Der Flughafen Tempelhof steht vor einer der komplexesten Transformationsaufgaben Europas. Ein neues Entwicklungskonzept soll nun Orientierung für Sanierung, Nutzung und langfristige Weiterentwicklung des monumentalen Areals geben.

Ausstellungsbereich im Besucherzentrum des Flughafens Tempelhof mit historischen Fotografien und Informationstafeln.

Der Flughafen Tempelhof ist bereits heute Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Erinnerungsort. Künftig soll das historische Gebäudeensemble schrittweise saniert und für neue Nutzungen weiterentwickelt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Der Flughafen Tempelhof steht vor einer der komplexesten Transformationsaufgaben Europas. Wie das monumentale Gebäudeensemble langfristig saniert, genutzt und weiterentwickelt werden kann, war am Freitagnachmittag Thema einer Auftaktveranstaltung der Tempelhof Projekt GmbH. ENTWICKLUNGSSTADT war bei der Eröffnung des neuen Infomarkts vor Ort.

Die Dimensionen sind enorm: Das Grundstück umfasst rund 55,5 Hektar, die Bruttogeschossfläche liegt bei etwa 300.000 Quadratmetern. Rund 7.000 Räume verteilen sich auf das denkmalgeschützte Ensemble. Seit mehr als drei Jahren arbeitet ein interdisziplinäres Team daran, eine langfristige Perspektive für den Standort zu entwickeln.

Flughafen Tempelhof: Neuer Infomarkt zeigt aktuellen Stand des Entwicklungskonzepts

Mit dem Infomarkt wird dieser Prozess nun erstmals umfassend öffentlich sichtbar. Die Ausstellung zeigt, welche Themen derzeit untersucht werden, welche Experten am Verfahren beteiligt sind und welche Fragen in den kommenden Jahren beantwortet werden müssen.

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Dabei soll es ausdrücklich nicht um eine lose Sammlung einzelner Ideen gehen. Frühere Entwicklungsansätze seien auch daran gescheitert, dass im Laufe der Verfahren der Mut zur konsequenten Umsetzung verloren gegangen sei, hieß es bei der Veranstaltung. Der neue Prozess soll deshalb frühzeitig Diskussionen ermöglichen und gleichzeitig einen belastbaren Orientierungsrahmen schaffen.

Kein Masterplan: Entwicklungskonzept soll als Navigationssystem für Tempelhof dienen

Das Entwicklungskonzept versteht sich als „Navigationssystem“ für die Zukunft des Flughafens. Fachgutachten zu Sanierung, Denkmalschutz, Nutzung, Mobilität, Nachhaltigkeit, Stadtraum und Nachbarschaft sollen in einer gemeinsamen Logik zusammengeführt werden.

Ein fertiger Bau- oder Masterplan ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Vielmehr sollen Leitlinien, Szenarien und Entscheidungskriterien entstehen, die der Berliner Politik künftig als Grundlage für weitere Beschlüsse und Genehmigungsverfahren dienen können.

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Sanierung und Betrieb des Flughafens Tempelhof laufen parallel zur Zukunftsplanung

Gleichzeitig bleibt der Flughafen ein Ort im laufenden Betrieb. Rund 150 Veranstaltungen finden nach Angaben der Projektgesellschaft jährlich statt, mehr als 40 Mieter nutzen bereits heute Flächen im Gebäude.

Doch die jahrzehntelange Witterung hat deutliche Spuren hinterlassen. Arbeiten am Stahltragwerk, an der technischen Infrastruktur und am Dach laufen bereits. Die 41 Bauteile des Ensembles sind technisch eng miteinander verbunden. Ein Ausfall zentraler Infrastruktur könnte den Betrieb erheblich beeinträchtigen.

Stadt, Gebäude und Tempelhofer Feld sollen künftig stärker miteinander verbunden werden

Die langfristige Vision geht jedoch weit über die Sanierung hinaus. Stadträumlich soll Tempelhof zu einem gut erreichbaren Stadtquartier mit attraktiven Aufenthalts- und Bewegungsräumen entwickelt werden. Neue Ankunftsorte, bessere Orientierung und resiliente Freiräume sollen Gebäude, Quartier und Feld stärker miteinander verknüpfen.

