Der Konflikt um das RAW-Gelände in Friedrichshain verschärft sich. Ein Brief eines Künstlers kritisiert die Rolle des Bezirks und verteidigt die Kurth-Gruppe.

Visualisierung Turm an der Warschauer Brücke

Das RAW-Gelände zwischen Revaler Straße und Warschauer Brücke sollte sich von einem subkulturellen Hotspot zu einem gemischt genutzten Stadtviertel wandeln. / © Visualisierung: Kurth Immobilien

© Titelbild: Wikimedia Commons, Hanlu C, CC BY-SA 2.0

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Auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain hat der Konflikt um das Projekt „RAW West“ eine neue Ebene erreicht. Nach den gegenseitigen Vorwürfen zwischen Bezirk, Senat und Kurth-Gruppe meldet sich nun auch ein betroffener Künstler zu Wort, der nach eigenen Angaben seit 2012 auf dem Areal arbeitet. In einem Brief an Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann und Baustadtrat Florian Schmidt, der ENTWICKLUNGSSTADT vorliegt, widerspricht er der Darstellung, die Kurth-Gruppe bedrohe pauschal die Kultur auf dem Gelände.

  • Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
  • Adresse: Revaler Straße 99, 10245 Berlin
  • Bebauungsplan: „2-25a“
  • Eigentümerin: Kurth-Gruppe
  • Streitpunkt: Sicherung des „Soziokulturellen L“
  • Betroffene Nutzungen: Clubs, Ateliers, Sport, Gastronomie, Kulturprojekte

Anlass des Briefes ist die Pressemitteilung des Bezirks vom 15. Juni 2026. Darin heißt es, die Kurth-Gruppe habe das Bebauungsplanverfahren „RAW West“ einseitig für gescheitert erklärt und Räumungsaufforderungen ausgesprochen. Der Künstler hält diese Darstellung für einseitig. Der Bezirk erkläre den Eigentümer öffentlich zur Gefahr, obwohl dieser das Gelände seit mehr als zehn Jahren baulich, organisatorisch und wirtschaftlich mittrage.

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Vor der Übernahme durch die Kurth-Gruppe hätten große Teile des Areals unter vernachlässigten Gebäuden, defekten Heizungen, Schulden einzelner Mieter, Müll, Drogenhandel und Gewaltproblemen gelitten, heißt es. Der Brief verweist zudem auf einen Messerangriff auf dem Gelände. In den letzten Jahren habe sich viel verbessert: Gebäude seien instandgesetzt, Heizungen repariert und Sicherheitsprobleme reduziert worden.

Das Bild zeigt das RAW-Gelände in Friedrichshain mit dem Club Cassiopeia und mehreren Gebäuden entlang der Revaler Straße.

Das RAW-Gelände in Friedrichshain zählt zu den bekanntesten Kultur- und Gewerbestandorten entlang der Revaler Straße. / © Foto: Wikimedia Commons, Lear 21,  CC BY-SA 4.0

RAW-Gelände: Streit um Verantwortung und Finanzierung

Im Zentrum des Konflikts steht weiter das „Soziokulturelle L“. Bezirk und Senat wollen die dortigen Kultur- und Clubnutzungen langfristig sichern. Nach bisheriger Darstellung sollte ein Rahmenvertrag auch einen Generalmietvertrag über 30 Jahre enthalten. Die Kurth-Gruppe sieht dagegen eigene Interessen im Verfahren nicht ausreichend berücksichtigt und verweist auf ausbleibende Zahlungen, Nutzungskonflikte und fehlende Verbindlichkeit im Verfahren.

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Der Künstler verschiebt den Blick nun auf eine andere Frage: Wer bezahlt Kultur dauerhaft? Aus seiner Sicht können Bezirk und Senat den Erhalt kultureller Nutzungen nicht vollständig zur öffentlichen Aufgabe erklären, die Kosten aber dauerhaft einem privaten Eigentümer überlassen. Er argumentiert außerdem, Kultur bestehe nicht nur aus geförderten oder gemeinnützigen Projekten. Auch Clubs, Konzerte, Ateliers, Gastronomie und privatwirtschaftliche Veranstaltungen gehörten zum kulturellen Leben des RAW-Geländes.

RAW-Gelände: Brief fordert mehr Transparenz

Besonders kritisch äußert sich der Künstler zu öffentlicher Förderung. Er erklärt, er finanziere seine künstlerische Arbeit, sein Atelier und seine Familie seit Jahren selbst. Dabei kritisiert er, dass einzelne Projekte auf dem RAW-Gelände öffentliche Fördermittel erhalten hätten, und fordert mehr Transparenz über deren Verwendung. Es brauche klare Kriterien, nachvollziehbare Verwendungsnachweise und Transparenz über Förderanträge.

Zudem kritisiert er Veranstaltungen, die nach seiner Auffassung weniger kulturellen als politischen Charakter gehabt hätten. Auch frühere Hausversammlungen beschreibt er als politisch aufgeladen. Dort seien Nutzer nach seiner Darstellung zu Protesten gegen den Eigentümer aufgefordert worden.

