In Berlin formiert sich die „Allianz gegen Poller und Kiezblocks“. Sie plant ein Volksbegehren und fordert mehr Mitsprache bei Verkehrsberuhigung, Pollern und Kiezblocks.

Die Niederbarnimstraße in Friedrichshain wurde bereits verkehrsberuhigt. Richtung Boxhagener Straße befinden sich jetzt Poller zur Sperrung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
In Berlin wächst der Streit um Poller und Kiezblocks. Eine neue Allianz will ein Volksbegehren vorbereiten. Befürworter verweisen auf Sicherheit und weniger Durchgangsverkehr, Gegner auf Umwege, Lieferverkehr und Rettungswege.
In Berlin hat sich mit der „Allianz gegen Poller und Kiezblocks“ ein neues Bündnis gegen Teile der aktuellen Verkehrspolitik gebildet. Sie sei zwar nicht grundsätzlich gegen alle Maßnahmen der Verkehrsberuhigung, heißt es. Aber die Art und Weise, wie derzeit vorgegangen wird, sprenge den Rahmen. Deshalb bereitet die Initiative nun zunächst eine Online-Petition für ein erstes Stimmungsbild vor.
Berlin streitet über Poller, Kiezblocks und Verkehrsberuhigung
Danach sollen mindestens 20.000 Unterschriften gesammelt werden, um ein Volksbegehren einzuleiten. In einer weiteren Stufe wären rund 170.000 Unterschriften nötig (sieben Prozent der Berliner Wahlberechtigten), damit sich das Abgeordnetenhaus mit dem Gesetzentwurf befasst. Lehnt es ihn ab, folgt der Volksentscheid. Die Allianz will mit ihrer Initiative das Mobilitätsgesetz nachbessern und Bürgerinnen und Bürger über Poller und Kiezblocks entscheiden lassen.
Die Debatte ist hochumstritten. Gegner kritisieren Poller und Kiezblocks, weil sie aus ihrer Sicht Wege verlängern, den Lieferverkehr erschweren und Zufahrten für Feuerwehr oder Rettungsdienste behindern können. Befürworter sehen darin dagegen ein Mittel gegen Durchgangsverkehr, Lärm und Unfallrisiken in Wohnquartieren.

Am Lausitzer Platz in Kreuzberg wurde der Autoverkehr massiv reduziert, was zu Spannungen innerhalb der Nachbarschaft geführt hat – das Konzept hat sowohl Befürworter als auch Gegner. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Kiezblock-Streit in Mitte zwischen Bezirk und Senat
Genau diese Spannung prägt mehrere Berliner Bezirke. In Berlin-Mitte eskalierte zuletzt ein Finanzierungsstreit zwischen Bezirk und Senat. Ursprünglich waren zwölf Kiezblocks geplant, später reduzierte der Bezirk das Vorhaben auf drei Projekte und sagte zu, möglichst auf harte Maßnahmen wie Poller zu verzichten.
Der Bezirk Mitte wirft der Senatsverkehrsverwaltung vor, die zugesagte Finanzierung nicht erneuert zu haben. Der Bezirk spricht von rund 300.000 Euro Schaden und weiteren beauftragten Leistungen von über 100.000 Euro. Die Senatsseite weist die Vorwürfe zurück und erklärt, man sei weiter zu einer Einigung bereit.
Poller am Breitscheidplatz sind hochumstritten
Auch am Breitscheidplatz zeigt sich, wie schwierig der Umgang mit Pollern in Berlin ist. Seit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt 2016 sichern massive Poller und Metallkörbe den Platz. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf verweist auf ein Sicherheitskonzept, während der Senat gestalterische Änderungen fordert. Diskutiert wird auch, Sicherheit künftig stärker über Verkehrslenkung, weniger Durchgangsverkehr und bessere Platzgestaltung zu erreichen.
