Der Streit um die Bäume in der Torstraße geht weiter. Während Anwohner protestieren, treibt der Berliner Senat die Vergabe für den Umbau voran.

In der Dialogveranstaltung mit Ephraim Gothe und Christopher Schriner wurde besonders deutlich, wie sehr sich der Umbau der Torstraße inzwischen zu einem Wahlkampfthema entwickelt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Der Streit um die geplante Umgestaltung der Torstraße geht in die nächste Runde. Während der Senat die Vorbereitungen für den Umbau weiter vorantreibt, versuchen Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende und Unterstützer der Bürgerinitiative „Lebendige Torstraße“, die geplanten Eingriffe noch zu verhindern. Im Mittelpunkt stehen weiterhin die Bäume entlang der Straße. Doch inzwischen geht es nicht mehr allein um die Planung, sondern zunehmend um die Frage, wann Fakten geschaffen werden.
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Torstraße zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz
- Projektstatus: Vergabeverfahren läuft
- Baubeginn: im vierten Quartal 2026
- Bauzeit: rund 3,5 Jahre für den ersten Teilabschnitt
- Bäume: 32 geplante Fällungen
Der Konflikt beschäftigt Berlin-Mitte inzwischen seit Monaten: der geplante Umbau der Torstraße und die Kritik an der Verkehrsplanung. Die Senatsverwaltung bestätigte, dass nach ihrem Stand 32 Bäume gefällt werden sollen. Und trotzdem hält sie grundsätzlich an ihrem Konzept fest.
Bäume in der Torstraße: Protest erreicht die nächste Phase
Der erste Teilabschnitt reicht von der Chausseestraße bis einschließlich Rosenthaler Platz. Die Fahrbahn soll bis zu 15,25 Meter breit werden. Auf der Nordseite soll ein Radfahrstreifen entstehen, während auf der Südseite der Radweg auf Gehwegniveau geführt werden soll. Die Gehwege sollen nach Angaben der Verwaltung mindestens 2,50 Meter breit bleiben.
Eine Bürgerinitiative setzt ihren Protest gegen den geplanten Umbau der Torstraße unterdessen fort. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich zuletzt mehr als 600 Menschen an einer Demonstration. Weitere Proteste sollen folgen.

Die Visualisierung des Senats zeigt, wie die Torstraße in Berlin-Mitte nach dem geplanten Umbau aussehen könnte – mit neuen Radwegen, neu geordneten Fahrspuren und mehr Grünflächen. / © Visualisierung: bloomimages
Auch Läden und Gastronomie an der Torstraße wehren sich
Der Widerstand kommt inzwischen auch aus den Geschäften und Restaurants entlang der Torstraße. Mehr als 50 Gastronomie- und Gewerbebetriebe hatten sich bereits in einem offenen Brief gegen die aktuellen Umbaupläne gestellt. Sie kritisieren vor allem, dass sie bei der Planung nicht ausreichend einbezogen worden seien. Zudem fürchten einige Betriebe wirtschaftliche Folgen durch die mehrjährige Baustelle.
Bei den Protesten zeigt sich diese Unterstützung inzwischen direkt auf der Straße. Beschäftigte und Betreiber stellen sich vor ihre Geschäfte und Restaurants und unterstützen die Demonstrationen. Sorgen bereiten ihnen neben Baulärm und möglichen Einschränkungen für die Kundschaft auch die geplanten Eingriffe in die Gehwege. Vor allem für die Außengastronomie könnte weniger Platz bleiben. Die Bäume spielen dabei ebenfalls eine Rolle: Sie spenden im Sommer Schatten und tragen aus Sicht der Gewerbetreibenden wesentlich zur Aufenthaltsqualität an der Torstraße bei.
Bezirk Mitte kann den Umbau der Torstraße nicht selbst stoppen
Auch politisch gibt es seit längerem Widerstand. Die Bezirksverordnetenversammlung fordert, gesunde Bäume zu erhalten und die Torstraße mit nur einem Kfz-Fahrstreifen je Richtung neu zu planen. Zudem sollen sichere Radwege, ausreichend breite Gehwege und der Klimaschutz stärker berücksichtigt werden.
