Der geplante Umbau der Ollenhauerstraße in Reinickendorf schreitet weiter voran. Neue Antworten des Senats geben Einblick in den Planungsstand, Kosten und den Umgang mit dem Baumbestand – und zeigen zugleich, wo noch Fragen offen sind.

Der Abschnitt der Ollenhauerstraße rund um Reinickes Hof soll ab Herbst 2026 umgebaut werden. Vorgesehen ist dabei eine umfassende Neuordnung des Straßenraums mit Anpassungen für den Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr. / © Foto: Wikimedia Commons, Oliver Wolters, CC BY-SA 3.0 DE
© Titelbild: BUND Berlin / Uwe Bahr
Die Planungen für den Umbau der Ollenhauerstraße in Reinickendorf schreiten voran. Wie aus einer aktuellen Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht, befindet sich das Projekt derzeit im Übergang zur Ausführungsplanung. Damit rückt die konkrete Umsetzung der seit Jahren vorbereiteten Maßnahme näher.
Bereits 2022 wurde die Vorplanung abgeschlossen und durch Senat und Bezirk freigegeben. Im Zuge dessen wurden zwei Varianten geprüft: Eine Lösung mit Erhalt der bestehenden Bäume wurde verworfen, da sie nach Einschätzung der Verwaltung weder den Anforderungen des Mobilitätsgesetzes noch den Zielen der Verkehrssicherheit gerecht werden konnte.
Stattdessen wird eine Variante weiterverfolgt, die eine umfassende Neuordnung der Straße vorsieht, einschließlich Baumfällungen und anschließender Ersatzpflanzungen.
Umbau der Ollenhauerstraße in Reinickendorf: Planung und Kosten im Überblick
Die Bauplanungsunterlage wurde im Oktober 2024 beschlossen und Mitte 2025 durch die Senatsverwaltung für Finanzen bestätigt. Die Gesamtkosten des Vorhabens werden aktuell mit rund 14,5 Millionen Euro beziffert. Die Finanzierung erfolgt über gezielte Investitionszuweisungen des Landes an den Bezirk Reinickendorf.
Vorgesehen ist unter anderem der Ausbau der Nebenanlagen für den Fuß- und Radverkehr sowie eine Verbesserung der Verkehrssicherheit. Insbesondere der geplante, baulich getrennte Radweg ist Teil des übergeordneten Berliner Radvorrangnetzes.
Streitpunkt Baumbestand und offene Fragen zum Klima
Ein zentraler Streitpunkt bleibt der Umgang mit dem bestehenden Baumbestand. Laut Bezirksamt weisen mehr als 60 Prozent der Straßenbäume bereits deutliche Schäden auf. Gleichzeitig ist weiterhin unklar, wie viele Ersatzpflanzungen künftig konkret erforderlich sein werden, da eine überarbeitete Baumschutzverordnung noch aussteht.
Fest steht bislang, dass neue Bäume entlang der Nebenanlagen und auf dem Mittelstreifen gepflanzt werden sollen. Spezifische Untersuchungen zu den mikroklimatischen Auswirkungen des Umbaus liegen jedoch nicht vor. Der Senat verweist darauf, dass Ersatzpflanzungen grundsätzlich zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen, räumt aber ein, dass weitergehende Maßnahmen durch den begrenzten Straßenraum eingeschränkt sind.
Kahlschlag an der Ollenhauerstraße: Petition erreicht über 3.000 Unterschriften
Parallel dazu hält die Kritik aus der Bevölkerung an. Eine Online-Petition, die Mitte Januar 2026 gestartet wurde, läuft noch für mehrere Monate und hat inzwischen 3.118 Unterschriften gesammelt. Die Initiatoren fordern ein Moratorium der aktuellen Planungen und plädieren dafür, Alternativen mit stärkerem Fokus auf den Erhalt der Bäume, Hitzeschutz und Regenwassermanagement zu prüfen.
Dass für den neuen Radweg Bäume weichen sollen, wird von einigen Unterzeichnenden als Zielkonflikt wahrgenommen. In Kommentaren zur Petition wird etwa formuliert, es dürfe nicht dazu kommen, „dass hier Radfahrer gegen Umwelt (Bäume) ausgespielt werden“. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Ersatzpflanzungen den ökologischen Nutzen gewachsener Bestände erst nach Jahrzehnten erreichen könnten.
Ob und in welchem Umfang die Planungen noch angepasst werden, bleibt vorerst jedoch abzuwarten.
Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 25 401, Schriftliche Anfrage, infraVelo, BUND Berlin, Initiative Ollenhauerstraße / Openpetition, Bezirksamt Reinickendorf
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