Großflächige Parkplätze galten lange als reine Abstellflächen für Autos. Zwei aktuelle Studien des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigen jedoch, welches Potenzial in diesen Flächen für Wohnungsbau, Mobilität, Energieversorgung und Stadtklima steckt. Im Fokus steht dabei eine Neuorganisation des Parkraums als Teil einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

digitale Karte aller öffentlichen Parkplätze im Berliner Stadtgebiet

Karte des öffentlichen Parkraums in Berlin: Die Hauptstadt verfügt über rund 1,28 Mio. öffentliche Straßenparkplätze, die insgesamt etwa 14,6 Mio. qm Fläche einnehmen. Dies zeigt das große Potenzial, Parkflächen für Wohnraum, Grünflächen und andere öffentliche Nutzungen im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung umzuwandeln. / © Abbild: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Verkehrsinformationszentrale Berlin

© Titelbild: depositphotos.com, JaySi

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Großflächige Parkplätze rücken zunehmend in den Fokus der Stadt- und Infrastrukturentwicklung. Angesichts knapper Flächen, wachsender Städte und steigender Anforderungen an Klimaanpassung suchen Kommunen nach neuen Lösungen.

Zwei aktuelle Studien des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung untersuchen deshalb, wie bislang monofunktional genutzte Stellflächen stärker in die Stadtentwicklung eingebunden werden können. Dabei stehen sowohl innerstädtische Lagen als auch Parkplätze in Gewerbegebieten an der urbanen Peripherie im Blick.

Im Mittelpunkt steht jedoch nicht der Abbau von Parkraum, sondern dessen Umgestaltung. Ziel ist es, vorhandene Flächen effizienter zu nutzen und gleichzeitig Raum für Wohnen, Mobilitätsangebote, Energieinfrastruktur und Grünflächen zu schaffen.

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Nutzungen für bestehende Stellflächen in Städten: Von Wohnen bis Energieinfrastruktur

Die Studien zeigen eine breite Palette möglicher Maßnahmen. Dazu zählen die Überbauung von Parkplätzen mit Wohngebäuden, die Umwandlung versiegelter Flächen in Grünräume sowie die funktionale Aufwertung bestehender Parkplätze und Parkhäuser. Ergänzend lassen sich Mobilitätsstationen mit Sharing-Angeboten, Ladeinfrastruktur für Elektromobilität oder Photovoltaik-Anlagen integrieren. Auf diese Weise lassen sich Verkehrs-, Energie- und Flächeninfrastruktur enger miteinander verzahnen.

Gleichzeitig bleibt das Auto Teil des Konzepts. Die Pkw-Nutzung soll nicht verdrängt, sondern neu organisiert werden. Durch kompaktere Stellplatzlösungen und Mehrfachnutzungen entstehen zusätzliche Flächen für soziale und ökologische Funktionen. Damit verfolgen die Konzepte einen klima- und sozialgerechteren Ansatz, der zugleich die Aufenthaltsqualität in den Quartieren stärken könnte.

Fehlende Datengrundlagen zu Parkflächen in Kommunen: Forschungsergebnisse und Pilotprojekte

Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchungen betrifft die bislang unzureichende Datengrundlage. Eine begleitende Online-Befragung unter rund 900 Städten und Gemeinden zeigt, dass großflächige Parkplätze vielerorts nicht systematisch erfasst werden. Genau hier setzt das Forschungsprojekt an und entwickelt erstmals eine Methodik zur Identifikation und Bewertung entsprechender Flächen.

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In der Pilotstadt Dortmund wurden auf dieser Grundlage 1.318 Parkplätze mit einer Größe von jeweils mindestens 750 Quadratmetern erfasst. Zusammen ergeben sie eine Fläche von rund 361 Hektar und damit etwa 500 Fußballfeldern. Vergleichbare Erhebungen fanden auch in Görlitz und Ulm statt und liefern wichtige Grundlagen für eine strategische Steuerung des Parkraums.

