Der Verkehrsraum zwischen Schloßstraße und der Autobahnauffahrt Wolfensteindamm in Steglitz-Zehlendorf gilt vielen Anwohnern als überlasteter Verkehrsknoten. Nun regen Bewohner eine Machbarkeitsstudie an, die den autodominierten Stadtraum grundlegend neu denken soll. Damit rückt ein Verkehrskonzept in den Fokus, welches bereits im Herbst 2024 eine klimaorientierte Neugestaltung des Geländes angeregt hatte. 

Die Situation heute: Zwischen der Straße Unter den Eichen, der Schloßstraße sowie des Wolfensteindamms tut sich eine weitläufige, rein verkehrsdominierte Fläche auf, die vor allem als Zufahrt zur Autobahn A103 genutzt wird. / © Foto: Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH

© Visualisierung Titelbild: Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH, ENS Architekten

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Zum 200-jährigen Jubiläum hatte der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) ab September 2024 eine umfangreiche Veranstaltungsreihe initiiert, die sich der Zukunft der Berliner Straßenräume widmete.

In Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Fachveranstaltungen rückten bis zum Spätherbst zentrale Verkehrsachsen der Hauptstadt in den Fokus der stadtpolitischen Debatte.

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Fiktiver Wettbewerb des AIV: Berlins Straßen von morgen

Zehn renommierte Architekturbüros entwickelten dabei Visionen für zehn ausgewählte Berliner Straßen. Ziel war es, Perspektiven für eine zeitgemäße Gestaltung des Straßenraums aufzuzeigen. Auffällig war, dass bewusst nicht die bekanntesten Magistralen wie Kurfürstendamm oder Unter den Linden untersucht wurden, sondern oft weniger beachtete Stadträume mit großem Transformationspotenzial.

Ein Beispiel bildete der Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Dort analysierten Planer die stark autogeprägten Verkehrsstrukturen rund um Schloßstraße, Wolfensteindamm und die Stadtautobahn A103.

Wolfensteindamm in Steglitz: Wie kann eine Verkehrswüste wieder zum Stadtplatz werden?

Ansätze von Bernd Albers Architekten und ENS Architekten schlugen vor, den heutigen Verkehrsknoten schrittweise in einen urbanen Stadtplatz umzuwandeln. Vorgesehen waren reduzierte Fahrspuren, neue Aufenthaltsbereiche und ein stärker auf Fußgänger und Radfahrer ausgerichteter öffentlicher Raum.

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Die Visionen zeigten, wie aus autozentrierten Verkehrsflächen langfristig wieder lebenswertere Stadträume entstehen könnten. Eine tatsächliche Umsetzung oder ein konkreter Dialog mit dem Berliner Senat oder den Bezirken blieb laut AIV in der Folge aber aus, die Konzepte verschwanden buchstäblich in der Schublade.

Schloßstraße: Anwohner fordern Umgestaltung der Autobahn-Auffahrt am Wolfensteindamm

Dass die derzeitige Situation für viele Anwohnerinnen und Anwohner eine Zumutung darstellt, ist nicht neu. Vor allem in den Stoßzeiten morgens und abends bilden sich an diesem neuralgischen Punkt enorme Staus, die den gesamten Stadtraum verstopfen.

In der vergangenen Woche schlugen einige Anwohner in einem Brief an die ENTWICKLUNGSSTADT-Redaktion daher eine Neugestaltung des Verkehrsraums Wolfensteindamm und Asternplatz vor, so wie es einige hundert Meter weiter am Kreuzungsbereich Unter den Eichen / Drakestraße erfolgt ist – mit einer Untertunnelung des Straßenraums.

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Eine Machbarkeitsstudie zur Umgestaltung von Wolfensteindamm und Asternplatz?

So könnte beispielsweise der obere, heute vollkommen für den Autoverkehr genutzte Straßenraum neu belebt werden, mit Begrünung, Sitzmöglichkeiten und neu gestalteten Freiräumen. Die Anwohnerschaft regt daher eine Machbarkeitsstudie zur Umgestaltung des Stadtplatzes vor, der heute eigentlich nicht mehr ist als ein großes Verkehrskreuz für den motorisierten Individualverkehr.

Dass eine solche Umgestaltung möglich ist, zeigt ein anderes Steglitz-Zehlendorfer Beispiel, denn nicht weit entfernt liegt der Breitenbachplatz, der seit Jahrzehnten durch eine breite Autobahntrasse zerteilt wird. Nach jahrzehntelangem Ringen soll in diesem Jahr mit dem Abriss der maroden Autobahnbrücke begonnen werden, die ersten vorbereitenden Maßnahmen haben im vergangenen Jahr begonnen.

Es gibt also durchaus Ansätze für die Verkehrswende, auch in einem autodominierten Bezirk wie Steglitz-Zehlendorf, die aus der Bevölkerung heraus entstehen. Ob sich Bezirk und Senat beim Stadtraum Wolfensteindamm gesprächsbereit und offen für Lösungen zeigen, bleibt abzuwarten.

Quellen: Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg, HILMER SATTLER ARCHITEKTEN, Ahlers Albrecht Gesellschaft von Architekten mbH, TCHOBAN VOSS Architekten GmbH, ST raum a. GmbH, LANGHOF®, GRAFT, Jan Kleihues, Kleihues & Kleihues, Heike Hanada, hh_laboratory of art and architecture, gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Bernd Albers Architekten, ENS Architekten, Fachhochschule Potsdam, Patzschke Planungsgesellschaft mbH, Axthelm Rolvien Architekten, MÄCKLER ARCHITEKTEN, HKK Landschaftsarchitektur, ARGUS Stadt und Verkehr

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2 Kommentare

  1. 41er 6. März 2026 at 20:57 - Reply

    Echt traurig, der Fleck. Vor allem wenn man bedenkt wie viele Leute dort per S-Bahn, U-Bahn, Bus oder Fahrrad und zu Fuß unterwegs sind und sich dem Autolärm und den Abgasen aussetzen müssen. Steglitz hat es echt hart erwischt im Wahn der autogerechten Stadt. Ich wünsche mir mehr Mut für eine menschengerechtere Stadt.

  2. Vater List 12. März 2026 at 15:54 - Reply

    Großartrige Idee! Vor allem sollte auch die Autobahn auf eine Stadtstraße reudizeirt werden. Wozu 3 Fahrspuren pro Richtung? Maximal 2 plus einer mittigen Radschnelltrasse oder ersatzweise einer Begrünung wären zeitgemäß. Die Kreuzung selbst könnte auf die Hälfte der Fläche reduziert werden, ohne die Rechtsabbieger-Abkürzungen für Schnellfahrer. Mehr Grün, mehr Entsiegelung, mehr Flächen für Fuß- und Radverkehr!

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