Die geplante Straßenbahnstrecke auf der Mierendorffinsel in Charlottenburg-Wilmersdorf sorgt für Diskussionen. Ein neues Gutachten legt nahe, dass die bisherige Trassenführung erhebliche ökologische und gesundheitliche Folgen haben könnte. Nun fordert das Bezirksamt eine klima- und sozialverträglichere Alternative.

Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf fordert eine neue Trassenführung für die geplante Straßenbahn auf der Mierendorffinsel. / © Foto: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, von Kentzinsky
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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Joe Mabel, CC BY-SA 4.0
Die Mierendorffinsel in Charlottenburg-Wilmersdorf ist in den vergangenen Jahren zu einem lebendigen Stadtentwicklungsgebiet geworden. Neue Bürogebäude wie das „AERA“, moderne Wohnquartiere und der Ausbau von Radwegen sollen das Quartier zukunftsfähig machen. Doch die geplante Straßenbahnlinie, die die Insel besser anbinden soll, sorgt für Unruhe.
Ein aktuelles Gutachten stellt die bisherige Streckenführung infrage. Nach den Plänen würde die Tram über Kaiserin-Augusta-Allee, Osnabrücker Straße und Tegeler Weg verlaufen. Dort stehen zahlreiche ältere Straßenbäume, die, so das Bezirksamt, für das Mikroklima der dicht bebauten Insel eine wichtige Rolle spielen.
Mierendorffinsel in Charlottenburg-Wilmersdorf: Bäume als Klimaanlage der Stadt
Gerade an heißen Sommertagen tragen die Bäume wesentlich dazu bei, die Umgebung zu kühlen. Sie spenden Schatten, filtern die Luft und helfen, Extremtemperaturen abzumildern. Laut Gutachten müsste für die geplante Trasse ein erheblicher Teil dieser Bäume weichen. Das hätte nicht nur ökologische, sondern auch gesundheitliche Folgen.
Die Studie warnt davor, dass der Verlust der Bäume den sogenannten „kühlenden Effekt“ der Straßenräume beseitigen würde. Besonders ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich vorbelastete Anwohnende wären durch die höhere Hitzebelastung betroffen.
Konkrete Zahlen zu Ökosystemleistungen; Route über Gaußstraße und Olbersstraße als Alternative
Die Gutachter haben die Auswirkungen erstmals in konkreten Geldwerten beziffert. Demnach würden durch die Fällungen über zehn Jahre hinweg sogenannte Ökosystemleistungen im Wert von über vier Millionen Euro verloren gehen. Bei einer alternativen Route über Gaußstraße und Olbersstraße wären nur wenige junge Bäume betroffen. Der Verlust läge hier bei lediglich 300.000 Euro.
Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger sieht in den bisherigen Regelungen zum Ausgleich solcher Eingriffe große Lücken. Viele Faktoren blieben unberücksichtigt, die Kosten trügen am Ende die Menschen vor Ort, so der Stadtrat sinngemäß. Er fordert deshalb, die urbane Aufheizung durch geeignete Maßnahmen vollständig auszugleichen.
Straßenbahn für die Mierendorffinsel: Forderung nach überarbeiteter Planung
Für Schruoffeneger ist das Gutachten eine wichtige Grundlage, um die Auswirkungen der Straßenbahnplanung umfassend zu bewerten. Es zeige deutlich, dass es mehr brauche als pauschale Ausgleichszahlungen. Stattdessen müsse der Bezirk realistisch bilanzieren, welche Klimafolgen entstehen, um gezielt gegenzusteuern.
Ob die Landespolitik die Empfehlung aufgreift und die Trasse neu geplant wird, bleibt abzuwarten. Für die Mierendorffinsel könnte eine klimaangepasste Streckenführung jedoch ein Beispiel dafür werden, wie Verkehrsprojekte und Umweltschutz besser zusammengebracht werden können.
Quellen: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Bauwens GmbH & Co. KG, Berliner Woche, Architektur Urbanistik Berlin, Deutsches Architektur Forum, Berliner Morgenpost, rbb Abendschau, Berliner Woche, DB Bauzeitung, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, DEGEWO, HAMBURG TEAM, OTTO WULFF, ZIEGERT Group, INCEPT GmbH, allmannwappner, GEWOBAG, Architektur Urbanistik Berlin, iducia Investment GmbH
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6 Kommentare
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Die Straßenbahn würde in der Mitte der Straße verlaufen, die Bäume stehen jedoch am Rand. Das heißt, wenn Bäume fallen, dann nicht für die Straßenbahn, sondern für andere Maßnahmen bei der Neugestaltung der Straße, etwa für Parkplätze oder Radwege, Dort, wo die Straßenbahn fahren soll, stehen die Bäume jedenfalls nicht!
Die Straßenbahn muss dort entlang, wo die meisten Menschen sie gut erreichen können und damit die beste Nutzungsrate für den ÖPNV erreicht wird. Die bisherige Routenführung geht entsprechend zentral über die Insel und den Mierendorffplatz, wo eine wichtige Umsteigeoption in die U-Bahn besteht. Also bitte die Bauplanung unbedingt sehr sensibel baumfreundlich gestalten (!), aber nicht deshalb eine irrsinnige Schienenführung für 100 Jahre festschreiben.
War gestern am „Aera“. Schlüsselfertig, aber noch nicht bezogen und doch schon Opfer unserer „Straßenkünstler“. Gleich dem Instinkt von Straßenkötern müssen sie alles makieren, was vermeintlich zu ihrem Revier gehört… Das ist so unfassbar und gleichsam so traurig. Aber paßt zu diesem Kiez.
Früher fuhr die Straßenbahn 55 noch in der Tauroggner Str. Das habe ich als Kind noch erlebt. Verstehe nicht warum die Bahn jetzt nicht die Streckenführung gebaut werden soll. Denn die alten Strecken waren nach meiner Meinung die gleiche. Und die Bäume sind auch nicht im Weg.
Eine Überprüfung würde wiederholt geld kosten und zeit verstreichen lassen, wenn die Planung abgeschlossen ist dann auch umsetzen.
Ja,ja. Zuerst sagen alle ja zur Straßenbahn. Wenn um die Umsetzung dann heißt es geht nicht, geht nicht. Die alten Trassenführung wäre für den heutigen Verkehr nicht umsetzbar. Alles Fadenscheinige Gründe um die Straßenbahn nicht zu bauen. Ich kenne die Kaiserin Augusta -Allee, es wäre bestimmt möglich dadurch zubauen. Es müssen nur kreative Lösungen her. Aber im genau so wie in Spandau. Wo es heißt es heißt geht. Dafür aber bitte die U-Bahn und S-Bahn ausbauen. Wobei die S-Bahn hätte schon längst ausgebaut sein könnte.