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Das Tal-Center in Marzahn steht vor einer möglichen Zäsur. Eigentümer und landeseigene Wohnungsbaugesellschaften planen den Abriss des Einkaufszentrums und den Bau hunderter Wohnungen. In der Nachbarschaft stößt das Vorhaben jedoch auf deutliche Skepsis, vor allem wegen Infrastrukturfragen und der befürchteten weiteren Verdichtung.

© Foto Titelbild: depositphotos.com

 

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Das Tal-Center im Norden von Marzahn gilt seit Jahren als Standort im Umbruch. Nur noch wenige Geschäfte sind verblieben, viele Flächen stehen leer. Vor diesem Hintergrund plant der Eigentümer, das Bestandsgebäude abzureißen und das Areal grundlegend neu zu entwickeln. Vorgesehen ist eine Neubebauung, die auch Wohnraum einschließt. Um dies planungsrechtlich zu ermöglichen, hat das Bezirksamt ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet.

Erste Einblicke in die Planungen wurden bei einer Informationsveranstaltung gegeben, wie die Berliner Morgenpost mitteilt. Dort stellten die beteiligten Unternehmen ihre Vorstellungen vor. Gleichzeitig machten sie deutlich, dass es sich um frühe Entwurfsstände handele und noch keine verbindlichen Entscheidungen getroffen worden seien. Dennoch zeigte sich bereits an diesem Abend, wie kontrovers das Vorhaben im Quartier diskutiert wird.

Tal-Center Marzahn: Rund 600 Wohnungen und Hochhäuser bis zu 20 Geschossen geplant

Inhaltlich setzt das Konzept auf eine gemischte Nutzung. Neben Einzelhandel und Gewerbe ist der Bau von rund 600 Wohnungen vorgesehen. Diese sollen sich auf mehrere Neubauten verteilen, darunter auch Hochhäuser mit einer Höhe von bis zu 20 Geschossen. Betreiberin der Wohnungen soll die landeseigene Gewobag sein.

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Geplant sind sowohl frei finanzierte als auch geförderte Wohnungen für unterschiedliche Einkommensgruppen. Aus Sicht der Projektbeteiligten soll so ein breites Angebot entstehen. Zugleich wurde argumentiert, dass eine gewisse bauliche Dichte erforderlich sei, um das Projekt wirtschaftlich umsetzen zu können.

Kritik an früher Bürgerbeteiligung und Sorge um Infrastruktur in Marzahn-Mitte

Bereits vor der aktuellen Öffentlichkeitsveranstaltung hatte es Kritik an der Planung gegeben. Anwohnende bemängelten eine aus ihrer Sicht unzureichende Einbindung der Öffentlichkeit in frühen Phasen. Insbesondere städtebauliche Studien, die zunächst ohne öffentliche Diskussion erarbeitet wurden, hätten Misstrauen erzeugt. Vertreter des Bürgerbeirats kritisierten, dass Fragen zu Gebäudehöhen und Bebauungsdichte bereits vorab festgelegt worden seien.

Gleichzeitig betonten Mitglieder des Bürgerbeirats laut Berliner Morgenpost, man lehne neuen Wohnraum nicht grundsätzlich ab. Allerdings verweisen sie auf bestehende Defizite im Quartier. Es fehle an ärztlicher Versorgung, an Schul- und Kitaplätzen sowie an öffentlichen Freiflächen. Diese Probleme bestünden seit Jahrzehnten und müssten aus Sicht vieler Anwohnender zuerst gelöst werden, bevor weitere Wohnungen entstünden.

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Bebauungsplan Tal-Center Marzahn: Planungsrechtliche Hürden für Wohnungsbau

Planungsrechtlich ist das Vorhaben anspruchsvoll. Der bislang gültige Bebauungsplan sieht für das Gelände ausschließlich eine gewerbliche Nutzung als Nahversorgungsstandort vor. Um Wohnungsbau zu ermöglichen, ist daher eine Änderung des Planungsrechts notwendig, die nun im laufenden Verfahren geprüft wird.

Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf verweist darauf, dass die Entwicklung nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung erfolgen soll. Demnach müssten die Vorhabenträger entstehende Folgebedarfe für soziale, grüne und technische Infrastruktur ausgleichen.

Nahversorgung, Infrastruktur und offene Fragen der Quartiersentwicklung am Tal-Center Marzahn

Offen ist zudem, wie sich der Umbau auf die bestehende Nahversorgung auswirkt. Nach Angaben der Planer sollen Supermärkte und weitere Geschäfte grundsätzlich erhalten bleiben, zumindest über Übergangslösungen während der Bauzeit. Auch ergänzende Nutzungen wie Arztpraxen oder Gastronomie werden derzeit geprüft.

Damit verdichtet sich die Debatte um das Tal-Center zu einer grundsätzlichen Frage der Stadtentwicklung in bestehenden Großsiedlungen. Während Politik und Wohnungsunternehmen auf den hohen Bedarf an Wohnraum verweisen, fordern Anwohnende eine stärkere Berücksichtigung sozialer Infrastruktur und eine transparentere Planung. Wie dieser Interessenkonflikt im weiteren Bebauungsplanverfahren aufgelöst wird, bleibt vorerst offen.

 

Quellen: Berliner Morgenpost, Gewobag, DLE Land Development GmbH, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Immobilien Zeitung

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