Beim Tag des offenen Denkmals in Hamburg lassen sich historische Bauwerke, von Justizgebäuden über Hotels bis hin zu Industriedenkmälern, aus nächster Nähe entdecken. Das diesjährige Motto „Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?“ macht den kulturellen und handwerklichen Wert dieser Denkmäler deutlich.
Hanseatisches Oberlandesgericht
Dampfschiff SCHAARHÖRN
Hotel Reichshof
Westwerk
Ehemalige Seifenfabrik Dralle – Ottenser Werkhof
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Dietmar Rabich
Unter dem bundesweiten Motto „Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?“ öffnet Hamburg vom 12. bis 14. September 2025 zahlreiche Denkmäler zum Tag des offenen Denkmals. Besucherinnen und Besucher erhalten an diesen bundesweiten Aktionstagen Einblicke in sonst nicht zugängliche Bauwerke. Führungen, Rundgänge und kulturelle Veranstaltungen eröffnen neue Perspektiven auf die Denkmäler und unterstreichen die Bedeutung des baukulturellen Erbes und der Denkmalpflege.
Das diesjährige Motto macht dabei besonders deutlich, dass der Wert eines jeden Denkmals nicht allein in seinen Materialien liegt, sondern auch in dem menschlichen Zutun, der Expertise, den Ideen und Visionen sowie in handwerklicher Arbeit und körperlichem Einsatz, die in seiner Entstehung stecken.
Hamburg in neuem Kontext: Entdeckungstour durch die Denkmallandschaft
In Hamburg beginnt das Programm am 12. September um 12 Uhr mit einer besonderen Entdeckungstour. Das Kinokollektiv „A Wall is a Screen“ projiziert Kurzfilme an Häuserwände und setzt bekannte wie unbekannte Orte der Stadt in einen neuen Kontext.
Die Hansestadt verfügt derzeit über rund 13.000 Denkmale, darunter Industriedenkmäler, Baudenkmäler und Kulturdenkmäler. Typische Beispiele sind Kontorhäuser, Kirchen, Museen, die Hamburger Kunsthalle, Grindelhochhäuser, Windmühlen und zahlreiche Gebäude im Hafengebiet. Darunter auch folgende fünf Denkmäler:
1. Hanseatisches Oberlandesgericht am Sievekingplatz
Das Gerichtsgebäude am Sievekingplatz wurde 1912 nach Entwürfen der Architekten Werner Lundt und Georg Kallmorgen fertiggestellt. Zusammen mit dem Zivil- und Strafjustizgebäude bildet es das Justizforum, in dem bedeutende Hamburger Gerichte wie das Hanseatische Oberlandesgericht, das Landgericht und das Amtsgericht untergebracht sind. Die Gebäude sind in drei U-förmig angeordnete Baukörper gegliedert und prägen mit ihrer klassizistischen Fassadengestaltung und den großzügigen Innenräumen das architektonische Bild des Platzes.
Am Tag des offenen Denkmals werden Führungen angeboten, die Einblicke in historische Gerichtssäle, die prachtvollen Treppenhäuser und den Wandel der Hamburger Justizarchitektur geben. Abends zeigt die Sprinkenhof GmbH eine Wasserprojektion der Lichtkünstlerin Katrin Bethge auf den Fassaden.
2. Dampfschiff „SCHAARHÖRN“: Erstes Schiff in der Hamburger Denkmalliste
Das Dampfschiff „SCHAARHÖRN“ wurde 1908 in Hamburg als Vermessungsschiff gebaut, entwickelte sich jedoch zu einem technisch hochmodernen Zwei-Schrauben-Dampfer mit luxuriöser Ausstattung für die damalige Zeit. Es verfügt über einen kohlebefeuerten Kessel und erhaltene Originalmaschinenteile, die Einblicke in die Schiffsbautechnik des frühen 20. Jahrhunderts bieten. Nach wechselvoller Geschichte kehrte das Schiff 1990 aus Schottland zurück und wurde 1993 als erstes Schiff in die Hamburger Denkmalliste aufgenommen.
Ehrenamtliche kümmern sich seit fast 20 Jahren um den Betrieb, unter anderem um den unter Druck stehenden Kessel, und bieten regelmäßig Fahrten auf der Elbe an, bei denen Besucherinnen und Besucher die historische Technik und die Decksstruktur erleben können.
3. Grandhotel „Reichshof“ gegenüber dem Hamburger Hauptbahnhof
Das Grandhotel „Reichshof“ entstand zwischen 1909 und 1913 nach Plänen von Heinrich Mandix im Auftrag von Anton-Emil Langer gegenüber dem Hauptbahnhof. Als eines der größten Hotelbauten Deutschlands wurde es von Anfang an auf Luxus und gehobene Ausstattung ausgelegt. Das Restaurant erinnert mit seiner Holzvertäfelung, der umlaufenden Empore und den aufwendig gearbeiteten Holzdetails an ein Kreuzfahrtschiff, während die Bar im Art-déco-Stil der 1920er-Jahre gestaltet ist.
Besucherinnen und Besucher können die prachtvolle Lobby mit den original erhaltenen Marmorsäulen, die kunstvoll gestalteten Restaurantbereiche und die historischen Gästezimmer teilweise besichtigen und erhalten so einen Eindruck der damaligen Hotellerie und Architektur.
4. Fleetinsel: Ateliers, Galerien und Künstlerprojekte im Westwerk
Die Fleetinsel wurde ab 1787 als Handels- und Wohnstandort bebaut, wobei Kaufmannshäuser Lagern, Handel und Wohnen auf derselben Parzelle kombinierten. Kriege und der Bau der Ost-West-Straße zerstörten viele ursprüngliche Gebäude, in den 1980er-Jahren waren einige Häuser vom Abriss bedroht. Durch künstlerische Zwischennutzung, Protestaktionen und ein neues Denkmalgutachten konnte der Abriss verhindert werden.
Heute beherbergt das Westwerk zahlreiche Ateliers, Galerien und Künstlerprojekte. Besucherinnen und Besucher können die historischen Baukörper mit Backsteinfassaden und Innenhöfen erkunden, die frühere Nutzung der Häuser nachvollziehen und die heutige kulturelle Nachnutzung erleben.
5. Ehemalige Seifenfabrik Dralle – Ottenser Werkhof
Die 1888 errichtete Fabrikanlage diente zunächst der Produktion von Konserven, Likör und Zwirn, später dem Kohlenhandel und der Wohnnutzung. Ab 1920 übernahm die Parfümerie- und Feinseifenfabrik Dralle das Areal, modernisierte es und stockte die Gebäude auf. Seit 1978 entwickelt sich das selbstverwaltete Projekt „Zusammen Leben und Arbeiten“ im denkmalgeschützten Ensemble.
Besucherinnen und Besucher können die erhaltenen Industriearchitektur-Elemente, die Innenhöfe und Werkstätten besichtigen und erhalten einen Eindruck von der Verbindung aus historischer Fabrikstruktur und zeitgenössischer Nutzung. Das 40 Meter hohe Wahrzeichen des Geländes ist der markante Schornstein von 1950, der weithin sichtbar an Ottensen als ehemaligen Industriestandort erinnert.
Einen vollständigen Überblick über alle geöffneten Denkmäler und Veranstaltungen in Hamburg gibt es auf Stiftung Denkmalpflege Hamburg.
Quellen: Stiftung Denkmalpflege Hamburg, Hamburg.de, Verband der Restauratoren
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