Entscheidend ist jedoch die Zuständigkeit. Das Bezirksamt stellte im März 2026 ausdrücklich fest, dass der Bezirk den Umbau nicht stoppen oder eine Neuplanung erzwingen kann. Die Verantwortung liege bei der Senatsverwaltung. Der Bezirk könne Stellungnahmen abgeben und Bedenken anmelden, die Entscheidung über deren Berücksichtigung trifft jedoch der Senat.
Neu ist inzwischen ein weiterer Schritt: Ende August schrieb das Land auch die Bauoberleitung, die örtliche Bauüberwachung sowie die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination für den rund einen Kilometer langen ersten Abschnitt aus. Angebote dafür können bis zum 28. September 2026 eingereicht werden. Damit laufen inzwischen mehrere Verfahren, die unmittelbar auf die bauliche Umsetzung zielen.
Torstraße: Bauvergabe nähert sich der entscheidenden Phase
Auch bei der eigentlichen Straßenbauvergabe wird es konkret. Die Frist zur Angebotsabgabe wurde nach den aktuellen Vergabeinformationen bis zum 4. September verlängert. Der offizielle Projektstand des Senats lautet weiterhin: Baubeginn im vierten Quartal 2026. Für den Abschnitt zwischen Chausseestraße und Rosenthaler Platz kalkuliert die Verwaltung mit rund dreieinhalb Jahren Bauzeit.
Der zweite Teil östlich des Rosenthaler Platzes soll nach derzeitiger Planung deutlich später folgen. Der Senat nennt dafür einen Baubeginn ab Anfang 2031 und eine Bauzeit von etwa zweieinhalb Jahren. Hintergrund sind unter anderem Abstimmungen mit Leitungsbetrieben und der BVG.
Damit laufen zwei Prozesse parallel: Auf der Straße wächst der Widerstand gegen die geplanten Baumfällungen, während die Verwaltung die Vergabe vorbereitet. Ob der Protest noch Änderungen am Projekt erreicht, ist offen. Nach dem derzeitigen offiziellen Stand hält der Senat jedoch am Umbau und am vorgesehenen Baustart fest.
Umbau der Torstraße in Berlin-Mitte
Quellen: Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Bezirksamt Mitte, Bezirksverordnetenversammlung Mitte, Bürgerinitiative Lebendige Torstraße
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2 Kommentare
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Ich kann nur hoffen, dass der Senat an seinen Plänen festhält und die Torstrasse so umbaut wie geplant. Die Bezirke, vor allem Mitte, sind verkehrstechnisch völlig unfähig. Alles was sie vorschlagen ist reiner Populismus und degradiert Berlin zu einem Dorf in dem notwendiger Verkehr nicht mehr möglich ist. Das alles wäre noch nachvollziehbar, wenn diese Bezirke bzw. Parteien , wie Grüne, Linke oder SPD einen vernünftigen Ubahnausbau befürworten würden, der die einzige echte Alternative zur Reduzierung von wichtigen Verkehrsachsen darstellen würde. Aber das lehnen sie auch ab. Wenn man daran denkt, dass es wieder eine linke Stadtregierung geben wird, kann einem nur schlecht werden.
Mir wird schlecht wenn ich sowas höre. Berlin muss sich verändern. Dazu gehört klimagerechte Stadt, Bürgernähe, gerechte Verteilung der vorhandenen Verkehrsfläche.
Ein vernünftiges ÖPNV Netz. Die Stadt gehört nicht den Autofahrern sondern allen Berlinern.
Und ja, ich bin auch ein Autofahrer.
Mir kann schlecht werden wenn Leute wie der derzeitige Senat weiterhin in unserer Stadt mit Abrissbirne und hirnlosen Verkehrskonzepten die Stadt zerstören.
Über den Tellerrand, die Motorhaube schauen. Andere Städte und Länder haben uns da einiges voraus.