Das Tempelhofer Feld bleibt ein zentraler Ort der Berliner Stadtentwicklung. Zwischen dem Erhalt von Grünflächen, der Erweiterung der Unterkunft für Geflüchtete, Angeboten für Sport und Erholung sowie Bauplänen wird derzeit intensiv über seine Zukunft diskutiert.

© Titelbild: Graft Architects

 

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Gesetz für Geflüchteten-Unterkünfte: Senat beschließt Verlängerung und Erweiterung der Unterkünfte

Zu sehen sind Containeranlagen mit Blick auf das historische Flughafengebäude.

Auf dem östlichen Vorfeld des Tempelhofer Feldes entstehen Unterkünfte für geflüchtete Menschen, deren Bestand bis 2036 gesichert und um bis zu 1.100 Plätze erweitert werden soll. Ergänzt werden sollen soziale Einrichtungen für Bildung, Betreuung und Begegnung. / © Foto: IMAGO / Jürgen Held

Der Berliner Senat hat im September 2025 ein neues Gesetz beschlossen, das den Weiterbetrieb von Unterkünften für Geflüchtete auf dem Tempelhofer Feld bis 2036 ermöglicht. Mit dieser Entscheidung werden nicht nur bestehende Containeranlagen gesichert, sondern auch Erweiterungen vorbereitet, die bis zu 1.100 zusätzliche Plätze in dreigeschossiger Bauweise umfassen. Neben der Schaffung von Wohnraum sind auch soziale Einrichtungen für Bildung, Betreuung und Begegnung vorgesehen, um den Bewohnerinnen und Bewohnern eine langfristige Perspektive zu geben.

Von der geplanten Erweiterung betroffen sind eine Minigolfanlage und ein Grillplatz, die durch Ersatzflächen kompensiert werden sollen. Der Senat betonte, dass Notunterkünfte nicht zum Dauerzustand werden dürfen und die Menschen stattdessen sichere und würdige Wohnmöglichkeiten erhalten müssen. Damit wird eine gesetzliche Regelung, die bereits seit 2016 besteht und mehrfach verlängert wurde, erneut angepasst und weiterentwickelt.

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Bürgerbeteiligung für die Weiterentwicklung: Dialogprozess zur Zukunft des Tempelhofer Feldes abgeschlossen

Zu sehen ist die offene Wiesenfläche des Tempelhofer Feldes.

Der einjährige Dialogprozess zur Zukunft des Tempelhofer Feldes brachte über 160 Ideenbeiträge hervor und band Bürgerinnen und Bürger in die Planung ein. Die Ergebnisse fließen in weitere Entscheidungen zur Entwicklung des Areals ein. / © Foto: Wikimedia Commons, A.Savin, FAL

Seit Sommer 2024 wurde ein breit angelegter Beteiligungsprozess durchgeführt, um die Zukunft des Tempelhofer Feldes zu diskutieren. Insgesamt wurden 20.000 Berlinerinnen und Berliner angeschrieben, von denen knapp 1.000 ihr Interesse bekundeten. Aus diesem Kreis wurden 275 Personen ausgelost, die als Spiegel der Stadtgesellschaft an drei Werkstätten teilnahmen. Ergänzt wurde der Prozess durch eine Kinder- und Jugendbeteiligung, deren Ergebnisse ebenfalls in die Diskussion eingeflossen sind. Parallel zum Dialog fand ein internationaler Ideenwettbewerb statt, bei dem 164 Beiträge eingereicht wurden. Fünf Entwürfe wurden ausgezeichnet, drei weitere erhielten Anerkennungen.

Die Auswertung der Anregungen zeigte ein breites Spektrum an Themen. Besonders diskutiert wurden die künftige Nutzung des Feldes für Sport, Kultur und gemeinschaftliche Aktivitäten sowie die Bedeutung für Klima- und Artenschutz. Darüber hinaus standen Fragen zu Stadtplanung, Wohnraumbedarf, Finanzierung, Denkmalschutz und Verkehr im Fokus. Teilnehmende forderten die Sicherung bezahlbaren Wohnraums, andere stellten die Einbindung des Flughafengebäudes in die Gesamtplanung in den Vordergrund. Auch alternative Flächen wie Tegel wurden als mögliche Standorte für Neubauten genannt. Insgesamt zeigt sich, dass die Erwartungen sehr unterschiedlich sind und von klarer Bewahrung bis zu neuen Bauvisionen reichen. Die Ergebnisse werden zwischen dem 20. September und dem 5. Oktober 2025 in einer Open-Air-Ausstellung am Vorfeld des Flughafengebäudes präsentiert.

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BUND Berlin fordert Klimaschutz: Artenvielfalt bewahren und Infrastruktur am Rand entwickeln

Zu sehen ist eine Visualisierung mit neu gestalteten Eingangs- und Bewegungsbereichen für Besucherinnen und Besucher.

