Die Reaktivierung der Heidekrautbahn im Berliner Norden verzögert sich erneut. Für die Stammstrecke zwischen Berlin-Wilhelmsruh und Basdorf fehlen weiter Genehmigungen, Finanzierung und ein verbindlicher Baustart.

Die Stammstrecke der Heidekrautbahn zwischen Berlin-Wilhelmsruh und Basdorf soll im Berliner Norden reaktiviert werden. Der Baustart verzögert sich jedoch weiter durch laufende Genehmigungs- und Planungsverfahren. / © Foto: VBB / Stapf
© Titelbild / Visualisierung: NEB, VBB & Sequenz
Die Reaktivierung der Heidekrautbahn im Berliner Norden kommt weiter einfach nicht voran. Auch 2026 beginnen keine Bauarbeiten an der Stammstrecke zwischen Berlin-Wilhelmsruh und Basdorf. Zwar läuft das Genehmigungsverfahren, doch neue Anforderungen an Lärmschutz, Umweltplanung und Infrastruktur verzögern den Zeitplan.
- Projekt: Reaktivierung der Heidekrautbahn-Stammstrecke
- Strecke: Berlin-Wilhelmsruh bis Basdorf / Abzweig Schönwalde
- Länge: rund 14 Kilometer
- Region: Berliner Norden und Brandenburg
- Geplante neue Haltepunkte: PankowPark, Rosenthal, Blankenfelde, Schildow Nord, Schildow-Mönchmühle, Mühlenbeck-Mönchmühle, Schönwalde West sowie weitere Stationen entlang der Strecke
- Stand: Planfeststellungsverfahren läuft
Seit Jahren gilt die Heidekrautbahn als eines der wichtigsten Verkehrsprojekte für den Berliner Norden und das Umland. Die historische Stammstrecke zwischen Berlin-Wilhelmsruh und Basdorf soll reaktiviert werden, damit Regionalzüge künftig wieder direkt in Richtung Hauptstadt fahren können. Vorgesehen ist zudem eine bessere Anbindung des Gewerbestandorts PankowPark sowie wachsender Wohngebiete entlang der Strecke.
Baustart für Heidekrautbahn in weiter Ferne
Ein Baustart rückt jedoch erneut in die Ferne. Die Niederbarnimer Eisenbahn erklärte, dass sich das Projekt weiterhin mitten im Genehmigungsverfahren befinde und der Zeitplan für 2026 deshalb nicht mehr zu halten sei.
Bereits in den vergangenen Jahren hatten sich Erwartungen mehrfach verschoben. Zwischenzeitlich standen 2023 und später Ende 2024 als mögliche Termine für die Wiederaufnahme des Verkehrs im Raum. Daraus wurde nichts.
Die Verzögerung hängt vor allem mit umfangreichen Überarbeitungen der Planunterlagen zusammen. Für den Berliner Abschnitt läuft derzeit eine erneute Öffentlichkeitsbeteiligung. Nach Angaben der Projektverantwortlichen wurde unter anderem der künftige Bahnhof Rosenthal angepasst und der Haltepunkt Blankenfelde verschoben.

Die Heidekrautbahn soll den Berliner Norden besser anbinden. Für die Reaktivierung fehlt jedoch weiterhin die endgültige Genehmigung. / © Visualisierung: NEB, VBB & Sequenz
Heidekrautbahn: Neue Planung sorgt für weiteren Stillstand
Außerdem änderte die NEB die schalltechnische Planung grundlegend. Entlang der Strecke sollen nun Lärmschutzwände entstehen. Hintergrund ist eine aktualisierte Bewertung der künftigen Belastung. Obwohl zunächst kürzere Regionalzüge vorgesehen sind, berücksichtigen die Planungen bereits längere Züge in späteren Ausbauphasen. Dadurch verändern sich Umfang und Dimension des Schallschutzes.
Zusätzlich mussten Umweltgutachten überarbeitet werden. Dazu gehören Eingriffsbewertungen und Ausgleichsmaßnahmen für Naturflächen. Ergänzend entstand ein Konzept für Brand- und Katastrophenschutz. Auch mehrere Bahnübergänge entlang der Strecke passten die Planer erneut an. Gründe dafür seien neue Wegeführungen, Einwendungen von Eigentümern und Änderungswünsche einzelner Kommunen gewesen.
Berliner Norden wartet weiter auf die Reaktivierung der Heidekrautbahn
Während der Berliner Teil bereits überarbeitet wurde, steht Brandenburg noch vor größeren Anpassungen. Nach Angaben der NEB sollen die neuen Unterlagen dort erst im Herbst vorliegen.
Danach folgt erneut die öffentliche Auslegung. Betroffene können Stellungnahmen einreichen, bevor die zuständigen Behörden über das weitere Verfahren entscheiden und im besten Fall einen Planfeststellungsbeschluss erlassen. Erst damit entstünde Baurecht.
Heidekrautbahn langfristig bis Berlin-Gesundbrunnen?
Doch selbst danach bleibt die Finanzierung offen. Berlin und Brandenburg müssen zunächst ihre Kofinanzierung absichern. Anschließend soll der volkswirtschaftliche Nutzen des Projekts nachgewiesen werden, um Bundesförderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz zu erhalten. Nach bisherigen Planungen könnte der Bund bis zu 90 Prozent der Kosten übernehmen.
Langfristig soll das Projekt übrigens nicht in Wilhelmsruh enden. Im Rahmen des Berlin-Brandenburger Infrastrukturprojekts i2030 existieren Überlegungen, die Heidekrautbahn später über die Nordbahn bis Berlin-Gesundbrunnen zu verlängern. Im aktuellen Berliner Nahverkehrsplan gilt diese Verbindung jedoch lediglich als langfristiger weiterer Bedarf. Einen verbindlichen Zeitrahmen gibt es bislang nicht.

Die zukünftige Route der Heidekrautbahn soll von Basdorf über Mühlenbeck, Blankenfelde und Wilhelmsruh bis zum Bahnhof Gesundbrunnen führen. / © Grafik: VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH
Quellen: Berliner Morgenpost, Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), i2030, mein.berlin.de
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2 Kommentare
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Ist schon seltsam, daß es für eine , in großen Teilen bereits bestehende, stillgelegte Schienenstraße derart aufwendige Genehmigungsverfahren bedarf. Bereits bestehende Haltepunkte, wie Blankenfelde sollen verlegt werden? (vermutlich ist das Gebäude verkauft/verpachtet und bewohnt…) Der Neubau Abschnitt am Bahnhof Wilhelmsruh nimmt bereits Gestalt an, siehe Visualisierung in der vorletzten Grafik, wobei die Verkehrswege für Pendler Richtung Innenstadt eher umständlich und lang gehalten sind. Mir erschließt sich nicht, warum der Haltebereich am entgegen gesetzten Ende des Bahnsteigs und Zugangs der S-Bahn liegt. Eine Gleisüberquerung per Treppe scheint nicht geplant, und da auch die DB als Mutterkonzern der S-Bahn involviert wäre, gestaltete sich eine Durchführung, (von der auch Bahnkunden profitieren könnten!) eher umständlich und oder langwierig.
Ich selbst bin jetzt 55, pendle täglich von Schildow nach Zehlendorf, rechne mit erheblichen Zeiteinsparungen, werde eine Inbetriebnahme aber wohl vor meiner Rente nicht mehr erleben. Hurra, es lebe die Bürokratie!
Schienenstraße soll Schienentrasse heißen…