Die „Allianz gegen Poller und Kiezblocks“ trifft damit auf eine bereits polarisierte Lage. Sie fordert mehr direkte Beteiligung und will die Entscheidung über Poller, Kiezblocks und Verkehrsberuhigung stärker an die Berlinerinnen und Berliner zurückgeben. Ob daraus tatsächlich ein Volksbegehren und später ein Volksentscheid wird, hängt nun vor allem von der Zahl der Unterstützer ab.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg setzt im Graefekiez auf klimaresiliente Straßenräume – doch der Umbau der Blücherstraße sorgt zugleich für Kritik und Anpassungsdruck. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

In Berlin-Mitte ist in der Tucholskystraße eine Fahrradstraße mit Pollern entstanden, um die lange gerungen wurde. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Der Verkehrsberuhigung in der Handjerystraße in Tempelhof-Schöneberg ging ein jahrelanger Streit voraus, letztlich wurde das Projekt jedoch umgesetzt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Berliner Morgenpost, Berliner Kurier, Bezirksamt Berlin-Mitte, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
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12 Kommentare
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Die Radikalisierung mancher Fahrradfahrer hat Stilblüten getrieben die nicht mehr im Sinne aller Stadtbewohner sind. Ein Verkehrsmittel, dass im Winter praktisch nur noch für sportliche, hartgesottene verfügbar ist, kann nicht zum Leitpferd der Stadt-Mobilität werden. Zumal das rücksichtlose Verhalten vieler Fahrradfahrer nicht zur Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer beiträgt. Da wird rücksichtslos in beide Richtungen gefahren, mit hoher Geschwindigkeit bis zu 50kmH (danke Elektro Untersützung) lebensgefährlich durch Fußgängerbereiche geheizt. An einer Stelle rast der Familienvater mit seinem Fahrrad um die Hausecke, ohne Gegenverkehr oder gar einen Fußgänger zu erwarten. An anderer Stelle ist die Mutti mit Lastenfahrrad dermaßen halsbrecherisch unterwegs, dass man sich Sorgen macht – um deren Kinder.
Ich bin gegen diese Fahrrad-Autobahnen – sie reduzieren meine Lebensqualität und die vieler anderer Fußgänger, da man sich nicht mehr sicher und frei bewegen kann. Das Auto ist hörbar, klar separiert von Fußgängerwegen und außerdem defensiv, da es klare Urteile gibt hinsichtlich Schuld bei Unfällen mit „Verkehrsschwächeren“ Teilnehmern.
Beim Fahrrad ist dies anderes – Regeln gelten nicht, hörbar ist man nicht und im Zweifel wird dem Fahrradfahrer recht gegeben, schließlich hätte der Fußgänger eben zweimal gucken müssen, bevor er sich erdreistete auf den Fahrradstreifen zu tappen.
Danke dafür, dass Sie in Ihrem sicherlich satirisch gemeintem Text wirklich alle Klischees der Auto-Wutbürger versammelt haben. Ich habe herzlich gelacht über die Behauptung, dass man im Winter nicht Fahrradfahren kann, dass Fahrradfahrer offenbar in beide Richtungen fahren statt meine eine einzige und dass man mit Fahrrad 50 km schnell wird.
Besonders lustig fand ich die Behauptung, dass Autos für Fußgänger besonders sicher seien, weil sie so gut laut sind.
Auch die defensive Rolle von Autos bei Unfällen hätte ich lustig gefunden, wenn es nicht so tragisch wäre, wie viele Autofahrer Schuld an tödlichen Verkehrsunfällen haben.
Falls es doch ernst gemeint war, gebe ich Ihnen einen guten Tipp: Wer einfach nur substanzlose Behauptungen aus der Springer Presse wiederholt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er politisch nicht ernst genommen wird. Ich glaube, dass mit dem Verglühen von Donald Trump die große Zeit der der Wutbürger langsam zu Ende geht. Jetzt brauchen wir wieder Menschen, die argumentieren können.
Lieber Herr Karl,
Sie haben mit Ihrem wunderbaren Beitrag meinen Tag gerettet. 😘
Also diese Scheisspoller in der Stargarder Straße sorgen dafür, dass es auf unseren Straßen im Kiez lauter und agressiver zugeht.
Dieser Poller sorg für Wut und steigert meine Wut auf diese links grünen Autohasser.
Bitte zieht zurück aufs Land!
Da ist er wieder – der Auto-Wutbürger.
Der Wegzug aufs Land ist gerade den begeisterten Autofahrern anzuraten.
Auf Landstraßen darf man 100 fahren. Doppelt so schnell wie in der Stadt. Auf Autobahnen noch schneller.
Desto ländlicher die Gegend umso höher die Anzahl von Einfamilienhäusern mit Garage fürs geliebte Auto – manchmal sogar mehrere Garagen. Jeder Erwachsene hat ein Auto.
Die Einkaufszentren dort liegen außerhalb und bieten riesige Parkplätze.
Bei leicht hügeliger Landschaft kann die Fahrt zum Einkaufen noch mit einer „scenic route“ verbinden.
Wenn das nicht nach einem Autofahrerparadies klingt!
Deswegen verstehe ich diese „zieht doch aufs Land“ mit Bezug zu Fußgänger, Fahrradfahrer und ähnliches nicht.
Das Land ist für Autos gemacht.
(Weiß von was ich rede: stamme vom Land und hatte dort auch ein -dort notwendiges- Auto)
Und wieder der Autopopulismus mit Autoideologie („Ich will überall, bequem und schnell fahren. Dazu überall parken. Auch mitten in der Stadt. Wen das was kostet ist mir egal.“)
Warum sollte ich für Eure Wut aufs Land. Zieht dich selbst dahin. Da schränkt Euch niemand beim Autofahren ein.
