Zwölf Jahre nach dem Volksentscheid gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes entfacht ein neuer Vorschlag erneut Diskussionen in Berlin. Während Initiativen weiterhin strikt dagegen protestieren, hat sich die öffentliche Stimmung angesichts der angespannten Wohnungslage offenbar teilweise verändert.

Eine Visualisierung des Konzepts der Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ zeigt die geplante Randbebauung mit 21.400 Wohnungen und den Erhalt der inneren Freifläche des Tempelhofer Feldes. / © Visualisierung: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Vor wenigen Tagen stellte die Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ ein neues Konzept für eine mögliche Randbebauung des Tempelhofer Felds vor. Darin vorgesehen sind 21.400 Wohnungen für etwa 50.000 Menschen – deutlich mehr Wohnungen als bei vergangen Entwürfen. Der Entwurf stammt von den Architekten Hans Kollhoff und Tobias Nöfer und setzt auf eine vergleichsweise niedrige Blockrandbebauung entlang der äußeren Bereiche des Felds.
Nach Angaben der Initiative soll die innere Freifläche weiterhin erhalten bleiben und dauerhaft geschützt werden. Rund 200 Hektar würden demnach unbebaut bleiben. Gleichzeitig begründen die Initiatoren ihren Vorschlag mit dem angespannten Berliner Wohnungsmarkt sowie dem Bedarf an zusätzlichem Wohnraum in zentraler Lage.
Proteste auf dem Tempelhofer Feld: Kritische Stimmen gegen den Vorschlag zur Bebauung
Während die einen die Aussicht auf zusätzlichen Wohnraum begrüßen, betonen andere die Bedeutung der Freifläche und setzen sich für ihren Erhalt ein. Nicht nur beim Straßenumzug des Karnevals der Kulturen, sondern auch am Pfingstmontag protestierte eine Gruppe von Berlinerinnen und Berlinern auf dem Tempelhofer Feld gegen mögliche Bebauungspläne.
Dazu hatten die Initiative „100 % Tempelhofer Feld“, die „Architects for Tempelhofer Feld“ sowie der „BUND Berlin“ eingeladen. Gemeinsam wollten die Gruppen ein Zeichen gegen jede Form der Bebauung setzen. Ihr Motto: „Kein Monopoly mit dem Tempelhofer Feld“.

Die Initiative „100 % Tempelhofer Feld“ setzt sich seit Jahren für den vollständigen Erhalt der Freifläche ein und lehnt jede Form der Bebauung strikt ab. / © Foto: Wikimedia Commons, Britta79, CC BY-SA 3.0
Kritiker befürchten vor allem, dass sich eine mögliche Randbebauung langfristig schrittweise ausweiten könnte, auch wenn dies nicht den aktuellen Plänen der Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ entspricht.
Zudem verweisen viele Protestierende weiterhin auf die besondere Bedeutung des Felds für Klima, Erholung und Freiraum in der wachsenden Stadt. Zusätzlicher Wohnungsbau solle vorrangig auf bereits versiegelten oder untergenutzten Flächen im Stadtgebiet erfolgen.
Berliner Wohnungsmarkt: Öffentliche Stimmung scheint sich zu verändern
Gleichzeitig deutet sich inzwischen ein Wandel der öffentlichen Stimmung an. Laut einer aktuellen Umfrage der Industrie und Handelskammer sprechen sich mittlerweile 59 Prozent der Berlinerinnen und Berliner für eine maßvolle Randbebauung aus, sofern die zentrale Freifläche erhalten bleibt.
Vor allem die angespannte Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt verändert offenbar die Debatte. Während das Tempelhofer Feld für viele Menschen weiterhin eine wichtige Freifläche für Erholung, Klima und Freizeit bleibt, wächst zugleich die Bereitschaft, erneut über zusätzlichen Wohnungsbau zu diskutieren.
Tempelhofer Feld ist erneut Wahlkampfthema
Während noch unklar ist, ob eine solche Bebauung überhaupt realisierbar ist, ist die Zukunft des Tempelhofer Feldes erneut zu einem politischen und gesellschaftlichen Wahlkampfthema geworden: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) lässt die Pläne für eine mögliche Randbebauung prüfen, während sich Oppositionsparteien wie die Grünen gemeinsam mit Umweltverbänden weiterhin klar gegen jede Bebauung des Tempelhofer Feldes positionieren.
Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Konflikt um die künftige Nutzung auch in den kommenden Monaten weiter an Brisanz gewinnen wird.
Quellen: Berliner Morgenpost, Initiative „100 % Tempelhofer Feld“, Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“
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12 Kommentare
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Schon der Name der Initiative „100 % Tempelhofer Feld“ sagt alles über heutige Gesellschaft und Generation aus. Kompromisse sind out. Jeder proklamiert für sich nur noch das Meiste und Maximale. Man will nur noch Extremismus, niemals den Konsens:
„200ha Grün sind mir zu wenig, ich will alles und zwar bis in den letzten Winkel…Ich, ich, ich!!!“
Liest sich ja irgendwie erschütternd … ist aber reichlicher Unfug! Das Tempelhofer Feld ist ein Flughafen, einer der ersten und damals größten Flughäfen der Welt. Dort steht ein dereinst größtes Gebäude der Welt! Das ist nach wie vor eine geschlossene Anlage, deren Besonderheit weltweit einzigartig, völlig einzigartig ist. Das gibt es nirgends sonst auf der Welt, wenn Sie denn kapieren, was ich meine! Genau genommen müsste das gesamte Gelände unter Denkmalschutz gestellt werden!
Und: Das Feld steht mitten in einer 3,6-Mio.-Einwohner-Stadt! Ich wage mir überhaupt nicht auszumalen, welcher Quadratmeterpreis für die Fläche aufzurufen ist!!! Da werden Banken, Versicherungskonzerne, so genannte Projektplaner, korrupte Architekten usw. richtig fickerig! Das muss man doch – ausnahmslos im eigenen Interesse – vermarkten können, auf dass die Millionen in die eigene Tasche fließen. Das skrupellose Kassemachen verbrämen wir mit dem sozialen Gedanken des Wohnraums für alle! Man stellt Mieten von schlappen 16,- € pro Quadratmeter in Aussicht. Man will die Stadtstruktur der Nachbarkieze berücksichtigen, deswegen geringe Gebäudehöhen – was unzweifelhaft 16,- € als Quadratmeterpreis ausschließt, mit viel Glück schafft man für die preiswerteren Wohnungen 18,- €, höherpreisig bis zu 25,- € geht immer.
Und die Lüge der verbleibenden Fläche!?! Der Platz wird eingekreist mit Wohnbebauung. Und wer wohnt, will Ruhe! Und dann wird es massive Nutzungseinschränkungen auf der verbleibenden Fläche geben. Und dann kann man auch weitere Flächen bebauen … wenn da auch Nachbarschutzgründen ohnehin nix mehr passieren darf!
Und deswegen: Finger weg vom Tempelhofer Feld!!! Und wenn deswegen alle potentiellen Mieter stattdessen unter Berliner Brücken nächtigen müssen!
Völlig richtig.
Das Problem in Berlin ist nicht zu wenig Wohnraum sondern zu wenig im unteren und mittleren Preisbereich.
Die Lösung wäre wohl viel eher mehr Wohnraum im untersten und unterem Preisbereich zu schaffen, Bebauungslücken im Stadtgebiet schließen, ebenerdige Parkplätze in Stadtmitte bebauen mit Wohngebäude gerne mit Tiefgarage, ÖPNV ausbauen um mehr Gebiete attraktiv zum Wohnen zu machen, sämtliche AirBNBs aufzuheben, Zweckentfremdung zu beseitigen, Wohnberechtigungsscheine jährlich überprüfen, …Es gibt so viele andere Möglichkeiten.
Einigen wenigen die Taschen voll zu machen mit diesen Vorschlägen a la Central Park in NY und seinen letztendlich horrenden Preisen ist keine Lösung.
Auch bei 100% Sozial oder gemischter Bebauung von Landesgesellschaften kommt sofort automatisch das Gegeifere gegen die „bösen Investoren“. Ohne dass man das konkrete Projekt kennt. Oder es kommt der Vorwurf, dass man „Ghettos“, neue soziale Brennpunkte schaffen würde. Man kann es diesen Leuten niemals Recht machen, selbst wenns perfekt wäre. Deshalb werden diese Leute auch immer mehr ignoriert.
