Die Innenstädte vieler deutscher Städte stehen unter Druck. Leerstand, gesellschaftliche Spannungen und fehlende Fördermittel gefährden Orte, die einst zentrale Räume für Begegnung, Kultur und Handel waren. Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) richtet deshalb einen deutlichen Appell an die Bundespolitik und fordert eine nachhaltige Förderung für lebendige und widerstandsfähige Stadtzentren.

Die Bundesvereinigung fordert unter anderem eine verlässliche Finanzierung der Kommunen, stärkere Unterstützung für Stadtmarketingstrukturen und den Ausbau nationaler Kompetenzstellen. Zudem setzt sie sich für bessere Sicherheits- und Qualitätsstandards im öffentlichen Raum sowie faire Rahmenbedingungen für Veranstaltungen ein. / © Foto: bcsd / Peter Wieler
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Die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) hat beim Parlamentarischen Frühstück im Deutschen Bundestag eindringlich auf die Bedeutung deutscher Innenstädte hingewiesen. Sie seien weit mehr als Handelsstandorte. Denn sie sind auch Orte des alltäglichen Austauschs, der kulturellen Teilhabe, des Lernens und der demokratischen Debatte.
Der bcsd-Bundesvorsitzende Gerold Leppa warnte laut Mitteilung, dass verödende Stadtzentren die Gesellschaft ihrer „lebendigen Mitte“ berauben würden. Stadtmarketing könne Wandel begleiten, Teilhabe stärken und Zuversicht schaffen, brauche dafür aber verlässliche Rahmenbedingungen und langfristige Förderstrukturen.
Innenstädte unter Druck: Strukturwandel und Leerstand belasten urbane Zentren
Viele Innenstädte stehen vor tiefgreifenden Herausforderungen. Strukturwandel, Onlinehandel, Klimafolgen und gesellschaftliche Spannungen führen zu Leerstand und Verunsicherung. Gleichzeitig sinkt die Aufenthaltsqualität, was die Attraktivität der Zentren weiter schwächt.
Nach Einschätzung des Verbands hängt die Zukunft dieser urbanen Räume unmittelbar davon ab, ob Bund und Länder jetzt handeln. Gelänge es nicht, öffentliche Räume aufzuwerten und soziale Infrastruktur zu stärken, drohe den Innenstädten ein Verlust an Identität und Funktion.
Stadtfeste in Gefahr: bcsd warnt vor steigenden Sicherheitsauflagen in Deutschen Innenstädten
Weil Begegnungen das Rückgrat urbanen Lebens darstellen, warnt der bcsd auch vor ausfallenden Stadtfesten und Weihnachtsmärkten. Leppa verwies auf das Beispiel Magdeburg, wo hohe Sicherheitsauflagen die Durchführung bedrohen. Staatliche Aufgaben wie Gefahrenabwehr dürften jedoch nicht auf Veranstalter abgewälzt werden.
Für die Städte seien Feste und Kulturveranstaltungen unverzichtbar. Fielen sie aus, verlören Innenstädte wichtige soziale Ankerpunkte, während Künstlerinnen und Künstler ihre Auftrittsmöglichkeiten einbüßten. Der Verband fordert deshalb bundesweit einheitliche Sicherheitsrichtlinien und finanzielle Entlastungen.
Ohne Förderung kein Fortschritt: Kommunen warten auf neues Innenstadtprogramm
Viele Kommunen haben Konzepte zur Stärkung ihrer Zentren entwickelt, können diese aber ohne finanzielle Unterstützung nicht umsetzen. Das Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ läuft aus, ein Nachfolgeprogramm ist nicht angekündigt.
Laut bcsd reicht eine Investitionsförderung allein nicht aus. Es brauche dauerhafte Strukturen wie professionelle Stadtmarketingorganisationen, die als Moderatoren zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft wirken. Ohne diese Strukturen drohe Stillstand.
bcsd legt Maßnahmenkatalog vor: Finanzierung, Sicherheit und Stadtentwicklung im Fokus
Die bcsd formuliert fünf zentrale Empfehlungen, um Innenstädte langfristig zu stärken. Erstens müsse die nachhaltige Finanzierung gesichert werden, unter Berücksichtigung von Konnexität und Subsidiarität. Erfolgreiche Programme wie ZIZ sollten verstetigt werden. Zweitens solle der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden, etwa durch die Unterstützung von Stadtfesten und interkulturellen Projekten. Drittens brauche es eine nationale Kompetenzstelle für kooperative Stadtentwicklung, um Wissen und Netzwerke zu fördern.
Viertens fordert die bcsd, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu erhöhen und die Zusammenarbeit von Polizei, Verwaltung und Sozialdiensten zu verbessern. Prävention müsse Vorrang haben, um negative Entwicklungen frühzeitig abzufedern. Fünftens seien faire Rahmenbedingungen für Veranstaltungen nötig. Dazu gehören die Übernahme von Kosten für Terrorprävention durch den Staat, bundeseinheitliche Sicherheitsrichtlinien und eine Entlastung bei Lizenzgebühren.
Stadtmarketing als Schlüsselakteur: Warum Innenstädte professionelle Strukturen brauchen
Stadtmarketingorganisationen verbinden Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft und gelten als wichtige Brückenbauer des urbanen Wandels. Der Verband sieht sie als zentrale Partner in der Stadtentwicklung, eine Rolle, die politisch stärker anerkannt werden müsse.
Der Appell der bcsd zeigt, wie angespannt die Lage vieler Innenstädte ist. Ob der Bund zeitnah reagiert, wird auch darüber entscheiden, wie lebendig, resilient und demokratisch Deutschlands Stadtzentren künftig bleiben.
Quellen: Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V.
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Ich lese Entwicklungsstadt sehr gerne und mit großem Gewinn, bei diesem Artikel fehlt mir jedoch die redaktionelle Einordnung. Es wird einzig eine Pressemitteilung eines Verbands nacherzählt. Rhetorische Stilfiguren wie „Jetzt handeln“ werden unhinterfragt übernommen. Dass ein Verband für seine Mitglieder finanzielle Entlastungen fordert, fair enough. Was aber sagen die angesprochenen Akteure dazu und zu welcher eigenen Einschätzung kommt die Autorin?