Die Straßenbahn soll künftig direkt am Berliner Ostkreuz halten. Doch das Verfahren stockt weiter. Nun zeichnet sich eine Lösung für ein zentrales Problem ab.

Eine neue Berliner Straßenbahn der BVG: Am Ostkreuz soll die Tram künftig direkt unter den Ringbahnbrücken halten. Das Planfeststellungsverfahren für die neue Strecke läuft jedoch weiter. / © Foto: BVG / Florian Bündig
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Straßenbahn soll eines Tages direkt unter den Ringbahnbrücken am Ostkreuz halten. Dafür plant Berlin eine neue Strecke über die Sonntagstraße und den Bahnhofsvorplatz. Das Vorhaben beschäftigt Senat, BVG und Anwohner jedoch schon seit vielen Jahren. Neue Angaben zeigen nun, warum das Planfeststellungsverfahren noch immer nicht abgeschlossen ist – und welche technische Lösung einen der Konflikte entschärfen könnte.
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg
- Projekt: Straßenbahnneubaustrecke Marktstraße – Ostkreuz – Wühlischplatz
- Streckenlänge Neubau: rund 1,2 Kilometer zwischen Marktstraße und Wühlischplatz
- Projektstatus: Planfeststellungsverfahren läuft
Der Bahnhof Ostkreuz ist längst zu einem großen Berliner Verkehrsknoten geworden. Bei der Straßenbahn besteht dagegen weiterhin eine Lücke. Die Linie 21 fährt über die Boxhagener Straße am Bahnhof vorbei. Fahrgäste müssen deshalb einen vergleichsweise langen Fußweg zwischen Straßenbahn und S- oder Regionalbahn zurücklegen. Die neue Strecke soll diese Situation grundlegend ändern.
Geplant ist eine rund 1,2 Kilometer lange Neubaustrecke. Von der Marktstraße sollen die Gleise über eine neue Straße zum Ostkreuz führen. Direkt unter den Ringbahnbrücken ist eine Haltestelle vorgesehen. Anschließend soll die Straßenbahn über den westlichen Bahnhofsvorplatz und die Sonntagstraße zum Wühlischplatz fahren. Über Holtei- und Boxhagener Straße erreicht sie wieder das bestehende Netz. Soweit der Plan.
Straßenbahn am Ostkreuz: BVG muss Einwendungen noch beantworten
Das Planfeststellungsverfahren zieht sich allerdings weiter hin. Die jüngste öffentliche Auslegung der Unterlagen lief vom 19. August bis 18. September 2024. Die dabei eingegangenen Stellungnahmen und Einwendungen liegen seit dem bei der BVG. Eine abschließende Erwiderung des Unternehmens steht jedoch weiterhin aus. Erst danach kann die nächste Erörterung stattfinden.
Es ist nicht die erste zusätzliche Runde in dem Verfahren. Bereits 2021 mussten Unterlagen erneut ausgelegt werden. Damals fehlten bei der Online-Veröffentlichung versehentlich das Baulärmgutachten und das Gutachten zu baubedingten Erschütterungen. Die analoge Auslegung im Bezirksamt Lichtenberg war dagegen vollständig. Das kostete Zeit.
Sonntagstraße: Oberleitung kollidiert mit zweiten Rettungswegen
So richtig voran geht es aber weiter nicht. Zu den schwierigsten aktuellen Fragen gehört die geplante Oberleitung in der dicht bebauten Sonntagstraße. Bei Gebäuden kann der zweite Rettungsweg über Leitern oder Hubrettungsfahrzeuge der Feuerwehr führen. Fahrleitungen können dabei zum Hindernis werden. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurde deshalb in das Verfahren einbezogen. Zusätzlich stimmen sich die Beteiligten mit der Obersten Bauaufsicht ab.
Inzwischen zeichnet sich zumindest technisch eine Lösung ab. Untersucht werden sogenannte Erdungskurzschließer. Mit dieser Technik kann die Feuerwehr die Fahrleitung im Einsatzfall spannungsfrei schalten und erden. Der Senat bezeichnet das Verfahren ausdrücklich als geeignetes Mittel auch für Berlin.
Die BVG untersucht derzeit, ob die Rettungskörbe der Feuerwehr an den jeweiligen Stellen physisch zwischen den Teilen der Fahrleitung hindurchpassen. Eine pauschale Lösung für jeden Standort gibt es nach Angaben der BVG jedoch nicht.
Ostkreuz: Warum nicht wenigstens ein Teil der Strecke gebaut wird
Eine weitere Möglichkeit wäre theoretisch, das Verfahren zu teilen und zunächst einen weniger umstrittenen Abschnitt zwischen Rummelsburg und Ostkreuz umzusetzen. Genau danach wurde der Senat in der aktuellen parlamentarischen Anfrage gefragt. Seine Antwort fällt knapp aus: Die BVG habe keinen entsprechenden Antrag gestellt. Das Verfahren läuft deshalb weiterhin für das Gesamtvorhaben.
Damit bleibt auch die geplante Linie 22 von der Entwicklung betroffen. Ursprünglich soll sie das Angebot der Linie 21 ergänzen und unter anderem die wachsenden Wohngebiete in Rummelsburg und Karlshorst besser anbinden.