Als Anwohnerin in Berlin Mitte bin ich ein großer Fan von Kiezblocks, Verkehrsberuhigung und moderner Stadtentwicklung.
Das ist nötig, da die Fläche nicht fair verteilt ist und sich die Hauptprobleme und Bedürfnisse immer dutlicher abzeichnen (Hitze, Lärm, Luftreinhaltung gem. EU-Verordnung, Sicherheit im Straßenverkehr, Barrierefreiheit, Touristenwege, Touristen vor Sehenswürdigkeiten wie Checkpoint Charlie, Gastronomie, u.v.m.).
Mit den Fahrradfahrern habe ich als Fußgängerin auch mal Probleme – genauso mit stehenden und fahrenden Autos. Das ist kein Grund sie komplett auszusperren. Bei E-Scootern…
Zielführend wäre ein Verkehrskonzept für ganz Berlin, in dem festgelegt wird, auf welchen Straßen der rollende Verkehr (Autos, Mopeds, Fahrräder, etc.) durch fährt und wie Umleitungen um die Stadt herum statt mitten durch geordnet werden. Die Bereiche zwischen den Hauptverkehrsachsen dienen nur dem Zielverkehr: für die Erreichbarkeit von Gebäuden reicht eine Einbahnstraße während privates Parken in Parkhäusern erfolgen kann. Für echten Wirtschaftsverkehr wie Lieferanten, Handwerker, etc. sowie Geheingeschränkte sollten Parkplätze vorgesehen werden. Damit ist das Notwendige erfüllt. Alles weitere ist Luxus, der erst erfüllt werden kann, wenn die Grundbedürfnisse der anderen Stakeholder erfüllt sind.
Dieses Verkehrskonzept kann niemals einzeln stehen und muss im Einklang mit moderner Stadtentwicklung stehen. Also beide Senate ebenbürtig zusammenarbeiten.
Es sind noch viel zu weniger Poller, wenn es solche Initiativen und Kommentare dazu gibt.
In Innenstädte haben ca. 80% der Anwohner KEIN Auto.
Sie legen die Wegestrecken zu Fuß, mit dem Fahrrad oder ÖPNV zurück.
Leider werden die Poller zur Sicherheit der Menschen genau dafür gebraucht.
Es wurde von rücksichtslosen Fahrradfahrern gesprochen. Ja. Ein paar gibt es. Nicht so viele wie hier suggeriert wird.
Statistisch sind EScooter gefährlicher.
Vergessen wurde aber völlig, dass hierdurch bei weitem rücksichtslose Autofahrer mit Vollgas durch dicht besiedelte Gebiete fahren wollen und dann noch auf der Mitte des Gehwegs parken statt im Parkhaus (da ist genug Platz drin, die durchschnittliche Nutzungsquote liegt bei 30%). In Stadtmitte können schon mal an einem Kilometer Straße nahezu 7.000 Menschen wohnen. Bei schönen Wetter wollen viele von ihnen raus. Dazu kommen Touristen in Massen. Da muss einfach genug Platz sein um diese Menschen aufzunehmen. Sicherer Platz. Ohne Angst für Leib und Leben. Leider brauchen wir die Poller, da auf das Einhalten von Regelungen durch Autofahrer besser nicht gewettet werden sollte.
Bitte jetzt keine Kommentare in der Richtung Bleib dann doch zu Hause oder Fahr selbst Auto. Auch Fußgänger haben ein Anrecht auf einen fairen Anteil ebenerdiger sicherer Fläche zum Bewegen und Aufhalten.
Wenn das nur mit Pollern sichergestellt werden kann: Her damit!
Mit dem Auto kann man auch mal einen Umweg fahren!
Poller wären nicht nötig, wenn Autofahrer auch ohne diese bereit wären, einfachste Verkehrsregeln zu beachten – wie das Akzeptieren eines Durchfahrtverbotes. Solange Autofahrer davon ausgehen, dass man aus politischen Gründen Verkehrsregeln nicht beachten muss, braucht es sehr stabile Poller.
Sie schützen die überwiegende Mehrzahl von Menschen, die in der Innenstadt wohnen, kein Fahrzeug haben und kein Interesse haben, unter dem Lärm, den Emissionen und dem Gefahrenpotenzial einer kleinen Minderheit zu leiden.
Die sind alle „Anlieger“ 😉
In einem Gespräch mit einem Verantwortlichen zu Kiezen in Mitte sagte dieser:
„Farbe und Schilder reicht bei Berlinern leider nicht. Da muss schon das physische Hindernis her um eine Wirkung zu erreichen.“
Dadurch wird klar:
Die Autofahrer sind an den vielen Pollern schuld!
wenn ich die Kommentare lese, steigt bei mir sofort der Blutdruck – wie in vielen Foren stellte sich einer über den anderen, von Kompromissbereitschaft und Verständnis für den anderen keine Spur …