Am Gleisdreieck schreiten die Abrissarbeiten auf dem Gelände der STATION Berlin sichtbar voran. Große Teile der beiden Vorderhäuser an der Luckenwalder Straße sind inzwischen verschwunden, während schweres Gerät, Schuttberge und Baustellenmaterial das Bild vor Ort prägen. Was steckt dahinter?

Der Rückbau der ehemaligen Vorderhäuser am Gleisdreieck hat große Teile der Gebäudesubstanz bereits entfernt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Wer derzeit an der Luckenwalder Straße in Kreuzberg vorbeikommt, dürfte den gewohnten Anblick kaum wiedererkennen. Am Eingang der STATION Berlin hat sich das Bild innerhalb kurzer Zeit deutlich verändert: Von den beiden ehemaligen Vorderhäusern ist eines bereits vollständig verschwunden, das zweite steht nur noch teilweise. Große Teile der Gebäudesubstanz wurden in den vergangenen Tagen abgetragen.
Auf dem Gelände am Gleisdreieck bestimmen inzwischen schwere Abbruchmaschinen, Sandhaufen und große Schuttberge die Szenerie. Mehrere blaue Bagger sind im Einsatz und tragen die verbliebenen Gebäudestrukturen Stück für Stück ab. Besonders auffällig ist der Blick auf das noch stehende Vorderhaus: Während eine Hälfte des Gebäudes noch sichtbar ist, liegt der übrige Baukörper bereits als Trümmer- und Steinberg am Boden.

Mit schwerem Gerät schreiten die Abrissarbeiten auf dem Gelände der STATION Berlin voran. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Rückbau an der Luckenwalder Straße läuft: Das ist geplant
Die Abrissarbeiten stehen jedoch nicht für das ersatzlose Verschwinden der Gebäude. Die STATION Berlin hatte bereits zuvor auf ihrer Homepage angekündigt, dass die beiden Vorderhäuser im Eingangsbereich im Zuge einer „Weiterentwicklung“ des Standorts weichen müssen. Aus den Unterlagen zum Bebauungsplan VI-140cab „Urbane Mitte Süd“ geht hervor, dass die Eigentümerin Cresco Station S.à r.l. langfristig eine neue Eingangssituation plant.
Demnach sieht das Konzept für die Weiterentwicklung des Areals vor, die historischen Hallen des ehemaligen Postbahnhofs stärker zu öffnen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein zentraler Bestandteil ist dabei die Wiederherstellung einer attraktiven Eingangssituation, indem die Vorderhäuser an der Luckenwalder Straße neu errichtet werden sollen.

Abrissarbeiten an der STATION Berlin: Die einstigen Gebäude im Eingangsbereich werden derzeit vollständig zurückgebaut. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Historisches Ensemble soll stärker geöffnet werden
Nach Angaben aus dem Bebauungsplan verfolgt Cresco Station das Ziel, das denkmalgeschützte Ensemble des ehemaligen Postbahnhofs stärker mit dem umliegenden Stadtraum zu verknüpfen. Vorgesehen sind unter anderem neue Verbindungen zum Park am Gleisdreieck, zum Quartier der Urbanen Mitte sowie zum Deutschen Technikmuseum.
Neben dem Veranstaltungsbetrieb sind künftig weitere Nutzungen vorgesehen, die das Areal stärker öffnen und beleben sollen. Die Planungen sehen eine Mischung aus Versammlungsstätten inklusive gastronomischer Angebote, Einzelhandel und Büros vor.
Darüber hinaus werden in den Unterlagen weitere bauliche Ergänzungen beschrieben. Dazu zählen unter anderem ein zweigeschossiges „Brückenbauwerk“ mit Staffelgeschoss über der Halle 8 sowie ein Neubau an der Halle 7.1.

Die Visualisierung zeigt die geplante „Urbanen Mitte Süd“ am Gleisdreieck Berlin mit Neubauten für Hotel, temporäres Wohnen, Gewerbe und öffentliche Nutzungen. / © Visualisierung: O&O Baukunst
Ehemaliger Postpaketbahnhof am Gleisdreieck vor Veränderung
Die STATION Berlin befindet sich im denkmalgeschützten ehemaligen Postpaketbahnhof am Gleisdreieck. Das Areal wurde ab 1913 als zentrale Infrastruktur für den Paketverkehr der Stadt errichtet und später jahrzehntelang als Umschlagplatz genutzt. Seit 2005 wird der Standort als Veranstaltungsort für Messen, Kongresse und Ausstellungen genutzt.
Während die historischen Hallen des ehemaligen Postbahnhofs weiterhin das Erscheinungsbild des Geländes prägen, verändert sich der Bereich an der Luckenwalder Straße 4–6 derzeit deutlich. Der Rückbau der Vorderhäuser markiert einen sichtbaren Einschnitt in die Geschichte des Standorts – soll nach den vorliegenden Planungen jedoch zugleich den Weg für eine neue Eingangssituation bereiten.
Wie die geplanten Neubauten konkret aussehen werden, wann die Umsetzung beginnt und welche architektonische Gestaltung vorgesehen ist, bleibt derzeit offen. Fest steht jedoch: Die STATION Berlin soll als Veranstaltungsort erhalten bleiben. Bereits Ende August will die Location wieder ihre Türen für die nächste Veranstaltung öffnen.

