Der geplante Umbau der Torstraße sorgt weiter für Streit in Berlin-Mitte. Bei einer Dialogveranstaltung ging es vor allem um 32 geplante Baumfällungen, die Verkehrsplanung und die Frage, ob der Bezirk das Vorhaben noch stoppen kann.

Obwohl Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) gegenüber dem Bezirk Mitte betont, der geplante Straßenumbau „habe nichts mit Politik zu tun“, zeigte die Dialogveranstaltung ein anderes Bild. Immer deutlicher wird, wie sehr sich der Umbau der Torstraße inzwischen zu einem Wahlkampfthema entwickelt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Vor der Begegnungsstätte „Mehr Mitte“ in der Torstraße 190 wurde am 24. August erneut deutlich, wie sehr die geplante Umgestaltung die Menschen vor Ort beschäftigt. Bei der zweiten Dialogveranstaltung stellten sich unter anderem die Bezirksstadträte Ephraim Gothe (SPD) und Christopher Schriner (Bündnis 90/Die Grünen) den Fragen der Anwohnenden.
Dialogveranstaltung zur Torstraße: Bezirksstadträte stellen sich den Fragen der Anwohnenden
Gothe und Schriner erläuterten anhand eines Ausführungsplans, wie der westliche Abschnitt der Torstraße zwischen Chausseestraße und Gartenstraße künftig aussehen soll. Gothe ist im Bezirk für Stadtentwicklung und Facility Management zuständig, Schriner für Ordnung, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen.
Der geplante Umbau des insgesamt rund zwei Kilometer langen Straßenabschnitts liegt beim Senat. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt unter Senatorin Ute Bonde (CDU) verweist bei der Planung insbesondere auf die notwendige Rechtssicherheit des Vorhabens.
Umgestaltung der Torstraße: Worum es beim geplanten Umbau geht

Die Querschnittsplanung für den Umbau der Torstraße in Berlin-Mitte zeigt die künftige Aufteilung von Fahrbahn, Radwegen und Gehwegen zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz. / © Bild: SenMVKU
Der Umbau betrifft den rund zwei Kilometer langen Abschnitt zwischen Chausseestraße und Karl-Liebknecht-Straße. Der erste Teilabschnitt reicht bis zum Rosenthaler Platz. Die Senatsverwaltung plant, die bisherige vierspurige Aufteilung für den Autoverkehr grundsätzlich beizubehalten. Auf der Nordseite soll ein neuer Radfahrstreifen die dortigen Parkplätze ersetzen.
Der Baubeginn ist nach aktuellem Zeitplan für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Für den ersten Teilabschnitt wird mit einer Bauzeit von rund dreieinhalb Jahren gerechnet. Grund dafür sind vor allem umfangreiche Arbeiten an unterirdischen Leitungen, die zugleich einen großen Teil der veranschlagten Kosten ausmachen.
Kritik an den geplanten Maßnamen: 32 Bäume auf der Torstraße sollen weichen
Für besonders viel Unmut sorgt der geplante Umgang mit den Bäumen. 32 Bäume sollen entlang der Strecke gefällt werden. Das ist die Zahl, die auch die Senatsverwaltung selbst nennt. Dem stehen 24 geplante Neupflanzungen gegenüber.
Bei der Veranstaltung ging es deshalb nicht nur um die Zahl der Bäume, sondern auch um die Frage, wie sich die geplante Umgestaltung auf die Straße bei großer Hitze auswirken wird. Eine entsprechende Prüfung auf die Wirkung bei Hitzeperioden habe bislang nicht stattgefunden. Mehrere Anwohnende forderten daher, den Erhalt des vorhandenen Baumbestands stärker zum Ausgangspunkt der weiteren Planung zu machen.
Wie stark ist die Torstraße tatsächlich belastet?
Auch über die Verkehrsbelastung wurde an diesem Abend diskutiert. Ein Vertreter der Senatsverwaltung hatte von rund 20.000 Fahrzeugen pro Tag und einer sinkenden Tendenz gesprochen. Diese Einschätzung wurde aus dem Publikum angezweifelt. Gefordert wurde, die zugrunde liegende Verkehrsanalyse offenzulegen.
Gerade für Radfahrende ist die heutige Situation auf der Torstraße ein wichtiger Teil der Debatte. Auf weiten Abschnitten gibt es keine klare räumliche Trennung vom Autoverkehr. Christopher Schriner verwies deshalb auf das Ziel einer sicheren Verkehrsinfrastruktur, die allen Verkehrsteilnehmenden eine echte Wahlfreiheit ermöglicht; unabhängig davon, ob sie zu Fuß, mit dem Rad, im Bus oder im Auto unterwegs sind.
Umgestaltung der Torstraße: Planung läuft trotz Kritik weiter
Bei der Veranstaltung ging es damit immer wieder um dieselbe grundsätzliche Frage: Wie viel kann an der bisherigen Planung noch verändert werden? Ephraim Gothe fordert einen Planungsstopp vor dem anstehenden Regierungswechsel in Berlin.
Ob sich dieser noch durchsetzen lässt, ist offen. Denn während im Bezirk weiter über die geplante Gestaltung gestritten wird, läuft das Verfahren bereits weiter. Die Ausschreibung für den Umbau läuft seit Ende Juni, Angebote können bis Anfang September eingereicht werden.
Für die Torstraße wird es damit in den kommenden Wochen konkret. Noch wird über die geplante Gestaltung diskutiert – gleichzeitig werden bereits die nächsten Schritte für den Umbau vorbereitet.
Quellen: Bezirksamt Mitte, Informationsveranstaltung am 24. August
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