In Altona trifft die Idee einer erhöhten Promenade aus Teilen der Sternbrücke auf deutliche Bedenken seitens der Stadtentwicklungsbehörde. Die Debatte zeigt, wie komplex die Zukunft des historischen Bauwerks geworden ist.

Das Hamburger Büro AG Horizont Architekten schlägt vor, Teile der Sternbrücke zu einer erhöhten Plattform umzubauen, die an den Highline Park in New York erinnern soll. Die innovative Idee steht jedoch vor erheblichen Herausforderungen, darunter Fragen der Barrierefreiheit, Sicherheitsbedenken und unsichere Finanzierungsperspektiven. / © Visualisierung: AG Horizont Architekten
© Visualisierungen: AG Horizont Architekten
In Altona wird weiterhin nach einer neuen Nutzung der alten Sternbrücke gesucht. Die Mehrheit der Bezirksversammlung hatte sich kürzlich für einen Vorschlag der Grünen ausgesprochen, der die Stahlteile der Sternbrücke gemeinsam mit Elementen der benachbarten Schanzenbrücke zu einer erhöhten Promenade verbinden würde. Die Idee orientiert sich am Vorbild der Highline in New York und sieht eine begehbare Plattform über dem neu entstehenden Stadtquartier vor.
Damit sollte ein Aussichtspunkt entstehen, der Anwohnenden sowie Besucherinnen und Besuchern einen besonderen Blick über die Neue Mitte Altona bietet. Die Vision fand im Bezirk zunächst politischen Rückhalt, doch auf Landesebene stoßen die Pläne nun auf deutliche Skepsis. Die Hamburger Stadtentwicklungsbehörde hat in einer Stellungnahme deutlich gemacht, dass sie die Idee einer solchen Plattform aus alten Brückenteilen nicht mittragen wird.
Sternbrücke Altona: Behörde lehnt Highline-Konzept für Hamburg ab
Die Behörde verweist darauf, dass die neue Parkanlage ein zentraler Bestandteil des Quartiers sei. Angestrebt werde eine offene Grünfläche mit möglichst weiten Blicken in das Umfeld. Nach Einschätzung der Fachleute würde eine massive Konstruktion über dem Gelände dieses Ziel beeinträchtigen. Die Plattform würde eine räumliche Dominante bilden, die nach Ansicht der Behörde nicht zu den städtebaulichen Leitlinien passe.
Zudem werden verschiedene funktionale Nachteile hervorgehoben. Unter dem Bauwerk entstünde ein dauerhaft abgedunkelter Bereich, der laut Behörde auch tagsüber künstlich beleuchtet werden müsste. Es bestehe das Risiko, dass solche Räume zu Angsträumen oder zu Orten der Verwahrlosung werden könnten. Auch die barrierefreie Erschließung wird kritisch gesehen, da Rampen oder Aufzüge erhebliche Flächen im Park beanspruchen würden.
Highline-Pläne für Sternbrücke Altona: Hohe Kosten und technische Risiken
Neben den städtebaulichen Argumenten spielt die Finanzierung eine wesentliche Rolle. Die Behörde sieht deutliche Kostenrisiken, da Transport, Einlagerung und späterer Wiederaufbau der Brückenteile als technisch unklar bewertet werden. Nach Einschätzung der Fachleute wäre der Aufwand so hoch, dass eine Umsetzung wirtschaftlich kaum vertretbar sei.
Ausgangspunkt der Planungen ist der laufende Abriss der historischen Sternbrücke, die 1893 errichtet und in den 1920er Jahren erneuert wurde. Über viele Jahrzehnte war sie ein prägendes Bauwerk und kultureller Ankerpunkt. Clubs wie die Astrastube oder das Fundbureau hatten unter ihren Stahlkonstruktionen ihren Platz. Mit dem Neubau einer modernen Stabbogenbrücke verfolgt die Deutsche Bahn nun ein völlig neues Infrastrukturkonzept, das rund 125 Millionen Euro kosten soll. Dagegen regte sich immer wieder Protest, da viele den Verlust eines identitätsstiftenden Ortes befürchten.
Sternbrücke Altona: Politische Uneinigkeit über den Highline-Entwurf
Der Antrag zur Highline-Variante wurde im September mit den Stimmen von Grünen, SPD, Volt und FDP angenommen. Vertreter der CDU, Linken und AfD lehnten den Plan ab. Laut Beschluss sollte der Senat gemeinsam mit dem Bezirk versuchen, die Deutsche Bahn für eine Wiederverwendung der Brückenteile zu gewinnen. Die Bahn signalisierte zwar Offenheit, machte jedoch klar, dass sie die entstehenden Kosten nicht tragen werde.
Während die Plattform nach Ansicht der Stadtentwicklungsbehörde vorerst nicht weiterverfolgt werden soll, wird weiterhin geprüft, ob der bestehende Eisenbahnviadukt durch die Neue Mitte erhalten werden kann. Auch ein möglicher Fußweg über die bekannte Quietschkurve bleibt Gegenstand fachlicher Überlegungen.
Zukunft der Sternbrücke Altona: Wie Hamburg mit den Highline-Ideen weiter verfährt
Laut Behördensprecher hat die Stellungnahme zunächst den Charakter einer fachlichen Einschätzung. Der Bezirk Altona könne sich dennoch entscheiden, das Projekt weiterzuentwickeln. Ob dies aufgrund der offenen Fragen und hohen Risiken realistisch ist, bleibt abzuwarten.
Sicher ist jedoch, dass die Diskussion über die Zukunft der Sternbrücke und ihrer baulichen Relikte das Quartier auch in den kommenden Jahren begleiten wird.
Quellen: Hamburger Abendblatt, NDR, Deutsche Bahn
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