Am Randbereich Oderstraße entstehen neue Bewegungs- und Aufenthaltsflächen, während die ökologisch sensiblen Flächen im Inneren geschützt bleiben sollen. Grünflächen tragen zugleich zum Hitzeschutz, zur Luftqualität und zur Artenvielfalt in der Stadt bei. / © Visualisierung: bloomimages / Grün Berlin GmbH / SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

Das Tempelhofer Feld spielt eine wichtige Rolle für das Stadtklima in Berlin. Offene Wiesen kühlen in heißen Sommernächten ab und leiten Kaltluft in angrenzende Quartiere. Nach Angaben des BUND Berlin starben zwischen 2022 und 2024 mehr als 600 Menschen an den Folgen extremer Hitze, was die Bedeutung frei zugänglicher Grünflächen unterstreicht. Neben ihrer klimatischen Wirkung speichern die unversiegelten Flächen rund 280.000 Tonnen organischen Kohlenstoff, binden Schadstoffe und verbessern die Luftqualität. Gleichzeitig gilt das Feld als einer der wertvollsten Lebensräume der Hauptstadt. Dort sind 26 Brutvogelarten, 20 Wildbienen- und Wespenarten sowie über 300 Pflanzenarten dokumentiert, von denen viele auf roten Listen stehen. Der gesetzliche Schutzstatus umfasst Biotope und FFH-Lebensraumtypen, sodass die extensive Nutzung der Offenflächen entscheidend für die Biodiversität bleibt.

Parallel dazu entwickelt die Stadt neue Bewegungs- und Aufenthaltsangebote am Randbereich Oderstraße. Seit September 2025 stehen dort zwei Outdoor-Fitnessflächen an den Eingängen Allerstraße und Leinestraße zur Verfügung, weitere sollen bis Ende des Jahres folgen. Die Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Aufwertung, die barrierefreie Zugänge, neue Aufenthaltsbereiche und die Modernisierung der Infrastruktur umfasst. Rund 10,8 Millionen Euro investiert das Land Berlin in das Projekt, das von der landeseigenen Grün Berlin Stiftung umgesetzt wird. Ziel ist es, Erholungsnutzung und Infrastruktur so zu kombinieren, dass die ökologisch sensiblen Flächen im Inneren geschont und gleichzeitig die klimatischen und sozialen Funktionen des Feldes gestärkt werden. Entworfen wurde das Konzept von der SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH.

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Großprojekt Kongresszentrum am Tempelhofer Feld: Investor schlägt unterirdische Halle vor

Zu sehen ist eine Visualisierung des geplanten Kongresszentrums mit gläserner Architektur am Terminalgebäude.

Ein geplanter Neubau auf dem Vorfeld könnte Berlin ein Kongresszentrum für bis zu 10.000 Personen bringen. Der private Vorschlag sieht eine größtenteils unterirdische Halle vor, die die historische Bausubstanz respektiert. / © Visualisierung: EUREF AG

Ein Vorschlag des Investors Reinhard Müller sieht den Bau eines Kongresszentrums auf dem asphaltierten Vorfeld des Flughafens Tempelhof vor. Geplant ist eine größtenteils unterirdische Halle für bis zu 10.000 Personen, die über das historische Terminalgebäude zugänglich wäre. Das Projekt soll eine Lücke schließen, die seit der Schließung des ICC besteht, da Berlin seither keine vergleichbare Fläche für internationale Großkongresse besitzt.

Das Vorfeld unterliegt nicht dem Tempelhofer-Feld-Gesetz, sodass das Vorhaben rechtlich möglich wäre. Erste politische Stimmen äußerten vorsichtige Zustimmung, allerdings müssen Denkmalschutz und Finanzierung noch geprüft werden. Auch mögliche Auswirkungen auf die Berliner Veranstaltungslandschaft stehen zur Debatte. Damit zeigt sich, dass die Entwicklung Tempelhofs nicht nur lokale, sondern auch internationale Dimensionen haben könnte.

Hochhäuser am Flughafengebäude: Architekt Langhof schlägt 12 Wohnhochhäuser vor

Zu sehen ist eine Visualisierung moderner Hochhaustürme mit begrünten Fassaden und Terrassen.

Architekt Christoph Langhof schlägt die Errichtung von zwölf Hochhäusern entlang der Stadtseite des Flughafengebäudes vor. Mit bis zu 5.000 Wohnungen könnten hier rund 10.000 Menschen neuen Wohnraum finden. / © Visualisierung: LANGHOF GmbH

Architekt Christoph Langhof präsentierte im September 2025 ein Konzept für zwölf Hochhäuser entlang der Stadtseite des Flughafengebäudes. Sie sollen rund 5.000 Wohnungen für bis zu 10.000 Menschen schaffen. Zwischen den Türmen sind Pocket-Parks, Spielplätze und Kulturflächen vorgesehen. Die Hangars selbst könnten nach seiner Vorstellung für Kitas, Schulen oder Sportnutzungen dienen.

