Mit einer Informationsveranstaltung hat das Bezirksamt Pankow die Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bauvorhaben „Pankower Tor“ gestartet. Im Fokus steht seit jeher auch die Kreuzkröte, zu der der NABU erneut warnte. Die Projektbeteiligten erklärten nun, was konkret geplant ist.
© Titelbild: Wikimedia Commons, Lennart Hudel, CC BY-SA 4.0
Beim geplanten Stadtquartier „Pankower Tor“ in Berlin-Pankow entsteht eines der größeren Entwicklungsprojekte der Stadt: Rund 2.000 Wohnungen sollen hier gebaut werden, ergänzt durch Schulen, Kitas, Grünflächen, Einzelhandel sowie eine neue Straßenbahnverbindung zwischen Weißensee und Pankow. Öffentlich in den Fokus geraten ist das Vorhaben in den vergangenen Jahren jedoch vor allem wegen eines Aspekts: der Kreuzkröte, die auf der Brachfläche lebt und deren Schutz zum zentralen Konfliktpunkt geworden ist.
Das Areal ist seit Jahren Gegenstand umfangreicher Planungen, die sich immer wieder verzögert haben. Neben Fragen der Erschließung und Bodenaufbereitung spielt vor allem der Artenschutz eine zentrale Rolle für den zeitlichen Ablauf. Die Kreuzkröte ist dabei zum Symbol einer komplexen Abwägung zwischen Bauvorhaben und ökologischen Anforderungen geworden.
NABU kritisiert Flächenplanung beim Vorhaben „Pankower Tor“
Im Vorfeld einer Informationsveranstaltung, mit der das Bezirksamt Pankow die Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bauvorhaben startete, hatte der NABU Berlin am 22. Juni eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin wird das sogenannte „Kreuzkrötenproblem“ als weiterhin ungelöst beschrieben. Die geplante Ostfläche mit rund fünf Hektar sei aus Sicht des Verbandes deutlich zu klein, um die Population dauerhaft zu sichern. Gefordert werden zusätzliche Ausgleichsflächen im Umfang von mindestens 25 Hektar innerhalb Berlins.
Zudem verweist der NABU auf strukturelle Risiken der vorgesehenen Ersatzfläche, etwa durch einen durchquerenden Graben sowie mögliche Konkurrenz anderer Amphibienarten. Die Organisation stellt damit die Wirksamkeit der bisherigen Planungen grundsätzlich infrage.

Auf dem rund 47 Hektar großen Areal des Pankower Tors sollen in den kommenden Jahren ein neues Stadtquartier mit Wohnungen, Schulen und Grünflächen entstehen. / © Visualisierung: Nöfer Architekten
Projektbeteiligte sichtlich frustriert: NABU-Darstellung entspreche nicht der Realität
In der Veranstaltung wurde diese Darstellung jedoch deutlich relativiert: Projektbeteiligte widersprachen der Annahme des NABU, es werde bereits von einer kurzfristigen Bebauung im Jahr 2027 ausgegangen. Aus Sicht der Verantwortlichen ist der Ablauf klar: Zunächst müssen Ersatzflächen für die Kreuzkröte geschaffen und weitere vorbereitende Schritte abgeschlossen werden.
Erst danach könne überhaupt in die eigentliche Bauphase eingestiegen werden. Als realistischer frühester Zeitpunkt für eine bauliche Entwicklung wird daher 2030/31 genannt – verbunden mit dem Hinweis, dass sich dieser Horizont je nach Fortschritt der ökologischen Maßnahmen auch weiter verschieben kann.
„Die Politik steht hinter uns, wir haben eine Mehrheit im Bezirk. Der größte Verhinderer dieses Projektes ist der NABU Berlin. Er instrumentalisiert die Kreuzkröte für andere Zwecke.“ – Edda Metz (Geschäftsführerin Krieger Unternehmesgruppe)
Gleichzeitig wurde der Eindruck geäußert, die Kritik des NABU sei in Teilen zugespitzt und berücksichtige den bereits sehr weit ausgearbeiteten Planungsstand nur unvollständig. Natur- und Artenschutz sei von Beginn an integraler Bestandteil des Projekts gewesen, nicht erst nachträglich hinzugefügt worden.
Edda Metz von Krieger Handel ging dabei noch einen Schritt weiter und warf dem NABU Berlin vor, die Kreuzkröte „für andere Zwecke zu instrumentalisieren“. Nach ihrer Darstellung richte sich die Kritik nicht allein auf den Artenschutz, sondern ziele faktisch darauf ab, das Vorhaben – insbesondere das geplante Möbelhaus – zu verhindern.