Vom ehemaligen Vorderhaus steht nur noch ein Teil der Gebäudestruktur. Große Mengen an Bauschutt liegen bereits auf dem Gelände. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Vor dem Rückbau: Die weißen Gebäude im Eingangsbereich der historischen Veranstaltungslocation. Inzwischen wurde vor Ort eine Baustelle eingerichtet, die Arbeiten laufen auf Hochtouren. / © Wikimedia Commons, Raimond Spekking
Luckenwalder Straße 4–6
Quellen: Architektur Urbanistik, STATION Berlin, Industriekultur Berlin, Berlin Cuisine, Visit Berlin Convention Office, Bebauungsplan VI-140cab „Urbane Mitte Süd“
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4 Kommentare
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Steht zu fürchten, dass die Neubauten nicht besser aussehen als der Bestand. Aber vielleicht will man ja Freifläche.
Habe ich jetzt etwas überlesen? Stehen die Vorderhäuser nicht unter Denkmalschutz, oder wie? Was sollte es denn für einen Grund geben, diese davon auszunehmen? Deren Fassaden sieht man doch sofort an, dass sie nur noch eine abgestuckte bzw. geglättete Variante von damals darstellen und damit einst noch ganz anders daherkamen. Und wenn man hin und wieder mit dem Berliner Denkmalschutz zu tun hat, weiß man, was das für ein ständiges beinhartes Rumgekämpfe um jeden Zentimeter ist…Aber ausgerechnet hier tun alle so, als wäre das irgendwie kein Thema, kein Problem oder nicht von Belang… Also spätestens jetzt hätte ich als Journalist mal Lunte gerochen.
Wie auch immer…Wenn man sieht, was in der Gegend demnächst abgeht, würde ich darauf wetten, dass hier jemand auf einen Turm spekuliert bzw. das schon längst in der Mache ist.
Wenn dem so ist, wäre das taktisch eine echt abgezockte Nummer. Denn erst mal klammheimlich abreißen, während man so tut, als pfeift man desinteressiert vor sich hin, um anschließend in einem Jahr oder so die Katze aus dem Sack zu lassen, ist vielleicht nur ein Sich-Anpassen an Berliner Verhältnisse…Denn wir wissen doch, wie es hier läuft: Man publiziert sein Projekt und schon pfeift einer gellend, um die gewohnten Massen von Reichsbedenkenträgern hinter ihren Ecken hervorspringen zu lassen. Als Investor verhedderst du dich wie gehabt in ein jahrelanges Gestrüpp mit ungewissem Ausgang …und die Historie des Standortes wäre dann eine der ganz langwierigen Erzählungen, die es zu entkräften gilt.
Somit wäre es von großem Vorteil, wenn man eine lästige Unwägbarkeit bereits den Hals umgedreht hat, bevor man an die Öffentlichkeit geht…
Ich glaube nicht an eine Freifläche. Dafür ist die Gegend viel zu kostbar im Sinne von ¥€$, we can…
Ach, muss man denn immer alles anzweifeln und bedauern. Endlich tut sich was in diesem tristen Viertel rund um den Bahnhof! Ich kann es nicht erwarten, dass in diesen verstaubten Bahnhof ENDLICH WIEDER LEBEN einkehrt! Und wenn da jemand Geld verdient, dann sei es ihm doch gegönnt! Mut und Pioniergeist müssen belohnt werden in dieser versifften Stadt !!!!
entschuldigung . . auf dem Gelände ist seit über 15 Jahren soviel Leben, fashion shows, Parteitage etc
dass es uns als direkten Anwohnern schon manchmal etwas zuviel wurde, wenn die ges. kleine Strasse mit Halteverboten belegt wird und alles voll mit Autos & Lieferfahrzeugen, die zum event müssen, steht. Seit zwei Jahren wurde deswegen hier eine Einbahnstrassen-Regelung eingeführt; jetzt ist es nicht mehr ganz so chaotisch, nur mitunter noch immer anstrengend
sicherlich hätte man jetzt auch kaum diese Investition in einen fragwürdigen Abriss von Substanz gewagt, wenn nicht schon die letzten Jahre gute Umsätze gebracht hätten. Eigentlich hatte ich gehofft, man würde die alten Fassaden nutzen und aufhübschen, ggf. etwas aufstocken. Denn dem Gebäude an der Seite des Kühlhaus „fehlte“ eine Ecke . . vermutlich war das mal ein Bombentreffer, der das Gleisdreieck knapp verfehlt hat ?