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Im Streit um die geplante Geflüchtetenunterkunft in Berlin-Pankow spitzt sich die Lage erneut zu. Trotz eines laufenden Genehmigungsstreits kündigt die landeseigene GESOBAU an, kurzfristig mit Baumfällungen beginnen zu wollen. Bezirk, Umweltverbände und Anwohnende halten dagegen und bereiten sich auf eine erneute Eskalation vor.

Visualisierung des Areals und der eingezeichneten Bäume die zum Teil gefällt werden müssten.

Die GESOBAU möchte Wohnungen für Geflüchtete in ihrer Siedlung zwischen Ossietzkystraße und Kavalierstraße am Schlosspark Schönhausen in Pankow errichten. Anwohnende stellen sich gegen die Rodung von Bäumen und fordern eine kleinere Bebauung. / © Visualisierung: Bezirksamt Pankow

© Visualisierung Titelbild: GESOBAU/ Zoomarchitekten Berlin
© Visualisierung: Bezirksamt Pankow

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Seit 2019 wird im Bereich zwischen Ossietzky- und Kavalierstraße im Bezirk Pankow über ein Bauvorhaben gestritten, das ursprünglich als reguläres Wohnprojekt begann. Geplant waren zunächst rund 170 Wohnungen. Nach Protesten aus der Nachbarschaft und politischen Debatten wurde das Projekt mehrfach angepasst und schließlich als Sonderbauvorhaben für Geflüchtete weiterverfolgt. Vorgesehen sind heute zwei Neubauten mit insgesamt 99 Wohnungen für bis zu 422 Menschen.

Zentraler Konfliktpunkt blieb von Beginn an der Eingriff in die begrünten Innenhöfe der bestehenden Wohnanlage. Für den Bau müssten mehr als 60 Bäume gefällt werden. Anwohnende organisierten sich in Initiativen und brachten gemeinsam mit Umweltverbänden Alternativvorschläge ein, die weniger Wohnungen und deutlich geringere Baumverluste vorsehen. Diese Ansätze fanden bislang weder beim Senat noch bei der GESOBAU Zustimmung.

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Verwaltungsgericht Berlin stoppt Baustart: Streit um artenschutzrechtliche Genehmigung

Im November 2025 stoppte das Verwaltungsgericht Berlin den geplanten Baustart. Es erklärte die vom Bezirksamt erteilte artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für rechtswidrig, da sie nicht hinreichend bestimmt sei. Betroffen sind Lebensräume streng geschützter Vogel- und Fledermausarten, darunter mehrere Fledermausarten, die in den Baumhöhlen der Innenhöfe nachgewiesen wurden.

In der Folge zog das Bezirksamt Pankow die Genehmigung zurück und kündigte an, einen neuen Bescheid zu prüfen. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Die GESOBAU nahm ihren entsprechenden Antrag zurück und vertritt nun die Auffassung, dass auf Basis bestehender Bau- und Fällgenehmigungen keine weitere artenschutzrechtliche Ausnahme erforderlich sei.

GESOBAU kündigt Baumfällungen an der Kavalierstraße an: Bezirksamt Pankow widerspricht

Trotz einer aktuellen Untersagungsverfügung des Bezirks kündigte die GESOBAU an, kurzfristig mit Baumfällungen beginnen zu wollen. Ziel sei es, noch vor Beginn der Schonfrist am 1. März Fakten zu schaffen. Aus Sicht des Unternehmens sei dies rechtlich zulässig, da man über gültige Genehmigungen verfüge, wie der Tagesspiegel mitteilte.

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Das Bezirksamt Pankow widerspricht dieser Darstellung deutlich. Man interpretiere den Gerichtsbeschluss nicht als Freigabe, sondern als Hinweis auf besonders hohe Anforderungen an den Artenschutz. Ohne neue Ausnahmegenehmigung würden Baumfällungen gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen. Entsprechend wurde eine weitere Untersagungsverfügung erlassen.

Proteste und politische Eskalation: Streit um GESOBAU-Projekt in Pankow spitzt sich zu

Anwohnende bereiten sich unterdessen auf erneute Proteste vor. Bereits Anfang 2024 hatte ein ähnlicher Versuch der GESOBAU zu Polizeieinsätzen und Baustopps geführt. Bürgerinitiativen kündigten Mahnwachen und rechtliche Schritte an, um mögliche Fällungen zu verhindern.

Auch politisch ist der Konflikt eskaliert. Der Berliner Stadtentwicklungssenator machte Verzögerungen beim Bezirk und der Naturschutzbehörde verantwortlich, während Kritiker dem Senat vorwerfen, rechtliche Bedenken zu ignorieren. Sollte es nicht kurzfristig zu einer neuen, rechtssicheren Genehmigung kommen, dürfte sich das Projekt erneut um Monate verzögern. Wie es nach der Schonfrist weitergeht, bleibt offen.

Quellen: Tagesspiegel, GESOBAU, Verwaltungsgericht Berlin, Berliner Morgenpost

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2 Kommentare

  1. Max 22. Januar 2026 at 14:12 - Reply

    popcorn raus!

  2. Isidor 22. Januar 2026 at 16:00 - Reply

    Die Gesobau zeigt sich in diesem seit Jahren zum Scheitern verurteilten Projekt unglaublich starrsinnig. Aber nun bewusst gegen geltendes Recht zu agieren, ja, das ist schon eine neue Dimension.

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