Zwischen Pasedagplatz und dem S+U-Bahnhof Pankow soll bis 2031 eine neue Straßenbahnlinie entstehen. Doch das Vorhaben sorgt für Unmut: Kleingärtnerinnen und Kleingärtner in Pankow fürchten um den Erhalt ihrer Parzellen – und haben eine Petition gestartet.

Die geplante Straßenbahnlinie soll vom Pasedagplatz bis zum S+U-Bahnhof Pankow führen. Entlang der Strecke sind Haltestellen an der Rudolf-Spitzley-Straße, Heinersdorf Kirche, Neukirchstraße, Sleipnerstraße, Retzbacher Weg und Granitstraße/Neumannstraße vorgesehen. Eine zusätzliche Umsteigemöglichkeit zur S-Bahn entsteht am Bahnhof Pankow-Heinersdorf. / © Foto: Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG, Thomas Krahl
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Lukas Beck, CC BY 4.0
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Im Berliner Bezirk Pankow plant die Senatsverwaltung eine neue Straßenbahnlinie. Die rund fünf Kilometer lange Strecke soll vom Pasedagplatz in Weißensee bis zum S+U-Bahnhof Pankow führen und dabei unter anderem das künftige Stadtquartier „Pankower Tor“ anbinden. Der geplante Neubau soll bis 2031 fertiggestellt werden und neun Haltestellen umfassen. Ziel des Projekts ist es, eine wichtige Lücke im ÖPNV-Netz zwischen Pankow, Heinersdorf und Weißensee zu schließen.
Geplant ist ein Betrieb im Zehn-Minuten-Takt mit Umsteigepunkten zur S-Bahn in Pankow-Heinersdorf sowie zur Straßenbahnlinie M2. Die Tangente soll zentrale Knotenpunkte erschließen und laut Prognosen täglich über 5.000 Fahrgäste befördern. Die Kosten belaufen sich auf rund 75 Millionen Euro. Noch bis zum 2. Juni läuft das Beteiligungsverfahren über die Plattform mein.berlin.de.
Umstrittener Streckenverlauf: Neue Straßenbahntrasse führt durch Kleingartenkolonie in Pankow
Kritik entzündet sich nun vor allem an einem konkreten Abschnitt der geplanten Route. Ab der Sleipnerstraße soll die Trasse in nordwestlicher Richtung durch die traditionsreiche Kleingartenanlage „Feuchter Winkel Ost“ verlaufen. Dort sehen die Pläne einen Durchbruch zwischen bestehenden Parzellen vor. Die Straßenbahn würde anschließend entlang der Bahngleise weitergeführt, unter der Heinersdorfer Brücke hindurch bis ins neue Quartier am Pankower Tor.
Pächter der betroffenen Kolonie kritisierten gegenüber dem Tagesspiegel, dass durch die Umsetzung der Vorzugsvariante ein Teil der Anlage zerstört werde. Die KGA bestehe seit Jahrzehnten, über 100 Pächterinnen und Pächter nutzten die Parzellen – viele davon in zweiter oder dritter Generation. Schon die benachbarte Anlage „Feuchter Winkel West“ sei im vergangenen Jahr für ökologische Ausgleichsflächen geräumt worden.
Petition fordert Trassenänderung und Erhalt gewachsener Strukturen in den Kleingärten
Aus Sorge um ihre Gärten und sozialen Netzwerke haben die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner eine Petition beim Berliner Abgeordnetenhaus eingereicht. Sie fordern eine Überprüfung der Planung und alternative Trassenführungen, die den Ausbau des Nahverkehrs ermöglichen, ohne bestehende grüne und soziale Räume zu zerstören, so der Tagesspiegel.
Die Petition betont, dass Kleingärten nicht nur Freizeitnutzung darstellen, sondern auch ökologische Funktionen übernehmen. Sie bieten Rückzugsräume für Tiere, regulieren das Mikroklima und stärken die nachbarschaftliche Identität. Die Initiatoren verlangen, dass diese Funktionen bei der Abwägung der Planungsvarianten stärker berücksichtigt werden.
Zwischen öffentlichem Bedarf und privatem Protest: Planung bleibt bis 2026 offen
Ob die Petition politischen Einfluss entfaltet, bleibt abzuwarten. Derzeit prüft die Senatsverwaltung die Rückmeldungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung. Nach Angaben des Bezirks ist der Trassenverlauf zwar planungsrechtlich begründet, aber noch nicht endgültig beschlossen. Möglich wären etwa Varianten entlang bestehender Hauptverkehrsstraßen, die weniger in bestehende Grünstrukturen eingreifen würden.
Bis zum Abschluss der Vorplanung im kommenden Jahr könnten sich noch Änderungen ergeben. Klar ist jedoch: Der Bedarf an einer leistungsfähigen Verbindung zwischen Weißensee und Pankow wächst – ebenso wie der Widerstand gegen deren konkrete Ausgestaltung.
Quellen: Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Mein.Berlin.de, Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
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