Linie 22 startet vorerst nicht – Linie 21 fährt häufiger
Den nördlichen Teil der Linie 22 will die BVG derzeit nicht vorzeitig in Betrieb nehmen. Hintergrund ist die Strategie „Stabilität vor Wachstum“: Die Verkehrsleistung der BVG soll aktuell nicht weiter steigen. Stattdessen nutzt das Unternehmen frei werdende Kapazitäten für eine andere Verbindung.
Ab Dezember 2026 ist eine Taktverdichtung der Linie 21 zwischen Blockdammweg und Marktstraße vorgesehen. Dort liegt die Nachfrage nach Angaben des Senats höher als auf dem geplanten nördlichen Abschnitt der Linie 22. Als einen Grund nennt er den Wohnungsneubau in Rummelsburg und Karlshorst. Wann schließlich Straßenbahnen direkt am Ostkreuz halten können, bleibt dagegen weiter nicht absehbar.
Straßenbahnneubaustrecke Ostkreuz
Quellen: Abgeordnetenhaus von Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26745, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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7 Kommentare
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Was für mich hier vollkommen klar ist, bei der Berliner Feuerwehr sitzen oben ein paar Sesselfurzer und Wichtigtuer, die sich ständig neue G’schichten ausm Paulanergarten ausdenken, weil sie persönlich die Straßenbahn hassen. Anders kann diese Posse und Realsatire mittlerweile nicht mehr bezeichnet werden. So geht auch an anderer Stelle der Planung von Linien genau so weiter.
Seit drölfzehnjahren fahren Straßenbahnen in Berlin, überall in Deutschland, Europa und der Welt herum und ausgerechnet bei der 21 fing die Geschichte an, dass es althergebracht nicht mehr gehen soll. Wahrscheinlich gibt es bei diesen Herren bei der Berliner Feuerwehr erst seit Neuestem Leiterwagen. Kann schon mal vorkommen.
Ich habe es so satt, dass diese Personalien und Nimbys die gesamte Stadt mittlerweile lähmen, schädigen und letztlich zerstören. Dass ausgerechnet die Berliner Feuerwehr zum großen Nimby generiert, geht auf keine Kuhhaut. Die Verantwortlichen dort gehören definitiv abgesetzt, entlassen, in den Ruhestand versetzt, entfernt.
Und der Baustart gehört endlich in Gang gesetzt und nach neuem Bundesgesetz beschleunigt. Der nächste Senat muss unbedingt die Klagemöglichkeiten einschränken, denn wer diese Verfahren über Jahre missbraucht und ad Absurdum führt, hat am Ende allen keinen Gefallen getan.
Berlin braucht die 21, Berlin braucht den Ausbau des ÖPNV und weiterer zahlreicher Projekte. Schnell, effizient und startbereit. So kann und darf das nicht mehr weitergehen.
So, Rant zuende. Danke fürs Lesen.
Was macht die Feuerwehr eigentlich in den ganzen anderen Berliner altstadtstrassen, wo es schon seit Jahrzehnten Straßenbahnen gibt und „Häuser“ an den Strecken, wie Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Mitte, Lichtenberg, Köpenick….. ?
Ansonsten könnte man ja mal ins Ausland schauen, wo man weiter ist und für die Zukunft baut und vor allem denkt und plant.
Dort gibt es Batterietrams,Trams , die ihre fahrenergie aus dem Boden beziehen, teilweise zur Überbrückung von fehlenden Oberleitungen.
Siehe z.B. Moskau oder verschiedene chinesische Städte, aber die sind bei der Entwicklung des städtischen Verkehrs ehe schon ein Jahrhundert weiter( gefühlt).
In einen anderen Bericht hatte der Sprecher der Feuerwehr gesagt, dass diese nur eine beratende Funktion hätten.
D.h. Es verhindert theoretisch keine Genehmigung wenn es den politischen Willen gäbe.
Da es quasi eine Verlegung der Tramstrecke ist, kann ich die Bedenken der Anwohner wegen Parken etc. Auch nicht verstehen, da im gleichen Maße eine Straße weiter entlastet wäre. Da jetzt übrigens die alten Gleise zu erneuern zu müssen bis die neue Stecke gebaut würde, wäre übrigens der größte Schildbürgerstreich.
NIMBY-Politik lässt grüßen.
Schon komisch, dass es nun gerade hier so ein riesiges Problem darstellt. Es gibt so viele Bestandstrassen, wo es keinen interessiert.
So ein Unsinn. In Wien fahren die Straßenbahnen durch lauter enge Gassen. Das kann also nicht stimmen. Das stimmt genau sow wenig, wie die Feuerwehr auf der Kantstraße durch den Radweg/Parkspur behindert wird. Dann müsste man in Berlin mindestens die Hälfte der Parkplätze in Nebenstraßen verbieten, dort ist es oft noch enger. Wo kommen diese Lügen her und warum wird überhaupt darauf eingegangen?
Was ich auch nicht verstanden habe ist das man die Line nicht gleich nach dem Bahnhof in die Neue Bahnhofstraße und dann in die Boxhagener Str. führt. Die Strecke durch die Sonntagsstraße erschien mir schon immer suspekt. Die Neue Bahnhofstraße wäre auch aus meiner Sicht breiter als die Sonntagsstraße.
Ich frage mich die ganze Zeit warum die 21 überhaupt durch die kuschelige Sonntagstraße gelegt werden soll und nicht – was auch viel weniger Schienenbau bedeuteten würde – durch die leere, viel breitere Bahnhofstraße.