben angelegt werden – und das ganze preisgünstig realisiert von Baugruppen?
Und die monströse Autobahn verschwindet plötzlich ganz unauffällig hinter einem breiten Grüngürtel, ohne dass man von deren Lärm in den anliegenden Blöcken belästigt wird?
Leider ziemlich offensichtlich Schönfärberei.
Und die Leitung der Stiftung entscheidet dann alles? ist etwas fragwürdig!
Dann lieber ein Bürgerrat!
Cui bono? Z.B.: wer sitzt im Stiftungsrat? Und dient das ganze Maböver nicht nur dem Aufbohren des Volksentscheides?
Ich persönlich fände den Vorschlag von Christoph Langhof am besten. Der Volksentscheid bliebe unberührt, es würden Wohnungen gebaut und Berlin zahlt nicht nur für leerstehende Gebäude, sondern die hätten auch wieder einen Nutzen.
Warum werden in Berlin immer wieder Architekten wie Hans Kollhoff hervorgeholt, deren Entwürfe vor allem auf Vergangenes setzen? Warum fehlt der Mut, auf etwas wirklich Neues und Zukunftsweisendes zu setzen? Und warum soll eine einzigartige Freifläche mitten in der Stadt bebaut werden, obwohl es solche Orte in Städten kein zweite mal gibt? Dabei handelt es sich nicht einmal um eine vorsichtige Randbebauung, sondern um einen tiefen Eingriff in einen offenen Stadtraum. Berlin sollte den Mut haben, seine Besonderheiten zu bewahren, statt sie Stück für Stück zu verbauen.