Der Telegrafenberg in Potsdam leidet erheblich unter den Folgen des Klimawandels. Ein neues Landschaftskonzept soll dazu beitragen, die ökologische Vielfalt zu erhalten und die Widerstandskraft des Geländes gegenüber Hitze und Trockenheit zu stärken.
Eine Luftaufnahme des Telegrafenbergs in Potsdam zeigt die historische Sternwarte, weitere Forschungsgebäude und die Lage des Campus im grünen Stadtgebiet nahe der Havel.

Der Telegrafenberg ist nicht nur Sitz bedeutender Einrichtungen wie des GeoForschungsZentrums und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, sondern spielt auch eine wichtige Rolle für das Stadtklima, die Artenvielfalt und den Trinkwasserschutz in der Region. / © Foto: Wikimedia Commons, Kemistrystorm, CC0

© Titelbild: Drees & Sommer SE

 

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Der Telegrafenberg in Potsdam gilt als traditionsreicher Forschungsstandort, doch er ist inzwischen deutlich vom Klimawandel betroffen. Laut dem Helmholtz-Zentrum Potsdam sind rund 78 Prozent der Bäume durch Hitze und Trockenheit geschädigt. Viele von ihnen sind über hundert Jahre alt und zeigen inzwischen deutliche Anzeichen von Stress. Die Entwicklungen sind vor allem durch das Jahr 2024 verstärkt worden, das weltweit als das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen verzeichnet wurde. Erstmals lag die globale Temperatur mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau.

Das Gelände hat eine Größe von 27 Hektar und blickt auf eine 150-jährige Forschungstradition zurück. Es ist ein zentraler Standort für das Deutsche GeoForschungsZentrum (GFZ) sowie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Neben seiner wissenschaftlichen Bedeutung erfüllt das Areal auch eine wichtige ökologische Funktion für das Stadtklima Potsdams, da es die Luftqualität verbessert und die Trinkwasserversorgung unterstützt.

Vegetation und Artenvielfalt auf dem Telegrafenberg: Der Berg in Potsdam hat hohen ökologischen Wert

Die Vegetation auf dem Gelände ist vielfältig und weist einen hohen ökologischen Wert auf. Charakteristisch sind Kiefernwälder, Sandmagerrasen und ausgedehnte Maiglöckchenbestände. Zudem konnten zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen werden, darunter Tagpfauenaugen, Feldmaikäfer und die streng geschützte Klaiber-Eidechse. Auch Arten der Roten Liste sind hier beheimatet.

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Besonders hervorzuheben ist das Vorkommen von rund 2.000 Eiben. Fachleute bewerten diesen Bestand als eines der größten Vorkommen in Nordostdeutschland. Damit stellt der Telegrafenberg nicht nur ein Forschungsareal dar, sondern gleichzeitig ein wichtiges Rückzugsgebiet für geschützte Pflanzen- und Tierarten. Diese Bedeutung macht den Erhalt des Standortes über die wissenschaftliche Nutzung hinaus besonders wichtig.

Planung und Maßnahmen am Telegrafenberg: Ein Landschaftskonzept soll Anpassung an den Klimawandel ermöglichen

Um den massiven Herausforderungen zu begegnen, wurde das Beratungsunternehmen Drees & Sommer vom GFZ beauftragt, ein umfassendes Landschaftskonzept zu entwickeln. Das Ziel besteht darin, die grüne Infrastruktur des Geländes zu erhalten, die Biodiversität langfristig zu sichern und gleichzeitig den Wasserhaushalt zu stabilisieren. Geplant ist zudem, das Risiko von Vegetationsbränden deutlich zu reduzieren, da diese Gefahr durch Trockenheit zunehmend wächst.

Die geplanten Maßnahmen umfassen eine detaillierte Bestandsaufnahme sowie geobotanische Untersuchungen. Außerdem sollen die Böden und ihre Fähigkeit zur Speicherung von Wasser und Nährstoffen analysiert werden. Ergänzend wird das Regenwasserkonzept weiterentwickelt, sodass künftig Wasser besser gesammelt, genutzt und versickert werden kann. Digitale Analysewerkzeuge wie das Geoinformationssystem Scalgo sollen zusätzlich helfen, die Maßnahmen datenbasiert zu steuern.

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Zeitrahmen und Ziel der Maßnahmen: Der Telegrafenberg in Potsdam soll bis 2026 nachhaltig entwickelt werden

Das Landschaftskonzept verfolgt den Anspruch, historische Strukturen mit modernen Anforderungen an die Klimaanpassung zu verbinden. Neben dem Schutz der Artenvielfalt soll die Nutzung des Campus weiterhin möglich bleiben, wobei die ökologische Funktion des Geländes besonders im Fokus steht. Die Planungen sollen den Forschungsstandort langfristig sichern und ihn gleichzeitig ökologisch widerstandsfähiger machen.

Die Fertigstellung des Konzeptes ist bis April 2026 vorgesehen. Mit diesem Zeitrahmen wird deutlich, dass die Planung gründlich erfolgen soll, um sowohl ökologische als auch wissenschaftliche Anforderungen zu berücksichtigen. Ziel ist es, den Telegrafenberg als traditionsreichen Forschungs- und Naturstandort für kommende Generationen zu erhalten.

Quellen: Presseportal, Drees & Sommer SE

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