Berlins Straßenbäume stehen seit Jahren im Mittelpunkt hitziger Debatten: Fällungen, Trockenheit und fehlende Nachpflanzungen sorgen regelmäßig für Kritik. Nun zeigt der neue Straßenbaum-Zustandsbericht 2025 erstmals seit Langem wieder eine positive Entwicklung.

Trotz besserer Zustandswerte bleiben Fällungen ein Konfliktthema: In der Ollenhauerstraße kämpfen Anwohner um den Erhalt von 116 Bäumen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Ob an der Karl-Marx-Allee, für neue Radwege oder Bauprojekte: zuletzt dominierten Meldungen über Baumfällungen die Diskussion um das Berliner Stadtgrün. Zugleich wächst die Zahl der Nachpflanzungen vielerorts nicht im gleichen Tempo wie die Verluste. Ausgerechnet vor diesem Hintergrund meldet der Senat nun eine Trendwende: Laut dem neuen Straßenbaum-Zustandsbericht 2025 hat sich die Vitalität der Berliner Straßenbäume erstmals seit Jahren wieder verbessert.
Der Bericht zeigt, dass 2025 rund 47 Prozent der untersuchten Straßenbäume als gesund eingestuft werden. Bei der vorherigen Erhebung im Jahr 2020 lag dieser Anteil noch bei etwa 44 Prozent. Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei den Platanen aus: Der Anteil gesunder Bäume stieg innerhalb von fünf Jahren von 30 auf 40 Prozent. Auch beim Ahorn ist eine leichte Verbesserung zu erkennen, von 29 auf 33 Prozent. Die Linde, mit rund 61 Prozent Anteil die häufigste Straßenbaumart der Stadt, blieb mit 54 Prozent gesunden Bäumen hingegen nahezu stabil.
Berliner Stadtgrün: Pflege und Investitionen sollen Entwicklung fortsetzen
Der Senat wertet die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass die verstärkte Pflege des Straßenbaumbestands Wirkung zeigt. Umweltstaatssekretär Andreas Kraus erklärte, die Entwicklung zeige, dass Berlin „auf dem richtigen Weg“ sei, betonte jedoch zugleich, dass die aktuellen Werte noch nicht ausreichten. Gerade angesichts zunehmender Hitzeperioden und längerer Trockenphasen müsse die Stabilisierung des Baumbestands weiter vorangetrieben werden.
Dafür sollen die Bezirke zusätzliche Mittel erhalten. Für die Jahre 2026 und 2027 stellt das Land jeweils 3,25 Millionen Euro pro Jahr bereit, um die Pflege und den Erhalt der Straßenbäume zu unterstützen. Die Zustandsbewertung basiert auf regelmäßigen Untersuchungen, die Berlin bereits seit 1978 durchführt. Mithilfe von Colorinfrarot-Luftbildern wird dabei die Vitalität der Baumkronen analysiert. Der aktuelle Bericht ist die zehnte Untersuchung dieser Art und ermöglicht damit einen Vergleich über fast fünf Jahrzehnte.
Positive Zahlen ändern nichts an der Baumdebatte
Die aktuellen Zahlen stehen allerdings in einem Spannungsfeld: Während der Zustand vieler Bäume stabiler wird, bleibt der Umgang mit dem Berliner Baumbestand politisch und gesellschaftlich umstritten. Die Diskussion um eine neue Baumschutzverordnung hat zuletzt gezeigt, wie schwierig der Ausgleich zwischen Klimaschutz, Nachverdichtung, Infrastrukturprojekten und dem Erhalt gewachsener Grünstrukturen ist.
Auch konkrete Projekte sorgen immer wieder für Konflikte. Bei den geplanten Eingriffen entlang der Karl-Marx-Allee in Mitte etwa wurde kritisiert, dass zahlreiche Bäume gefällt werden sollen, obwohl ein Teil von ihnen nach Einschätzung von Beteiligten nicht akut geschädigt ist.
Der neue Zustandsbericht liefert damit zwar Anlass für vorsichtigen Optimismus. Er zeigt aber auch, dass der Erhalt der Berliner Straßenbäume weiterhin eine langfristige Aufgabe bleibt – nicht nur durch Pflege und Nachpflanzungen, sondern auch durch Entscheidungen darüber, welche Bäume künftig überhaupt im Stadtbild erhalten bleiben.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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Guten Tag,
vielen Dank für die Meldung. In der Tat ist erfreulich zu sehen, dass der Zustamd des Baumbestands – langsam, aber – in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit bekommt.
Die Zahlen der SenMVKU sollten jedoch nicht ohne Kontext einfach aus der Pressemitteilung übernommen werden. Warum?
Die (leichte) Verbesserung der Bestandsbewertung ist direkt an die noch immer stark negative Bilanz der Zu- und Abgänge von Straßenbäumen gekoppelt.
Vereinfacht: Es wurden auch 2025 wieder deutlich mehr Bäume gefällt, als neu bzw. nachgepflanzt.
So stehen 5.643 Fällungen gerade einmal 2.736 Pflanzungen gegenüber – von denen erfahrungsgemäß noch einige eingehen werden.
Auch stehen die Bezirke hier sehr unterschiedlich dar. In Reinickendorf stehen 918 gefällten Bäumen ganze 6 (!) Pflanzungen entgegen. Noch ohne die geplanten Fällungen in der Ollenhauerstr. für die Beibehaltungen der Parkstände bzw. der zweiten, verkehrlich bei den Verkehrsstärken gemäß RASt 06 nicht nötigen Kfz-Fahrspur.
Im Durchschnitt verbessern sich so zwar die Zustandsbewertungen des Bestands, absolut verliert Berlin hier aber noch immer gleich doppelt:
Nicht nur wird mehr gefällt, als geplanzt – die (relativ zu wenigen) Neupflanzungen brauchen zusätzlich je nach Baumart zunächst erstmal 15 bis z.T. weit über 30 Jahre, bis diese ein wirkliches Potential zur Kühlung, Läarmminderung, Luftreinhaltung etc. beitragen können.
Richtig und erfreulich ist aber, dass die Thematik insb. im Zuge des Berliner Klimaanpassungsgesetzes seit 2025 deutlich an Dynamik und Aufmerksamkeit zugelegt hat.
Datenquelle: https://www.berlin.de/sen/uvk/_assets/natur-gruen/stadtgruen/daten-und-fakten/ausw_131.pdf?ts=1784224743