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Sozialräumlich soll der Flughafen zu einem offenen Ort der Begegnung werden. Flexible und niedrigschwellige Nutzungen, aktive Erdgeschosszonen sowie bestehende „Keimzellen“ sollen kreative und kulturelle Entwicklungen ermöglichen. Vorplatz, Haupthalle und die sogenannte Weltveranda werden dabei als Rückgrat der Transformation verstanden.

Christian Junge: „Feld und Gebäude sind eine bedeutende Ressource für diese Stadt.“

Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt war verhindert und wurde deshalb vertreten von Christian Junge, Leiter der Abteilung Städtebau und Projekte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.

„Feld und Gebäude sind auch eine Ressource. Eine enorm bedeutende Ressource für diese Stadt. Wir wissen, es ist wieder ein Thema der Nachhaltigkeit, dass wir mit Ressourcen behutsam umgehen, sie aber auch entwickeln müssen. 

Christian Junge, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

Ausstellungstafel zum Entwicklungskonzept und zur langfristigen Transformation des Flughafens Tempelhof in Berlin.

Der neue Infomarkt im Besucherzentrum zeigt den aktuellen Arbeitsstand des Entwicklungskonzepts für den Flughafen Tempelhof. Leitlinien, Entwicklungsthemen und der weitere Zeitplan werden hier öffentlich erläutert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Flughafen Tempelhof soll Modellprojekt für nachhaltige Transformation historischer Bausubstanz werden

Auch baulich formuliert das Entwicklungsteam einen hohen Anspruch. Der Flughafen soll Geschichte und Zukunft miteinander verbinden und zu einem Modellprojekt für nachhaltiges Bauen im denkmalgeschützten Bestand werden. Neue Zugänge und Adressen sollen entstehen, während die historische Struktur sichtbar bleibt.

In der anschließenden Diskussion wurde auch eine mögliche Randbebauung thematisiert. Einen grundsätzlichen Widerspruch zur Entwicklung des Standorts sehen die Verantwortlichen darin offenbar nicht. „Tempelhof kann ganz laut und ganz leise“, hieß es dazu. Diese Auffassung teilten allerdings nicht alle Teilnehmer der Veranstaltung.

Hans-Peter Noll: Transformation ist ein ständiges Ringen um das, was bleiben soll

Der Infomarkt ist ab dem 4. Juli für die Öffentlichkeit zugänglich und soll künftig im Besucherzentrum fortgeführt werden. Damit beginnt ein langfristiger Dialog über einen Ort, dessen Zukunft nicht in einem einzelnen Masterplan entschieden werden soll, sondern über Jahre hinweg Schritt für Schritt entwickelt wird.

Prof. Dr. Hans-Peter Noll, ehemaliger Geschäftsführer der Stiftung Zeche Zollverein, brachte das abschließend auf den Punkt und fragte ins Publikum, wie die Menschen in 30, 40 oder 50 Jahren auf das zurückblicken sollen, was heute am Flughafen Tempelhof begonnen wurde. 

„Wer wollen wir gewesen sein? Das Motto gibt uns Orientierung. Transformation ist ein ständiges Ringen darum: Was bleibt, wenn wir gegangen sind?“

Prof. Dr. Hans-Peter Noll

Genau darin dürfte die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre liegen: den Flughafen Tempelhof nicht allein als historisches Monument zu bewahren, sondern seine gewaltigen räumlichen Potenziale verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.

Der nun begonnene Prozess soll dafür einen langfristigen Orientierungsrahmen schaffen, und zugleich verhindern, dass erneut große Visionen formuliert werden, denen am Ende der politische Mut zur Umsetzung fehlt. Ob dieser Ansatz gelingt, wird sich erst über viele Jahre zeigen. Es wird zweifelsohne ein schwieriger Prozess.

Alte Feuerwache, Flughafens Tempelhof

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

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One Comment

  1. Max 4. Juli 2026 at 10:57 - Reply

    Der Flughafen Berlin-Tempelhof wurde am 30. Oktober 2008 offiziell geschlossen und der reguläre Flugbetrieb eingestellt

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