Seit mehr als 120 Jahren prägt die Swinemünder Brücke das Bild von Gesundbrunnen. Direkt neben dem Baudenkmal liegt heute jedoch eine abgesperrte, verwilderte Fläche. Mit dem geplanten Quartier „Fountain“ könnte sich dieser Ort grundlegend verändern.

Eine Tafel an der Swinemünder Brücke erinnert an das historische Bauwerk. Die Brücke entstand von 1902 bis 1905 und wurde nach Kriegsschäden 1954 wiederaufgebaut. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Swinemünder Brücke gehört zu den markantesten historischen Verkehrsbauten im Berliner Norden. Doch wer heute unterhalb und neben der Stahlkonstruktion unterwegs ist, trifft auf einen Ort, der kaum zu seiner prominenten Nachbarin passt: Bauzäune versperren den Zugang, die Vegetation wächst weitgehend ungestört, an mehreren Stellen liegt Müll. In den kommenden Jahren soll aus dem bislang nicht öffentlich nutzbaren Areal ein neuer Freiraum werden.
- Bezirk: Mitte
- Standort: Swinemünder Straße / Bellermannstraße
- Projekt: Brückenpark im geplanten Quartier „Fountain“
- Projektstatus: Siegerentwurf liegt vor
- Größe des geplanten Freiraums: mehr als 5.000 Quadratmeter
Das Umfeld der Brücke gehört zu einem rund 2,9 Hektar großen Areal südlich des Bahnhofs Gesundbrunnen. Hier plant der Projektentwickler Hines das neue Quartier „Fountain“. Im Juni 2026 gewann das Berliner Büro Max Dudler gemeinsam mit Vogt Landschaft das Werkstattverfahren. Neben Wohnungen, Gewerbe, Einzelhandel, Hotel und sozialen Angeboten spielt der Freiraum eine zentrale Rolle.
Vorgesehen sind unter anderem zwei Hochhäuser im Brückepark. Das größere Gebäude an der Brunnenstraße soll etwa 60 Meter erreichen. Rund um die historische Brücke sollen die Gebäude dagegen niedriger bleiben.

Das heute abgesperrte Gelände an der Swinemünder Brücke in Gesundbrunnen ist dicht bewachsen und teilweise vermüllt. Hier soll künftig der neue Brückenpark entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
An der Swinemünder Brücke: Aus Brachfläche soll öffentlicher Park werden
Besonders deutlich würde sich der Bereich unmittelbar an der Swinemünder Brücke verändern. Der Siegerentwurf sieht dort eine öffentliche Grünanlage mit mehr als 5.000 Quadratmetern Fläche vor. Nach Angaben des Bezirksamts Mitte bewertete die Jury gerade diese Freiraumplanung als eine Stärke des Konzepts. Auch aus Sicht der Denkmalpflege sei die Einbindung der Brücke positiv beurteilt worden.
Dabei soll nicht einfach die vorhandene Vegetation entfernt und eine völlig neue Anlage geschaffen werden. Nach der Präsentation des Siegerentwurfs wollen die Landschaftsplaner Teile des bestehenden Bewuchses aufnehmen und in die künftige Parkstruktur integrieren. Der Brückenpark soll zudem über das neue Quartier hinaus wirken und einen öffentlich zugänglichen Grünraum für Gesundbrunnen schaffen.

Der Entwurf von Max Dudler sieht ein gemischt genutztes Stadtquartier mit Wohnungen, Gewerbeflächen, öffentlichem Grünraum und einer neuen Parkanlage rund um die denkmalgeschützte Swinemünder Brücke vor. / © Max Dudler
„Millionenbrücke“: Die Swinemünder Brücke entstand von 1902 bis 1905
Die Brücke selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie entstand zwischen 1902 und 1905 nach Plänen des Berliner Stadtbaurats Friedrich Krause; für die architektonische Gestaltung zeichnete Bruno Möhring verantwortlich. Das Landesdenkmalamt führt außerdem Th. Möbus sowie Beuchelt & Co. als ausführende Firmen auf. Die 228 Meter lange Stahlkonstruktion führt die Swinemünder Straße beziehungsweise Bellermannstraße über das weitläufige Bahngelände am Bahnhof Gesundbrunnen.
Bemerkenswert waren schon damals die Kosten. Laut Berliner Denkmaldatenbank kostete das Bauwerk 1,25 Millionen Mark. Damit überschritten die Kosten eines Berliner Brückenbaus erstmals die Millionengrenze – und die Swinemünder Brücke erhielt ihren bis heute bekannten Beinamen „Millionenbrücke“.

Die 228 Meter lange Swinemünder Brücke verbindet die Swinemünder Straße mit der Bellermannstraße und überspannt die Gleisanlagen am Bahnhof Gesundbrunnen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Swinemünder Brücke: Kriegsschäden und Wiederaufbau
Ursprünglich wirkte die Brücke noch aufwendiger als heute. Bruno Möhring versah die Stahlkonstruktion mit Jugendstilelementen. Über den Pylonen standen Spitzsäulen, hinzu kamen auffällig gestaltete Laternenhalter mit geometrischen Ornamenten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Mittelfeld der Brücke jedoch zerstört. Beim Wiederaufbau 1954 verzichtete man auf einen Teil dieser dekorativen Elemente.
Trotz dieser Veränderungen bewertet das Landesdenkmalamt die Swinemünder Brücke als herausragendes Zeugnis der Ingenieurbaukunst. Das Bauwerk steht heute unter Denkmalschutz. Auch deshalb bildet es im Entwurf für das neue Quartier nicht bloß eine Randkulisse. Vielmehr soll der Park die Konstruktion räumlich freistellen und stärker in den öffentlichen Raum einbinden.

Dichte Vegetation bestimmt heute das Bild auf der Fläche südlich des Bahnhofs Gesundbrunnen. Teile des vorhandenen Bewuchses sollen in den geplanten Brückenpark integriert werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Brückenpark Gesundbrunnen: Wann die Umgestaltung beginnt, ist noch offen
Fest steht die Umsetzung allerdings noch nicht. Der Siegerentwurf bildet zunächst die Grundlage für die weitere Ausarbeitung des städtebaulichen Konzepts und das folgende Bebauungsplanverfahren. Einen verbindlichen Termin für den Baubeginn oder die Fertigstellung des Brückenparks haben Bezirk und Projektentwickler bislang nicht genannt.
Sollten die Quartierspläne umgesetzt werden, würde damit nicht nur südlich des Bahnhofs Gesundbrunnen neu gebaut. Ein heute abgesperrter und verwilderter Zwischenraum könnte erstmals als öffentlicher Freiraum Teil des Stadtviertels werden. Die mehr als 120 Jahre alte „Millionenbrücke“ würde dabei vom Verkehrsbauwerk am Rand zum Mittelpunkt eines neuen Parks.
Swinemünder Brücke und geplanter Brückenpark
Quellen: Bezirksamt Mitte von Berlin, Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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Schön, dass zumindest in dem Entwurf der südliche Ausgang der östliche Brücke vom Bahnhof Gesundbrunnen (Richtung Kaufland) in Benutzung zu sein scheint. Heutzutage ist das Tor ja leider verschlossen und würde so manchen Umweg sparen, wenn der Weg benutzt werden könnte.