Beispiele aus der Praxis für den nachhaltigen Umgang mit Parkflächen: Projekte in Deutschland

Ergänzend stellt eine zweite Studie zwölf Praxisbeispiele aus ganz Deutschland vor. Sie zeigen, wie Parkflächen bereits heute mehrfach genutzt werden. Im innerstädtischen Quartier „Klagesmarkt“ in Hannover dienen ehemalige Stellflächen nicht nur dem Parken, sondern auch dem Wohnen und der Begegnung. Ähnliche Ansätze finden sich beim Neubau der Hochschule Bremen, wo Parkraum Teil eines integrierten Nutzungskonzepts ist.

Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „Dante II“ in München. Dort entsteht neuer Wohnraum als Stelzenbau über einem bestehenden Parkplatz. Die Studie verdeutlicht, dass Lebensqualität entstehen kann, wenn Parkplätze als Bausteine einer nachhaltigen Stadtentwicklung verstanden werden.

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Handlungs-Empfehlungen für Städte und Gemeinden in Deutschland: Vom Konzept zur Umsetzung

Die Studien entstanden im Rahmen des Programms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Neben Analysen und Beispielen enthalten sie konkrete Handlungsempfehlungen für Kommunen. Diese reichen von der systematischen Erfassung geeigneter Flächen über planerische Instrumente bis hin zur schrittweisen Umsetzung vor Ort.

Damit liefern die Ergebnisse auch Impulse für Projektentwickler und Bestandshalter. Großflächige Parkplätze könnten sich künftig als wichtige Schnittstelle zwischen Verkehrs-, Energie- und Wohn-Infrastruktur etablieren. Für Städte eröffnen sich so neue Möglichkeiten, Flächenknappheit zu begegnen und den Stadtumbau aktiv sowie nachhaltig zu gestalten.

Quellen: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Verkehrsinformationszentrale Berlin, HOWOGE, TREIBHAUS Landschaftsarchitektur, ARGUS Stadt und Verkehr PartmbB

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4 Kommentare

  1. Max 2. Januar 2026 at 14:46 - Reply

    Bislang unzureichende Datengrundlage im Zeitalter der KI? Die lässt man einmal über google maps drüberrennen und schon hat man alle interessanten Flächen. Natürlich müssen dann noch die Eigentümer kontaktiert werden, aber auch dies könnte automatisiert geschehen.

  2. Chris Da 2. Januar 2026 at 15:14 - Reply

    Menschen werden in Hochhäusern gestapelt – warum also nicht auch Autos stapeln.
    Zum Beispiel könnte eine große Fläche mit einem Parkhaus bebaut werden. So wird bei gleicher Fläche mehr Parkraum geboten. Dazu eine umfassende Fassadenbegrünung (horizontaler Garten, Hitzeschutz, Luftreinhaltung), Wassermanagement (Schwammstadt, Starkregen, Stadtbäume gießen) und oben drauf Solaranlagen (erneuerbare Energien, Energiesouveränität). Parkgebühren stellen Wirtschaftseinnahmen dar. Bei Bedarf und Möglichkeit kann auf dem Parkhaus auch Wohnraum gebaut werden. Durch hohe Bebauung wird die Fläche noch effektiver genutzt. Diverse Nutzungsarten in einem Gebäude streuen zudem das Risiko im Vergleich zur Mononutzung.
    Dann wäre die gleiche Fläche ohne Verluste von Parkraum optimaler und multifunktional genutzt.

    • Anwohnerin Leipziger 4. Januar 2026 at 16:09 - Reply

      Gleich in dem Block noch einen Supermarkt integrieren und den Spielplatz nicht vergessen. und die Grundversorgung steht. Sinnvoll!
      Nicht ganz in dieser Beschreibung, aber annähernd dran, ist zum Beispiel die Mall Leipziger Straße: Geschäfte auf einer Tiefgarage und oben drauf noch einmal Wohnen mit Freifläche und Spielplatz. Geht also.

      Definitiv besser als die Verschwendung von Grundfläche mit nur Parkplatz. Städte können sich das heutzutage einfach nicht mehr leisten.

  3. Franz 18. Januar 2026 at 07:40 - Reply

    In Berlin fallen einem da gleich die großen Areale untergenutzter Gewrbeflächen ein. Viele sind nur mit einem EG oder ein- bis zwei zusätzlichen Geschossen bebaut. Wirtschaftsförderung müsste nicht neue Flächen vergeben, sondern zur Aufstockung bestehender Standorte verpflichten.

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