Ein Jahr nach dem gescheiterten Vorkaufsrecht hat sich an der Warschauer Straße 25 in Friedrichshain wenig verändert. Das Gebäude bleibt weiter unbewohnbar, ein bestätigter Eigentümerwechsel ist nicht dokumentiert. Der Bezirk ermittelt, aber greifbare Ergebnisse fehlen bislang.

Eingerüstetes Eckgebäude mit Schutznetz an einer Kreuzung, Bauarbeiten an der Fassade sind im Gange.

Während auf der gegenüberliegenden Straßenseite Fassadenarbeiten laufen, bleibt ein Fortschritt in der Warschauer Straße 24 weiterhin aus. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Vor gut einem Jahr war die Hoffnung im Kiez noch eine andere: Bezirksamt und Senat hatten sich grundsätzlich auf eine Übernahme der Immobilie in der Warschauer Straße 25 verständigt, das Vorkaufsrecht stand im Raum, soziale Nutzungskonzepte lagen bereits auf dem Tisch. Doch am Ende scheiterte das Verfahren an der Finanzierung, die Frist verstrich am 9. Juni 2025, und die Immobilie fiel zurück in den privaten Markt.

Heute, ein Jahr später, zeigt sich: Die damalige politische Niederlage hat keine neue Dynamik erzeugt. Im Gegenteil. Auf eine aktuelle ENTWICKLUNGSSTADT-Anfrage beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg fiel die Antwort knapp aus: Ein Verkauf des Wohngebäudes  in der Warschauer Straße 25 ist behördlich nicht bestätigt, ein neuer Eigentümer nicht bekannt. Damit bleibt die Immobilie in einem ungeklärten Verhältnissen.

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Die zuständige Hausverwaltung hat dem Bezirksamt gegenüber zwar Sanierungsabsichten geäußert, konkrete Angaben zu Umfang, Zeitplan oder Finanzierung liegen jedoch nicht vor. Das Gebäude bleibt damit im selben Zustand wie vor einem Jahr: unsaniert, leerstehend und ohne erkennbaren Entwicklungshorizont.

Kontrolle durch den Bezirk: Verfahren eingeleitet, Ergebnisse ausstehend

Der Bezirk ist jedoch nicht vollständig untätig geblieben. Er hat Amtsermittlungsverfahren eingeleitet, um möglicher Zweckentfremdung und baulichen Mängeln nachzugehen. Außerdem sollte das Gebäude in die bezirkliche Arbeitsgruppe für Problemimmobilien aufgenommen werden. Doch auch diese Schritte haben bislang zu keinen sichtbaren Veränderungen geführt.

Das zeigt das grundsätzliche Dilemma: Der Bezirk kann kontrollieren, dokumentieren und Verfahren einleiten. Durchsetzen lässt sich damit aber nur wenig, solange weder Eigentümer noch übergeordnete Stellen handeln. Ein Jahr nach dem politischen Scheitern des Vorkaufsrechts sind die verfügbaren Instrumente weitgehend ausgeschöpft, ohne dass sich etwas getan hat.

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Politische Bemühungen gescheitert: Warum das Vorkaufsverfahren 2025 nicht umgesetzt wurde

Im Juni 2025 lief die Frist für das bezirkliche Vorkaufsrecht ab, ohne dass es ausgeübt wurde. Der Kaufpreis war auf drei Millionen Euro gesenkt worden, die geschätzten Sanierungskosten lagen jedoch bei rund sieben Millionen Euro. Damit war eine Übernahme durch öffentliche Wohnungsunternehmen wirtschaftlich nicht darstellbar. Geplant gewesen wären Nutzungskonzepte wie Azubi-Wohnen und Housing First.

Baustadtrat Florian Schmidt von den Grünen kritisierte damals, der Senat habe keine belastbare Finanzierungsabsicherung bereitgestellt. Gespräche kurz vor Fristende mit zuständigen Senatsmitgliedern blieben ohne Ergebnis. Keine landeseigene Gesellschaft übernahm das Gebäude. Was als politische Niederlage galt, ist heute vor allem eines: ein Ausgangspunkt, von dem aus sich nichts weiterentwickelt hat.

Strukturelle Probleme in Berlin: Vorkaufsrecht und Bemühungen des Bezirks ohne Auswirkung

Der Fall zeigt, wo Bemühungen des Bezirks an seine Grenzen stößt. Theoretisch ist das Vorkaufsrecht ein wirksames Mittel, um Gebäude dem spekulativen Markt zu entziehen. Praktisch hängt sein Erfolg vollständig von Finanzierung und funktionierender Koordination zwischen Bezirk und Senat ab. Beides fehlte im Sommer 2025, und daran hat sich strukturell nichts geändert.

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Auch die soziale Erhaltungsverordnung, an die der neue Eigentümer gebunden sein soll, ändert nichts an der Grundsituation. Sie schreibt Rahmenbedingungen vor, erzwingt aber keine Investitionen und keinen Zeitplan. Solange weder Eigentümer noch Senat aktiv werden, bleibt das Gebäude in dem Zustand in dem es ist.

Quellen: Warschauer25 / Kopernikus6, Tagesspiegel, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Kurth Real Estate

 

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