Auch wenn Sie persönlich Neubau nicht grundsätzlich ablehnen, die meisten, die sich hinter sozialen Argumenten verstecken, wollen einfach keine Veränderung. ‚Böhme‘ versucht es nicht einmal. Man sollte ihm für seine Ehrlichkeit danken. Er findet, dass die Leute lieber „stattdessen unter Berliner Brücken nächtigen müssen!“ Das geht Richtung asozial und ist dabei selbstschädigend. Glaubt er wirklich, dass ihn das Wohnungsproblem nicht betreffen wird? Es kommt bei allen an, ob direkt oder indirekt, ob sie eine bezahlbare Wohnung haben oder nicht.
Der Grund der Ablehnung dieses Vorschlags ist einfach:
Zu viel und zu teuer.
Die 30% „günstige“ Wohnungen Sollen bei 16 € pro qm (!) beginnen.
Die Berliner Baugesellschaften bieten Neubau Wohnungen zwischen 7 und 11 € pro qm an.
Der aktuelle Mietspiegel (anderer Thread hier) gibt für günstige Bezirke einen Wert von unter 8,50 € pro qm an.
Die Anlage ist einzigartig. Sind meine Fingerabdrücke aber auch.
Es gibt tatsächlich Leute die das ganze als UNESCO Weltkulturerbe schützen wollen. Auf der gleichen Stufe wie Kölner Dom oder Angkor Wat. Soweit kommts noch. Auch wenn die Marke Weltkulturerbe inflationär benutzt wird, ist der Realitätsverlust bei der UNESCO noch nicht so weit fortgeschritten.
Ihre Aussage „Und wenn deswegen alle potentiellen Mieter stattdessen unter Berliner Brücken nächtigen müssen!“ entlarvt die wahren Beweggründe der Leute, die dagegen sind. Übersetzt heißt es: „Ich hab meine Wohnung. Ich steck den Kopf in den Sand, denn es ist ja nicht mein Problem. Alle anderen sollen sich verziehen!“
Ihre Fingerabdrücke haben aber keinen größeren „Nährwert“, außer Sie bei Straftaten zu überführen. Und Mieten ab 16,- € aufwärts sind eben hohe Mieten, sodass sich dort eher eine besserverdienende Klientel einfinden muss. Und ob die für diese Miete eingeklemmt zwischen Stadtautobahn, S-Bahn-Ring auf der einen, dem viel befahrenen Tempelhofer Damm und dem verbleibenden Freizeitfeld auf der anderen Seite ab 16,- € aufwärts an Miete zahlen will, darf bezweifelt werden.
Das Wohnungsproblem ließe sich schon mal lösen, indem man all jene, die rechtskräftig festgestellt kein Aufenthaltsrecht in Deutschland haben, abschiebt. Und wollte der Ukraine-Krieg zu Ende gehen (was wir ja alle hoffen, dass das möglichst bald der Fall ist), dann dürften eine Menge Ukrainer freiwillig zurückgehen, jedenfalls würden auch diese den Schutzstatus in Deutschland verlieren und müssten das Land verlassen. Übrigens könnte man für Flüchtlinge usw. Wohnungen in solchen Gegenden der Bundesrepublik bereitstellen, in denen massiv Wohnraum leer steht. Ich muss eben Flüchtlingsströme, wie es die Dänen unter deren Sozialdemokraten seit längerem machen, kanalisieren und kann Flüchtlinge auf keinen Fall in solchen Regionen unterzubringen suchen, die eben erhebliche Wohnraumprobleme haben!
Und dann hat Berlin endlos viele Baulücken, außerdem sollte man Aldi & Co. untersagen, ihre hässlichen Flachbauten in die Stadt zu stellen. Die müssen verpflichtet werden, Mehrfamilienhäuser zu bauen, in deren Erdgeschoss dann der Lebensmittelmarkt sitzen kann.
