Nach dem gezielten Anschlag auf eine zentrale Kabelbrücke im Berliner Südwesten arbeiten Stadt, Netzbetreiber und Hilfsorganisationen unter Hochdruck an der Wiederherstellung der Stromversorgung. Dies versicherte Kai Wegner am Montag auf einer Pressekonferenz im Roten Rathaus. Mehr als 100.000 Menschen waren zeitweise betroffen. Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen zum Schutz kritischer Infrastruktur in der Hauptstadt sowie im gesamten Bundesgebiet auf.

Berlin mobilisiert Personal, Technik und bundesweite Unterstützung, um die Folgen des Anschlags auf das Stromnetz zu begrenzen. / © Foto : Wikimedia Commons, Emediacreation (CC BY-SA 3.0)
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Der gezielte Anschlag auf eine Kabelbrücke nahe des Teltowkanals hat Berlin am vergangenen Wochenende vor eine seiner größten infrastrukturellen Bewährungsproben der letzten Jahre gestellt.
Rund 45.400 Haushalte, mehr als 2.200 Unternehmen und insgesamt über 100.000 Menschen in Nikolassee, Wannsee und Lichterfelde-West waren zeitweise ohne Strom. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sprach im Rahmen der heutigen Pressekonferenz im Roten Rathaus von einer außergewöhnlichen Lage, die Verwaltung, Einsatzkräfte und Zivilgesellschaft gleichermaßen gefordert habe.
Stromnetz Berlin arbeitet seit mehreren Tagen im Ausnahmezustand
Seit den frühen Morgenstunden nach dem Anschlag arbeitet der Netzbetreiber Stromnetz Berlin rund um die Uhr an der Wiederherstellung der Versorgung. Geschäftsführer Bernhard Brüllmann erklärte, Ziel sei es, bis spätestens Donnerstagnachmittag wieder eine vollständige Stromversorgung herzustellen.
Bereits wenige Tage nach dem Anschlag konnten rund 14.500 Haushalte, darunter etwa 500 Gewerbebetriebe, wieder ans Netz angeschlossen werden. Unterstützt wird der Betreiber nach eigenen Angaben derzeit von Fachkräften aus dem gesamten Bundesgebiet.
Stromausfall in Berlin: Krisenstäbe, Hilfsorganisationen und bundesweite Unterstützung
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Anschlags traten die Krisenstäbe von Senat, Feuerwehr und Polizei zusammen. Hilfsorganisationen wie THW, DRK und die Johanniter waren rasch vor Ort.
Auch auf Bundesebene wurde Unterstützung mobilisiert. Nach Angaben des Senats stellten mehrere Bundesländer Spezialpersonal und Material zur Reparatur von Hochspannungskabeln bereit. Die Bundeswehr übernahm zentrale Aufgaben in der Tanklogistik sowie beim Transport und Betrieb von Notstromaggregaten.
Berliner Südwesten: Gesundheitsversorgung und soziale Infrastruktur laut Senat stabilisiert
Besondere Priorität hatte die Sicherung des Gesundheits- und Pflegebereichs. Die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Ina Czyborra, bewertete die Versorgung der betroffenen Krankenhäuser und Rettungsstellen als stabil.
Notstromaggregate funktionierten demnach zuverlässig, der Treibstoffnachschub sei gesichert. Pflegeheime und ambulante Dienste konnten und können mit Unterstützung der Feuerwehr weitgehend selbstständig reagieren. Insgesamt stehen rund 370 Notfallplätze zur Verfügung, von denen aber nur ein Bruchteil genutzt wird.
Iris Spranger: Großschadenslage und Ermittlungen wegen Terrorverdachts
Innensenatorin Iris Spranger rief am Sonntag offiziell die Großschadenslage aus. Sie bezeichnete den Anschlag als menschenverachtend und ordnete ihn dem linken Terrorismus zu. Das Bundesinnenministerium wurde eingeschaltet, der Generalbundesanwalt prüft die Übernahme der Ermittlungen.
Parallel dazu verstärkte die Berliner Polizei laut Spranger ihre Präsenz im betroffenen Gebiet deutlich, um Folgetaten und Begleitkriminalität zu verhindern. Erste Nachrichten von Einbrüchen in leerstehenden Häusern machen in der Nachbarschaft bereits die Runde.
Energie-Infrastruktur im Fokus: Lehren für Berlin und darüber hinaus
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey wies darauf hin, dass beim Anschlag zehn Mittelspannungs- und fünf Hochspannungskabel beschädigt wurden. Der Ausfall entsprach rund drei Prozent des Berliner Stromverbrauchs.
Zwar verlaufe 99 Prozent des Netzes unterirdisch und sei grundsätzlich robust, dennoch würden nun alle sensiblen Standorte überprüft. Berlin plant in den kommenden Jahren Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, um das Stromnetz weiter auszubauen und auch besser zu sichern.
Kirchen, Vereine und Hotels helfen: Gesellschaftliche Resilienz in der Krise
Neben Technik und Einsatzkräften rückte auch die Zivilgesellschaft in den Fokus. Hotels stellen kurzfristig Zimmer zur Verfügung, Kirchengemeinden und Sportvereine öffnen ihre Türen, Nachbarschaften organisierten Hilfe.
Für Kai Wegner ist dies ein Zeichen gesellschaftlicher Resilienz. Gleichzeitig machte er am Montag deutlich, dass der Schutz kritischer Infrastruktur künftig bundesweit neu bewertet werden müsse, denn Angriffe wie dieser seien kein rein Berliner Problem.
Quellen: Senatsverwaltung Berlin, stadt-und-werk.de, Reuters, Stromnetz Berlin, 50Hertz, Berliner Stadtwerke GmbH, Wikipedia, Flughafen Berlin Brandenburg GmbH
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