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Das RAW-Gelände nahe der Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain zeigt den „Amazon Tower“ im Hintergrund und verdeutlicht die Diskussion um weitere Hochhaus-Pläne.

Der Konflikt um das RAW-Gelände spitzt sich weiter zu, da Bezirk, Eigentümer und Nutzer uneins über die Zukunft, Finanzierung und kulturelle Nutzung des Areals sind. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Abschließend formuliert der Brief einen Kompromissvorschlag: Die Kurth-Gruppe solle zusätzliche Baurechte für Hochhäuser, Wohnungen, Büros und Geschäfte erhalten. Den dadurch entstehenden wirtschaftlichen Wert könne man mit verbindlichen sozialen und kulturellen Pflichten ausgleichen. Soziokulturelle Projekte sollten gezielt, häuserweise und nach überprüfbaren Kriterien gesichert werden.

Konflikt um RAW-Gelände bleibt offen

Mit dem Schreiben kommt erstmals eine interne Perspektive eines langjährigen Künstlers hinzu. Seine Schilderungen unterscheiden sich in mehreren Punkten von der Darstellung des Bezirks und lenken den Blick auf Fragen der Finanzierung, Verantwortung und Entwicklung des Areals.

Zugleich zeigt sich, dass die Diskussion um die Zukunft des RAW-Geländes nicht nur zwischen Politik und Eigentümer geführt wird, sondern auch innerhalb der Nutzerschaft des Areals unterschiedlich bewertet wird.

RAW-Gelände

 

Quellen: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Kurth-Gruppe, Offener Brief von Andrej Wolff

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7 Kommentare

  1. Mario 17. Juni 2026 at 13:00 - Reply

    Endlich mal jemand aus dem Kultur Kreis der die so offensichtliche Wahrheit anspricht.
    Die Personalien Hermann und Schmidt sind unfähige Ideologen die mehr der Kultur schaden als nutzen.
    Nur war es der Kultur Szene immer recht ordentlich vom Steuerzahler finanziert zu werden und sich möglichst um nichts kümmern zu müssen.
    Das einem Investor irgendwann mal der Kragen platzt war eigentlich überfällig.
    Ähnliches passiert ja mit Krieger am Pankower Güterbahnhof.
    Alles immer haben wollen ohne was selbst zu leisten ist eben zunehmend vorbei. Und daran sollten sich grüne und linke langsam gewöhnen.

  2. Janik Vernost 17. Juni 2026 at 14:15 - Reply

    Wow- wer hat den für diesen Beitrag sein Portemonnaie geöffnet? Ein Künstler von 200. Interne Perspektive? Die Menschen auf dem RAW-Gelände brauchen unsere Solidarität – dieser Artikel soll spalten – das gelingt ihm hoffentlich nicht.

    • Max 17. Juni 2026 at 18:25 - Reply

      Solidarität ist, wenn du deine eigene Ocken hergibst, nicht ewige Statsknete zu fordern.

  3. Robert 17. Juni 2026 at 16:44 - Reply

    Da möchte sich wohl jemand einen langfristigen Mietvertrag sichern!

    • Franz 17. Juni 2026 at 20:37 - Reply

      Oder möchte da jemand einfach nicht den auf ein Investorfeindbild anstellenden bezirksgrünen Wahlkampf unterstützen? 10 Jahre hat der Bezirk keinen B-Plan zustandegebracht, der Kultur wie Neugestaltung vereint hätte …

      • Susann 18. Juni 2026 at 17:14 - Reply

        Mich wundert vor allem eines: es gab doch schon einen Plan. Ich kann mich an die Info Veranstaltung vor ein paar Jahren erinnern, bei der Kurth davon berichtete. Da wirkte alles wie beschlossene Sache. Damals war aber noch nicht von Wohnen die Rede. Nun will er aber seit Anfang des Jahres Wohngebäude statt Büros – dann von 10 Jahren zu sprechen überrascht mich und finde ich unpassend. Das sind eher 6 Monate der Neuverhandlungen, die die Eigentümer ins Rollen gebracht haben. Mehr Transparenz wünsche auch ich mir.

  4. Torsten Behrend 3. Juli 2026 at 17:44 - Reply

    Zu Janik: Na klar, wenn jemand nicht der links grünen Meinung: „Investoren sind der Feind“ zustimmt und auch noch Künstler ist, muss er ja gekauft sein:-)
    Nein, er hat völlig Recht, Kultur muss auch bezahlt werden und das Geld muss verdient werden, auch mit Mieten.
    Aber wie immer in Berlin, muss jedes Projekt politisch aufgeladen und von links grün bekämpft werden.
    Baut dort endlich den Turm und noch ein paar Wohn- und Geschäftsgebäude. Die erwirtschafteten Gewinne können dann auch einen Teil der Kulturstandorte subventionieren. Zumindest macht man das in fortschriftlichen Städten wie Oslo, Göteborg, Aarhus oder Kopenhagen so.

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