Und die Zweitwonhungssteuer muss drastisch heraufgesetzt werden. Wir haben eine Menge ausländischer Mieter, Eigentumswohnungseigentümer aus der ganzen Welt, die hier ihre Wohnung für wenige Tage oder Wochen der Nutzung vorhalten und damit dem Wohnungsmarkt entziehen. Die AirBnB-oder sonstige Ferien-Nutzung von Wohnraum muss mit deutlichen Strafen verfolgt und damit ausgeschlossen werden. Leerstand von Gebäuden muss kurzfristig unterbunden werden, hierzu muss man gegebenenfalls und kurzfristig Bundes- und Landesgesetze anpassen.
Und auch wenn Sie es nicht begreifen wollen: Bei einer Bebauung wie von Kollhoff vorgesehen wird die Nutzung der verbleibenden 200 Hektar deutlich eingeschränkt, weil gegenüber den Wohngebäuden Lärmgrenzen usw. kraft Gesetzes einzuhalten sind. All das, was dort heute möglich ist, wird nicht mehr möglich sein. Und wenn die Nutzung dann bis zur Unkenntlichkeit eingeschränkt ist, dann werden ganz sicher schon aus wirtschaftlichem Interesse weitere Flächen bebaut werden. Übrig bleibt dann noch eine Alibirestgrünfläche!
Deswegen: Finger weg vom Tempelhofer Feld!
Grundlegend gibt es erst mal einen gültigen Volksentscheid, der erst mal rechtlich bindend ist. Der gilt bis ein anderer getroffen wird.
Irgendwie gibt es nur Extrem-Vorschläge:
Nix vs. das völlig überdimensionierte oben (nicht maßvoll, sondern eine Kleinstadt).
Warum gibt es keinen maßvollen Vorschlag der berlineigenen Baugesellschaften für Wohnung des Sozial- und Niedrigpreisbereichs auf den versiegelten Flächen unter Einbindung der Bestandsgebäude? Kleiner, maßvoller. Das ist wünschenswert.
Volkentscheid kann auch vom Landesparlament mit einem neuen Gesetz überschrieben werden. So steht es in der Landesverfassung. Politisch wäre es schwierig fürs Parlament, ein anderes Gesetz gegen die Mehrheit zu machen. Aber die Sache dreht sich ja langsam mit der Zeit. Wenn es irgendwann möglich ist mit landeseigenen Mitteln das Gelände zu bebauen, dann wird eine Mehrheit dafür sein.
Was „maßvolle“ Bebauung auf der versiegelten Fläche angeht: der Denkmalschutz kommt da in die Quere. Es wäre super, wenn man den Denkmalschutz pragmatischer handhaben könnte. Noch eine heilige Kuh, die zu schlachten ist.
Im übrigen ist das Verlangen nach „maßvoll“ nur ein weiterer Bestandteil des NIMBY-Repertoirs. „Nein, nicht so viel. Woanders. Gehts noch kleiner?“ … Wer das Problem lösen will, muss klotzen.
Exakt.
Genau diese maßvollen Vorschläge vermisse ich auch.
Der Vorschlag der Initiative ist nicht immer geringsten bisschen maßvoll und das Ergebnis bezüglich der Mietpreise im 30% unteren Preissegment und erst recht im Rest viel zu hoch.
Als normalverdiener ohne wbs hat man doch eh keine Chance auf eine bezahlbare Wohnung. Da können wir es gleich lassen. Und bevor wir das Tempelhofer Feld angehen können wir erstmal baulücken schließen. Wie sollen 50.000 Menschen dort versorgt werden? Es gibt einen fußlöufigen Supermarkt, der S/U Tempelhof platzt jetzt schon aus allen Nähten, es gibt keine zusätzliche Parkfläche.
Da sollte man doch lieber die A100 überdeckeln und Wohnraum draus machen. Das ist zwar teuer, aber begrenzt aber die Flächenverschwendung und sorgt für weniger Lärm und Abgase.
Ich weiß gar nicht was Herr Wegner da prüfen lassen muss.
So weit ich weiß, haben die Berliner bei der Volksabstimmung, sich klar gegen eine Bebauung ausgesprochen!!!
Ich weiß natürlich dass den Berliner Politikern von Anfang an, dass Ergebnis nicht gefallen hat aber noch, haben wir Gesetze und eine Volksabstimmung ist bindend!