Die Kreuzkröte ist eine streng geschützte Amphibienart, die auf der Brachfläche am Pankower Tor ein offenes, temporäres Habitat nutzt. / © Foto: Wikimedia Commons, mgiganteus, CC BY 2.0
Detaillierte Planung für Ersatzhabitat und Bauablauf
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde detailliert dargelegt, wie der Umgang mit der Kreuzkröte vorgesehen ist. Auf Basis umfangreicher Gutachten wurden verschiedene Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen definiert. Die Ostfläche soll dabei zunächst als Ersatzhabitat hergerichtet werden, bevor sie als geeigneter Lebensraum dienen kann. Vorgesehen sind unter anderem die Umsetzung von Zauneidechsen, die Anlage von Gewässerstrukturen sowie weitere ökologische Anpassungen. Erst im Anschluss gilt eine Besiedlung oder Umsiedlung der Kreuzkröte als möglich.
Vertreter des Bezirksamts Pankow stellten klar, dass diese Schritte eine zwingende Voraussetzung für den weiteren Projektverlauf sind. Die Flächen können erst nach Abschluss der artenschutzrechtlichen Maßnahmen für die Quartiersentwicklung freigegeben werden.
Ein weiterer Aspekt der Planung betrifft die sichere Lenkung der Tiere innerhalb des künftigen Quartiers. So ist vorgesehen, an sensiblen Übergangsbereichen, etwa entlang von Rad- und Fußwegen, bauliche Kanten oder Barrieren einzusetzen, die verhindern sollen, dass Kreuzkröten auf Verkehrsflächen gelangen.
Ökologische Qualität des gesamten Areals soll langfristig gestärkt werden
Nach Einschätzung der Fachplaner ist der Eingriff in Natur und Landschaft zwar nicht unerheblich, er werde jedoch nach geltenden Vorgaben minimiert und vollständig ausgeglichen. Dafür sei ein breites Maßnahmenpaket vorgesehen, das eine deutlich stärkere Durchgrünung des Quartiers vorsieht als bei vergleichbaren Projekten üblich.
Geplant sind unter anderem extensive Dachbegrünungen auf den Neubauten sowie ein Biodiversitätsdach auf dem künftigen Möbeldachmarkt, das mit Gräser- und Kräutermischungen gestaltet werden soll. Damit sollen zusätzliche Lebensräume für Insekten und Reptilien entstehen und die ökologische Qualität des gesamten Areals langfristig gestärkt werden.

Im Bauprojekt „Pankower Tor“ wird immer wieder über das Thema Artenschutz diskutiert. / © Visualisierung: Nöfer Architekten
Pankower Tor: Netz aus Parks und Grünflächen geplant
Darüber hinaus soll das Quartier durch ein Netz öffentlicher Grün- und Parkanlagen geprägt werden, die sich über das gesamte Gebiet verteilen. Vorgesehen sind Aufenthaltsräume wie Spiel- und Bewegungsflächen für Kinder aber auch ruhigere Bereiche sowie Treffpunkten für Jugendliche und junge Erwachsene.
Ergänzt werden soll dies durch kleinere, quartiersbezogene Freiräume, die bewusst als niedrigschwellige Erholungsorte im direkten Wohnumfeld konzipiert sind. Ziel sei es, innerhalb der dichten Bebauung eine Vielzahl unterschiedlich nutzbarer Grünräume zu schaffen, die sowohl Erholung als auch soziale Nutzung ermöglichen.
Öffentlichkeitsbeteiligung von Ende Juni bis Mitte August möglich
Die Informationsveranstaltung machte damit deutlich, dass Natur- und Artenschutz im Verfahren zum Pankower Tor eine zentrale Rolle einnehmen und die weiteren Schritte maßgeblich prägen. Nun haben Interessierte die Möglichkeit, sich auf dieser Grundlage selbst ein Bild vom vorgesehenen Konzept zu machen und dessen Auswirkungen auf den Schutz der Kreuzkröte zu diskutieren.
Die Unterlagen werden vom 29. Juni bis 10. August im Stadtentwicklungsamt in der Storkower Straße 97 , 10407 Berlin öffentlich ausgelegt, Stellungnahmen können in diesem Zeitraum eingereicht werden. Auch eine digitale Beteiligung auf mein.berlin ist möglich.
Quellen: Pankower Tor, Bezirksamt Pankow, mein.berlin, NABU Berlin
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Der Link zu mein Berlin landet auf einer Seite mit letzter Bearbeitung 2022. Das passt irgendwie zur stiefmütterlichen Behandlung durch den Bezirk.