Im Streit um den Umbau des Jahn-Sportparks in Prenzlauer Berg wächst der Widerstand. Fachleute und Prominente stellen sich hinter die Bürgerinitiative Jahnsportpark und fordern ein Umdenken. Ihr Alternativkonzept „RESTART JSP“ setzt auf Nachhaltigkeit, Inklusion und den Erhalt von Grünflächen.

Visualisierung des Alternativkonzepts „RESTART JSP“ der Bürgerinitiative Jahnsportpark: Der Entwurf zeigt einen grünen, inklusiven und ressourcenschonend umgestalteten Sportpark, der den Bestand erhält und Raum für Breiten-, Schul- und Vereinssport schafft./ © Visualisierung: Bürgerinitiative Jahnsportpark
© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg spitzt sich der Konflikt weiter zu. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark wirft der Senatsverwaltung vor, rücksichtslos gegen Natur und Stadtgesellschaft vorzugehen. Nach dem Ende der Brutperiode habe die Verwaltung erneut Flächen gerodet und große Schneisen im Gelände geschaffen. Laut Initiative sollen fast 200 Bäume fallen, außerdem würden rund 30.000 Quadratmeter versiegelt.
Das geplante Stadion soll etwa 200 Millionen Euro kosten. Die Initiative sieht darin ein Symbol für falsche Prioritäten, weil Berlin gleichzeitig in Bildung, Kultur und Soziales kürzen will. Sie fordert deshalb einen sofortigen Baustopp und einen neuen Plan, der den Sportpark als offenen und grünen Ort für alle Berlinerinnen und Berliner erhält.
Alternativkonzept für den Jahn-Sportpark setzt auf Nachhaltigkeit: „RESTART JSP“ in Prenzlauer Berg
Mit dem Konzept „RESTART JSP“ will die Bürgerinitiative zeigen, dass es auch anders geht. Gemeinsam mit Architektinnen und Architekten hat sie ein Szenario entwickelt, das auf Sanierung und Umbau statt Abriss setzt. Ziel ist ein Sportpark, der inklusiv, klimafreundlich und ressourcenschonend ist. Bestehende Anlagen sollen erhalten bleiben und für Breiten-, Schul- und Vereinssport modernisiert werden.
Theresa Keilhacker von der Berlin-PlattForm lobt das Konzept. Sie sagt, es zeige eine praktikable und nachhaltige Lösung für kommende Generationen. Schauspieler Daniel Brühl betont, Berlin brauche Orte, die verbinden, und sieht den Jahn-Sportpark als Treffpunkt für Jung und Alt. Auch Professorin Luise Rellensmann von der Hochschule München erklärt, der Vorschlag könne ein Umdenken im Bauwesen anstoßen.
Kritik an Kosten und Dimension: Stadtgesellschaft in Prenzlauer Berg fordert Dialog
Viele Menschen in Prenzlauer Berg halten die Neubaupläne für überdimensioniert. Die Initiative warnt, dass das große Stadion und die Halle den Charakter des Sportparks zerstören könnten. Außerdem sei das Verkehrskonzept unzureichend, da es die Belastung bei Veranstaltungen nicht realistisch abbilde. Sie fordert daher eine nachhaltige Lösung, die Sport, Natur und Nachbarschaft verbindet.
Auch prominente Stimmen äußern sich zum Konflikt: Der Schriftsteller Wladimir Kaminer sagt, Berlin brauche Orte, die Zusammenhalt und Verantwortung stärken. Künstler Manfred Peckl kritisiert, dass der Breitensport durch die aktuellen Pläne in den Hintergrund gerate. Die Bürgerinitiative will deshalb das Gespräch mit dem Berliner Senat suchen. Ihr Ziel ist, den Bebauungsplan anzupassen und den Sportpark in eine inklusive und zukunftsfähige Richtung zu führen.
Quellen: Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, Bürgerinitiative Jahnsportpark, NaturFreunde Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, LOR Landschaftsarchitekten, Verein Pfeffersport, Bürgerverein Gleimviertel, rbb, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Architektenkammer Berlin, NOlympia
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Erst einmal frage ich mich, was Daniel Brühl zu dem Bauprojekt zu sagen hat, insbesondere, seit er nach Spanien verzogen ist. Und was soll das Gelabere „Berlin brauche Orte, die verbinden, und sieht den Jahn-Sportpark als Treffpunkt für Jung und Alt“. Genau nach diesem Grundsatz will der Berliner Senat mit den Neubauten Rechnung tragen. Diese Initiative ist symptomatisch für Deutschland: Hier kann selbst nicht ’ne zusätzlich Parkbank aufgestellt werden, ohne dass sich eine Bürgerinitiative bildet und man durch alle Instanzen klagt. M. E. sollte man bei Bauvorhaben die gesamte Bürgerbeteiligung abschaffen. Die Parlamente sind gewählt worden und repräsentieren insoweit ausreichend den Willen der Bevölkerung!
Und ansonsten dürfte der Bürgerinitiative das bekannte Nimby-Denken zugrunde liegen. Man befürchtet vor Ort, dass aus dem Neubau größere Belastungen erwachsen.