Langhof betonte, dass sein Entwurf nicht die Freiflächen des Tempelhofer Feldes betreffe. Vielmehr wolle er mit einem „Manifest für offensiven Denkmalschutz“ eine Verbindung von Erhalt und Erneuerung schaffen. Das historische Ensemble solle dabei nicht als Relikt, sondern als Motor für Stadterneuerung verstanden werden. Der Vorschlag dürfte jedoch kontrovers diskutiert werden, da das Flughafengebäude unter Denkmalschutz steht.

Quellen: Der Regierende Bürgermeister – Senatskanzlei, Tempelhoferfeld.de, Grün Berlin GmbH, BUND, EUREF AG, Tempelhof Projekt GmbH, LANGHOF GmbH, SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

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5 Kommentare

  1. Susanne Ahrenberg 18. September 2025 at 15:44 - Reply

    Dieses angebliche Bürgerbeteiligungsverfahren ist eine patriarchalische Aushebelung einer demokratisch erfolgten Volksabstimmung. Dieser Vorgang in der Art der Ausführung empfindet ein beteiligter Bürger als antidemokratisch, monarchistisch, uninteger. Die Initiative unseres Bürgermeisters fördert Zweifel auf Verlässlichkeit, mindert jedes Vertrauen in demokratische Prozesse und lässt Professionalität im Regierungsgeschäft vermissen. Selbst in wirklichen Monarchien hat ein Monarch seinen Willen den seiner Bürger zu unterstellen. Denn sein Job ist dem Wohl und Wille seines Volks zu dienen. Nicht seinem ego, nicht der Partei, der er angehört. Das haben die Grünen in der Zeit der ampel überzeugend vorgelebt. Erst die demokratischen Hausaufgaben machen, dann Planungsideen erarbeiten. Ich bezweifle ob das Misstrauen in den Köpfen von ökologisch orientierten Bürgern in der Regierungszeit dieses Bürgermeistern wieder beseitigt werden kann.

  2. Stillespost 18. September 2025 at 16:07 - Reply

    Soweit zum Thema „… Das Tempelhofer Feld wird NICHT! Bebaut.“
    Ich höre jetzt auch schon, die spitzfindigen Antworten z.B. für die Kongresshalle, ist ja gar nicht das Feld, sondern nur das Vorfeld und welche Varianten dazu noch erfunden werden, gleich neben dem unsäglichen Provisorium der Zeltstadt für Geflüchtete.
    Es ist und bleibt der erste Schritt, das Feld doch vollständig zu bebauen.
    Egal, welche Partei in dieser Stadt die Mehrheit im Rathaus hat, daran wird sich nichts ändern.
    Argumente wie fehlender Wohnraum, marode Universitätsgebäude, fehlende Studentenunterkünfte oder die mangelnde Ansiedlung von Forschungseinrichtungen werden immer wieder gebetsmühlenartig vorgebracht, dienen jedoch nur als Alibi.
    Hinter den Kulissen ziehen Medien, Parteien sowie Wirtschafts- und Forschungsorganisationen längst an einem Strang, um die Bebauung endgültig durchzusetzen. Die Randbebauung wird sich immer tiefer in das Feld fräsen.
    Die Entscheidung ist längst gefallen, es geht nur noch darum, sie zu rechtfertigen.
    Dazu ist dieses Filetstück, fast im Herzen der Stadt, einfach zu verlockend, auch wenn es noch 30zig Jahre kosten wird.
    Daran wird auch ein weiterer Volksentscheid nichts mehr ändern, über den man sich dann doch hinweg setzt, ihn aushebelt, ignoriert.
    mit Hilfe von Herrscharen an Anwälten.

  3. Clemens 19. September 2025 at 10:53 - Reply

    Eine Bebauung sollte nicht in Frage kommen !!!!! Zum einen ist diese Fläche wichtig für das Stadtklima. Zum anderen sind der T-Damm und Columbia Damm jetzt schon völlig am Limit bzw weit drüber. CK

  4. Fornfeist 19. September 2025 at 20:59 - Reply

    Mese und KONGRESSNUTZLZUNG DRR bestehenden Gebäude mit Anbauten ist soch luftig. Der Vorschlag aus Holland zur Erholung würde mit Berliner Blockbauweise und Tiefparkflächen um Parkanlqgen vom Columhiadamm bis zur Ringbahn an die Hufeisensiedlumg erinnern – eine Parallelstraße mit Ein
    fahrten in die Blocks.

  5. Max 22. September 2025 at 13:22 - Reply

    Alle Ergebnsse des Wettbewerbs. Bei mir funken die Links aber nicht.
    https://thf-dialog.berlin.de/digitale-ausstellung

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