Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf beteiligt sich 2027 nicht an der Berliner Stadtbaumkampagne. Grund ist ein Streit mit der Senatsverwaltung über die aus Sicht des Bezirks zu geringen Anforderungen an die Pflanzbedingungen neuer Straßenbäume.

Der Streit um Bäume begleitet den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bereits seit Monaten. Auch auf der Mierendorffinsel sorgten geplante Eingriffe in den Baumbestand zuletzt für Diskussionen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Neue Straßenbäume sollen eigentlich ein sichtbares Zeichen für mehr Klimaanpassung in Berlin setzen. Doch beim Thema Neupflanzungen gibt es nun Streit zwischen dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Der Bezirk will sich an der Stadtbaumkampagne 2027 nicht beteiligen, und kritisiert die aus seiner Sicht zu niedrigen Qualitätsstandards bei den vorgesehenen Pflanzungen.
Die Stadtbaumkampagne unterstützt seit Jahren die Begrünung des Berliner Straßenraums. Die Bezirke melden geeignete Standorte, die Finanzierung erfolgt über die Senatsverwaltung. Charlottenburg-Wilmersdorf will künftig dennoch nicht auf zusätzliche Bäume verzichten: Nach Angaben des Bezirksamts sollen weiterhin 225 neue Bäume gepflanzt werden – allerdings außerhalb der Kampagne und nach strengeren eigenen Vorgaben.
Charlottenburg-Wilmersdorf kritisiert zu geringe Größe der Baumscheiben
Auslöser des Konflikts sind die Vorgaben für die Größe des Wurzelraums. Nach Angaben des Bezirksamts fordert die Senatsverwaltung für die Teilnahme an der Kampagne Baumscheiben mit einem durchschnittlichen Volumen von sechs Kubikmetern, maximal acht Kubikmetern. Der Bezirk hält diese Werte für nicht ausreichend.
Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger verweist auf die Empfehlungen der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL). Diese sehen demnach mindestens zwölf Kubikmeter Wurzelraum vor, bei größeren Bäumen sogar deutlich mehr. Nur ausreichend dimensionierte Pflanzräume könnten langfristig stabile und gesunde Bäume ermöglichen.
Nach Darstellung des Bezirks wurden seit April Gespräche mit der Senatsverwaltung geführt, um die Anforderungen anzupassen. Auch eine Übernahme möglicher Mehrkosten durch den Bezirk sei angeboten worden. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande.
Eigene Pflanzungen im Bezirk mit höheren Standards geplant
Das Bezirksamt sieht in den Vorgaben einen Widerspruch zu den Zielen der Klimaanpassung. Kleinere Baumscheiben könnten dazu führen, dass Flächen später erneut umgebaut und erweitert werden müssten, um Anforderungen an Regenwasserversickerung und das Prinzip der Schwammstadt zu erfüllen.
Trotz des Ausstiegs aus der Kampagne sollen die geplanten Baumpflanzungen umgesetzt werden. Die Finanzierung erfolgt laut Bezirk über eingeworbene Fördermittel des Bundes. Ziel sei es, den Bäumen bessere Entwicklungsbedingungen zu bieten und ihre langfristige Funktion für das Stadtklima zu sichern.
Die Senatsverwaltung hat sich bislang nicht öffentlich zu der Kritik des Bezirks geäußert. Der Konflikt zeigt jedoch eine grundsätzliche Debatte innerhalb der Berliner Klimaanpassungspolitik: Während die Stadtbaumkampagne eine möglichst große Zahl neuer Bäume fördern soll, pochen einzelne Bezirke stärker auf langfristige Qualität und nachhaltige Pflegebedingungen.
Quellen: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
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4 Kommentare
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Qualität kostet kurzfristig Geld, zahlt sich aber langfristig aus. Aber unser Senat denkt ja nur in 5-Jahres-Zeiträumen! Gesunde Bäume brauchen Jahrzehnte bis sie groß sind!!!
Danke an dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf! Weiter so!
2 Milliarden Euro für Bäume in einer der grünsten, wahrscheinlich der grünsten Metropole der Welt, die aber in Schulden und wirtschaftlichem, sozialem, kulturellem und finanziellem Niedergang versinkt. Das ist so aberwitzig verrückt, das kann man sich gar nicht ausdenken, aber das bekommt man in Berlin zugemutet. Kriegst Du vom Kopfschütteln Schleudertrauma.
So is‘ es … es ist zum Weinen!