Wie kann Berlin schneller, nachhaltiger und effizienter bauen? Beim ersten Live-Podcast von ENTWICKLUNGSSTADT trafen sich zentrale Akteure der Branche, um genau diese Fragen zu diskutieren. Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Diskussionsrunde mit dem Titel „Stadtentwicklung in Berlin: Krise oder Aufbruch?“. Christoph Langhof, Van Bo Le-Mentzel, Daniel Herrmann und Tarek Massalme hatten dabei sehr unterschiedliche Ansätze.
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Beim ersten ENTWICKLUNGSSTADT Live-Podcast kamen Ende März rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Architektur, Projektentwicklung, Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklung zusammen, um über aktuelle Trends und wichtige Entwicklungen der modernen Stadtentwicklung zu sprechen – und das in der historischen Brauerei in Berlin-Kreuzberg, die heute vom traditionellen Berliner Unternehmen Mampe genutzt und betrieben wird.
Den Auftakt in den Vormittag bildete eine Keynote von Peter Schniering, Gründer des Think Tanks Future Cleantech Architects, der die wichtigsten Themen des Tages direkt in den Fokus stellte: Wie bauen wir nachhaltig, welche Nachhaltigkeitskonzepte gibt es für Industrien und Branchen, die zu den größten CO2-Produzenten weltweit gehören, wie können innovative Pilotprojekte auf breiter Ebene umgesetzt werden?
Hochkarätige Diskussionsrunde: Stadtentwicklung in Berlin – Krise oder Aufbruch?
Den Abschluss des Tages bildete eine prominent besetzte Diskussionsrunde, die über das Thema „Stadtentwicklung in Berlin – Krise oder Aufbruch“ debattierte. Daniel Herrmann, Vorstand der Bauwert AG, sprach darüber, wie schwierig es in Berlin mittlerweile geworden sei, großformatige Quartiersprojekte umzusetzen und forderte eine stärkere Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.
Architekt Tarek Massalme, der auch für die Grünen-Fraktion im Bezirk Mitte tätig ist, zeigte Wege aus der Wohnungsnot auch in dicht besiedelten Quartieren, etwa durch die Aufstockung bereits bestehender Gebäude. So sei in Berlin-Mitte nur dadurch ein Wohnungspotenzial von rund 50.000 Wohnungen zu realisieren.

Krise oder Aufbrauch? Van Bo Le-Mentzel, Christoph Langhof, Björn Leffler, Tarek Massalme und Daniel Herrmann (v.l.n.r.) debattierten leidenschaftlich über den Zustand den Berliner Stadtentwicklung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Architekt Christoph Langhof: Höher bauen, weniger Bürgerbeteiligung
In diese Kerbe schlug auch Architekt Christoph Langhof, der ein grundsätzlich höheres Bauen in Berlin forderte. Dabei betonte er, dass es nicht unbedingt immer die von ihm favorisierten Hochhäuser sein müssten.
Allein wenn die neuen Stadtquartiere um zwei bis drei Geschosse höher gebaut würden, gäbe es laut Langhof gar kein Wohnungsproblem. Als städtebauliches Vorbild nannte Langhof den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, wo flächendeckend Gebäude mit sieben bis acht Geschossen vorhanden seien, was dem Bezirk in Sachen Popularität nicht geschadet habe.
Als hinderlich und großes Ärgernis empfindet Langhof allerdings Themen wie Bürgerbeteiligung und Denkmalschutz, die Bauprozesse häufig unnötig in die Länge ziehen würden oder mitunter gänzlich verhinderten.
Van Bo Le-Mentzels Tinyhouse Foundation: Mehr Wohnungen auf wenig Raum schaffen
Einen komplett anderen Denkansatz verfolgt der Architekt Van Bo Le-Mentzel, Gründer der Tinyhouse Foundation sowie der Gemeinwohlbau COB01 GmbH, der Wege aufzeigte, wie Wohnraum sinnvoller und intelligenter genutzt werden kann, durch optimales Raummanagement.
Le-Mentzel sprach auch über den Ansatz, neue Wohngebäude auf kleinteiligen Grundstücken zu errichten, die es in Berlin noch immer in großer Zahl gebe. Das gesamte Gespräch als Audio-Aufzeichnung ist auch hier via Spotify abrufbar.

Branchentreffen in der historischen Mampe-Manufaktur: Zum ersten ENTWICKLUNGSSTADT Live-Podcast kamen rund 100 Gäste aus Immobilienwirtschaft, Projektentwicklung, Politik und Architektur. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Mampe Berlin
Quellen: ENTWICLKUNGSSTADT Social Media- & Podcast-Redaktion
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4 Kommentare
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In Schöneberg könnten die landeseigenen Gesellschaften entlang der Yorckstraße beginnend an der Potsdamer Straße gleich mit der Aufstockung mindestens auf Traufhöhenniveau beginnen. Der ganze Steinmetzkiez könnte höher bebsut sein. Und mehr Bäume entlang der Yorckstraße wären auch gut.
Le-Mentzels Idee ist ja prinzipiell sympathisch, ausser dass er davon ausgeht, dass jeder mit 15 qm zufrieden sein soll, auch wenn er sich mehr leisten kann.
„Stadtentwicklung“ ist viel mehr als nur Gebäude bauen.
„Moderne Stadtentwicklung“ sogar noch mehr.
Wir brauchen Gesamtkonzepte mit Gebäuden; Infrastruktur für Versorgung, Verkehr/ÖPNV, Gastronomie, Bildung und Kultur; barrierefrei; zukunftsfähig: hitzeresilient, Fassadenbegrünung, Erholungsfläche, Luftreinhaltung, Lätmschutz, Lichtverschmutzung und so vieles mehr.
Reines Nischendenken greift zu kurz ‚ vor allem für den Begriff „Stadtentwicklung“
Genau genommen haben wir in Deutschland sowieso seit 10 Jahren keine echte Wohnungsnot mehr sondern nur eine regionale Wohnungsnot in den Städten wie Berlin, ausgelöst durch massive Zuwanderung in den letzten 20 Jahren. Aber: Durch KI wird sich daran in den nächsten 2 Jahren einiges ändern. Die Zuwanderung in die Städte wird zum Erliegen kommen weil Städte nicht mehr die Jobs anbieten können, die bisher als Magnet für das bevölkerungs-Wachstum dienten. Ich spreche hier vom Wegfall des tertiären Sektors. Die White-Collar Jobs dieses Sektors werden – neben der aktuellen Wirtschaftskrise – auch massiv durch KI ersetzt und ein Ende ist nicht nur nicht abzusehen sondern ein finales „no-way“!
Da in den Städten auch im sekundären Sektor (Industrie) nichts mehr zu holen ist, herrscht auch hier kein Anreiz mehr für Zuwanderung. Und auch dieser Rückgang ist nicht re-versibel, weil Deutschland in dieser Hinsicht ein zu teurer und zu regulierter Standort ist.
Also heißt es „zurück auf’s Land“. Dort ist Wohnraum massiv vorhanden, Leben ist erträglich, gesund und absolut erschwinglich. Wer ein bisschen Digitalisierung will (oder braucht) kommt dort voll auf seine Kosten, Dank des Ausbaus des Glasfaser-Netzes.