Das Straßenbahnprojekt nach Krampnitz muss neu aufgestellt werden. Die ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH hat den Vertrag mit dem bisherigen Generalplaner beendet und bereitet nun neue Ausschreibungen vor. Trotz Verzögerungen schreiten einzelne Planungen weiter voran.

Visualisierung der künftigen Straßenbahnverbindung nach Krampnitz: Über eine neue Brücke soll die Tram die Havel queren und damit eine direkte Anbindung des neuen Stadtquartiers mit bis zu 10.000 Einwohnern schaffen. / © Vip/LHP
© Titelbild:Wikimedia Commons, A.Savin, FAL
Die Verlängerung der Tramlinie gilt nicht nur als reines Verkehrsprojekt, sondern auch als städtebauliches Schlüsselvorhaben. Das neue Quartier in Krampnitz soll eng mit der bestehenden Infrastruktur verbunden werden, damit Wohnen, Arbeiten und Freizeitangebote sinnvoll miteinander verknüpft sind. Eine leistungsfähige Straßenbahnverbindung schafft die Voraussetzung dafür, dass die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner ohne Auto mobil sein können und gleichzeitig die Innenstadt entlastet wird.
Gleichzeitig verfolgt die Stadt Potsdam mit der Tramverlängerung klare ökologische Ziele. Die Verbindung wird vollständig mit Ökostrom betrieben, wodurch der öffentliche Nahverkehr nicht nur eine schnelle, sondern auch eine umweltfreundliche Alternative zum Auto darstellt. Damit knüpft Potsdam an seine Strategie an, nachhaltiges Wachstum und klimafreundliche Mobilität zusammenzuführen.
Vertragsbeendigung durch die Verkehrsbetriebe Potsdam: ViP kündigt Zusammenarbeit mit Planungsbüro
Die ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH hat den Vertrag mit der Arbeitsgemeinschaft Obermeyer/Ramboll für die Planung der Straßenbahn nach Krampnitz beendet. Ursprünglich sollte das Büro eine genehmigungsfähige Planung für alle Bauabschnitte erarbeiten, die als Grundlage für die Planfeststellungsbeschlüsse dienen sollte. Nach Angaben der ViP führten jedoch erhebliche Fehler in den Unterlagen sowie Verzögerungen von rund anderthalb Jahren zu dieser Entscheidung.
Darüber hinaus stellte die ARGE die Arbeiten zeitweise ein, nachdem der Landesbetrieb für Bauen und Verkehr Nachbesserungen gefordert hatte. Statt die gewünschten Änderungen umzusetzen, verlangte die ARGE zusätzliche Zahlungen für einen Mehraufwand, der nach Einschätzung der ViP nicht durch den bestehenden Vertrag abgedeckt war. Diese Konflikte führten schließlich zu einer grundlegenden Störung der Zusammenarbeit.
Streit um Bürgschaft mit Generalplaner: Unterschiedliche Erwartungen führten zu Kündigung
Ein weiterer Streitpunkt ergab sich aus der Forderung der ARGE nach einer Bankbürgschaft über eine Million Euro. Die ViP bat um Aufschub, um die notwendigen Gremienbeschlüsse einzuholen. Doch noch bevor diese vorlagen, kündigte die ARGE den Vertrag am 10. Juli 2025. Die ViP reagierte darauf mit einer eigenen Kündigung wenige Tage später. Laut Unternehmen wäre die Bürgschaft grundsätzlich möglich gewesen, jedoch nicht unter dem geforderten Zeitdruck.
ViP-Geschäftsführer Uwe Loeschmann erklärte, die Beendigung der Zusammenarbeit eröffne die Möglichkeit, das Projekt mit neuen Partnern zielgerichtet fortzusetzen. Derzeit bereite das Unternehmen die Ausschreibungen für die fehlenden Planungsphasen vor. Da die Wertgrenzen unterschritten werden, sei keine europaweite Ausschreibung notwendig. Auf diese Weise sollen weitere Verzögerungen möglichst vermieden werden.
Projektfortschritt bei der Planung der Tram 96: Erste Verfahren konnten bereits eingeleitet werden
Trotz der Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit dem bisherigen Planungsbüro gibt es beim Projekt konkrete Fortschritte. So wurden in Abstimmung mit dem Landesbetrieb für Bauen und Verkehr bereits die Planfeststellungsverfahren für den zweigleisigen Ausbau im Bereich der Roten Kaserne sowie für den neuen Abschnitt ab dem Campus Jungfernsee gestartet. Beide Verfahren befinden sich derzeit in der Prüf- beziehungsweise Auslegungsphase.
Die ViP betont, dass man gemeinsam mit den zuständigen Behörden daran arbeite, die Planungen ohne weitere Verzögerungen voranzubringen. Parallel dazu laufen die juristische Aufarbeitung und die Abstimmungen mit Projektpartnern. Ziel sei es, die Straßenbahnverbindung nach Krampnitz in einem geordneten Verfahren weiterzuführen und damit eine entscheidende Infrastrukturmaßnahme für Potsdam umzusetzen.
Quellen: ViP, Tram 96, Landeshauptstadt Potsdam
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